Ich fahre zur Busstation, bin der erste Fahrgast, der wartet – doch dann …

In Wien sind Linienbusse des öffentlichen Verkehrs theoretisch mit einem Rollstuhlplatz ausgestattet. Warum nur theoretisch, erkläre ich gerne im Artikel. Ein Kommentar.

Ein Bus der Wiener Linien. Man sieht hinein, 2 Kinderwägen stehen auf dem Rollstuhl- und dem Kinderwagenplatz. Die Tür schließt gerade.
Markus Ladstätter

Als berufstätiger Mensch fahre ich täglich mit dem Bus zur Arbeit und nach Hause. Ich steige dazu bei der Endstation einer U-Bahn-Linie in den Bus ein. Dies bedeutet immer: viele Menschen. Ich nütze einen Elektrorollstuhl und benötige einen Rollstuhlplatz.

Man könnte denken: Mit dem Rollstuhl den Bus zu benützen, ist ganz simpel. Warten, einsteigen, aussteigen, fertig! Leider ist das oft nicht der Fall.

Der Rollstuhlplatz im Alltag

Bus 1:

Ich fahre zur Busstation, bin der erste Fahrgast, der wartet. In der Zwischenzeit kommt eine Mutter mit ihrem Kind im Kinderwagen. Beim Einsteigen ist bereits ein Kinderwagen im Bus, die mit mir wartende Mutter steigt vor mir ein, da ich auf den Busfahrer warten muss, damit er mir die Rampe aufklappt.

Der Busfahrer entschuldigt sich, dass ich leider nicht mitfahren kann und bittet mich, den nächsten Bus zu nehmen.

Bus 2:

Im nächsten Bus ist bereits ein Fahrgast im Elektrorollstuhl an Board, ich kann also leider wieder nicht mitfahren.

Der Busfahrer entschuldigt sich, dass ich leider nicht mitfahren kann und bittet mich, den nächsten Bus zu nehmen.

Bus 3:

Der Rollstuhlplatz ist bereits mit 2 Kinderwägen belegt.

Der Busfahrer entschuldigt sich, dass ich leider nicht mitfahren kann und bittet mich, den nächsten Bus zu nehmen.

Bus 4:

Ich kann endlich mitfahren!

Warum ist das so?

Eine Information von Transport for London für die Busfahrer, dass sie den Rollstuhlplatz in Bussen frei räumen sollen.
Transport for London

Die Wiener Linien haben für das Personal die Anweisung, dass entweder 1 Rollstuhl + 1 Kinderwagen erlaubt sind, oder 2 Kinderwägen.

Obwohl vorne im Bus deutlich gekennzeichnet ist, dass der Bus 1 genehmigten Rollstuhlplatz hat, wird er oftmals anders verwendet. Kinderwägen werden leider nur noch selten zusammengeklappt, auch wenn gar kein Kind mehr drinnen liegt oder sitz.

Was könnte man ändern?

In Großbritannien gab es vor kurzem ein Gerichtsurteil des obersten Gerichts, dass Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer bevorzugt werden müssen bei Rollstuhlplätzen. Siehe unseren Artikel Rollstuhlplatz in Öffis: Brite erzielt Teilerfolg vor oberstem Gericht.

Transport for London, das Verkehrsunternehmen in London, hat darauf hin folgende Richtlinie an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausgegeben:

Sollte jemand mit einem Kinderwagen oder ein anderer Kunde sich weigern, den Rollstuhlplatz frei zu machen oder zu teilen, dann müssen Sie ihnen erklären, dass sie verpflichtet sind, den Platz frei zu geben.

Sie müssen Ihr Bestes geben, um andere dazu zu animieren, den Platz frei zu räumen. Sollten Sie nach mehrfachen Versuchen es nicht schaffen, sagen Sie der Person im Rollstuhl, dass sie sich an den Fahrdienstleiter wenden soll, damit der Fahrer des nächsten Busses informiert ist.

