Huainigg: ÖVP-Devise für das 21. Jahrhundert lautet „Daheim statt ins Heim“

Hilfsorganisationen sollten professionelle Anleitung und Begleitung für pflegende Angehörige, BetreuerInnen und AssistentInnen anbieten

Franz-Joseph Huainigg
ÖVP

„Für die ÖVP ist es oberste Prämisse, die Familien so zu stärken und zu unterstützen, dass behinderte und ältere Menschen auch bei einem Pflegebedarf zuhause weiterleben können“, sagt Abg. Dr. Franz-Joseph Huainigg, ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung, in seiner heutigen Rede vor dem Nationalrat. „Und für jene Lebenssituationen, wo dies nicht mehr machbar ist oder sich die betroffenen Personen eine Betreuung außerhalb der eigenen Wohnung wünschen, brauchen wir ein Umdenken und einen Qualitätsschub: weg von Großeinrichtungen und Minikrankenhäusern hin zu Formen des betreuten Wohnens, gemeindenahen Wohngruppen, teilstationären Angeboten und wohnliche Pflegeeinrichtungen.“

In der letzten Legislaturperiode wurden, so der Behindertensprecher, wichtige Maßnahmen gesetzt, um pflegende Angehörige zu unterstützen:

Die Mitversicherung pflegender Angehöriger wurde verbessert, ein Unterstützungsfonds für Urlaubs- und Krankenvertretung wurde geschaffen, um Betroffene zu entlasten. „Und es ist gut, dass diese Maßnahmen in den letzten Monaten weiter entwickelt werden konnten, wie die Ausweitung des Unterstützungsfonds für demenzerkrankte Personen schon ab der Pflegestufe 1 und weitere Verbesserungen für die Sozialversicherung von pflegenden Angehörigen.“

Zurückversetzt um Jahrzehnte und schwer enttäuscht zeigt sich Huainigg darüber, dass noch immer Verantwortungsträger der Meinung sind, es sei heute „nicht mehr notwendig, dass pflegebedürftige Menschen zu Hause leben“. „Eine Aussage, die die Bedürfnisse und Anliegen der pflegebedürftigen Menschen nicht ernst nimmt“, kritisiert Huainigg und ergänzt: „Eine Unterbringung in einer Einrichtung bedeutet in sehr vielen Fällen einen massiven Verlust an Lebensqualität. Wer will denn seinen Lebensabend in einer sterilen und krankenhausähnlichen Umgebung, in anonymen Zimmern, auf einer Station XY freiwillig verbringen? Auch der alte und pflegebedürftige Mensch braucht eine wohnliche Umgebung, wo er sich als Mensch mit seiner Biographie und seinen Lebensgewohnheiten und Interessen aufgenommen fühlt.“

Ziel der ÖVP sei es, so der Abgeordnete, dass behinderte Menschen so lange wie möglich integriert zu Hause leben können: „Die 24-Stunden-Betreuung und die Verlängerung der Pflegeamnestie sind dazu erste wichtige Schritte und schaffen vor allem Rechtssicherheit“, sagt Huainigg und ergänzt: „Der nächste Schritt muss in der Erhöhung des Pflegegeldes liegen, in der Weiterentwicklung und Ausweitung der mobilen Dienste, in der Ermöglichung von Pflegetätigkeiten durch BetreuerInnen im Rahmen der 24-Stunden-Betreuung und durch Persönlichen AssistentInnen.“

Die Hilfsorganisationen seien hier gefordert, eine auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Anleitung für pflege- und medizinnahe Tätigkeiten durch diplomierte Fachkräfte anzubieten. Pflegende Angehörige sowie BetreuerInnen und Persönliche AssistentInnen in tägliche, routinemäßige Tätigkeiten einzuführen, bedeute einen Qualitätsgewinn in der Betreuung und Pflege. „In der Lebensrealität behinderter Menschen kann Pflege und Betreuung nicht getrennt werden. Was pflegende Angehörige derzeit schon machen dürfen, sollten auch eingeschulte Laienhelfer, die das Vertrauen des behinderten Menschen besitzen und fachlich auf die individuellen Bedürfnisse eingeschult worden sind, durchführen dürfen“, fordert Huainigg und meint abschließend: „Ein Case-Management für Pflegetätigkeiten durch Hilfsorganisationen würde sicherstellen, dass behinderte und ältere Menschen so lange wie möglich zu Hause leben und die pflegenden Angehörigen wirksam und kontinuierlich entlastet werden können. Dies wäre ein tatsächlicher Fortschritt des 21. Jahrhunderts“.

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