Ich wünsche mir, dass die Wiener Linien ihre Rollstuhlplätze auch endlich als das sehen, was sie gesetzlich sein sollten, nämlich Rollstuhlplätze. Gerade in den großen Bussen wäre bei der hintersten Tür genug Platz für Kinderwagenplätze.

Dass die Rollstuhlplätze in den Busse über die Jahre auch immer kleiner wurden, ist eine andere Geschichte!

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8 Kommentare

  • Ich habe in der Zeitung schon anderes gelesen. Da wurde eine Mutter nach einigen Stationen rausgeschmissen, weil eine Rollifahrerin den Platz beanspruchte. Ich sage: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst und nicht, ob Rollifahrer oder Kinderwagenmamis und -papis dem Fahrer wichtiger, sympathischer oder sonstwas sind. Beide Personengruppen haben Priorität, aber wenn die Plätze besetzt sind, heißt es für die, die zuletzt gekommen sind, auf den nächsten Bus oder Zug wartem. Ich falle nicht unter diese Gruppen, aber wenn ich es mir zeitlich leisten kann und viel Gepäck habe, warte ich auf den nächsten Zug, der nicht überfüllt ist. Das kann auf der Währinger Straße oder auf der U3 zwischen Ring und Westbahnhof einige Züge dauern.

  • Das ist mir auch schon passiert das drei Kinderwägen darin standen jedoch hat sich der Fahrer versucht damit auszureden wegen der Sicherheit und das Er die Frauen nicht zu hinteren Einstieg verweisen kann denn nur beim Kinderwagen und Rolliplatz Vorrichtungen vorhanden sin wo man die Kinderwägen sichern kann habe noch nie gesehen dass Mütter tatsächlich den Kinderwagen sichren würden mich darauf hin bei den Wr. Linien beschwert seitdem habe ich immer das Glück oder gab es eine Weisung? die Busfahrer haben mir immer Platz geschaffen. Mit der Lösung von Citybussen bin ich auch nicht zufrieden das in wirklichkeit nur Platz für einen mechanischen Rollstuhlplatz und auch nur dann wenn mich jemand hineinhebt denn zu Wenden und rückwärts fahren ist kein Platz ausser der Bus ist komplett leer. Aber die Wr. Linien haben jetzt ja einen Behinderten Ombudsmann oder Beauftragten der hat meiner Ansicht nach die Funktion der Verkehrsbetriebe vor uns Rollifahrer zu schützen 🙂 🙂 🙂

  • …. natürlich finde ich die lösung von „berlin“ oder wie ihr genanntes beispiel aus „großbritannien“ absolut korrekt und nachahmenswert … für alle verantwortlichen !!

  • nicht die rollstuhlplätze im bus werden kleiner, vielmehr werden die rollis (vorallem die e-rolli) größer, schwerer, breiter, auch schöner und mit noch viel mehr technischen errungenschaften ausgestattet, somit ist die situation plötzlich gegeben, das die hersteller von bussen, welche sich an genormte „rollstuhlplatzflächen“ beim aufbau des fahrzeuges halten (wird ja auch bei der typisierung darauf geachtet und mit dem rollmeter kontrolliert), wie die „normalen auto“ auch z.b. SUV genannt, auf den herkömmlichen parkplätzen ja auch nicht mehr platz finden !
    … die entwicklung der technik und angebotenen mobilen geräte ist schneller (auch größer) als die entwicklung in der vorgeschriebenen planung von zur verfügung gestellten „flächen“ und „plätzen“

    • Doch, leider wurden die Rollstuhlplätze über die Busgenerationen kürzer. Ich habe dies anhand von mir vorhandenen Plänen sowie im Bus selbst nachgemessen.

      Ich dachte zuerst nämlich auch, mich trügt nur der Eindruck.

  • „Dass die Rollstuhlplätze in den Busse über die Jahre auch immer kleiner wurden…“
    ist die zentrale Sauerei, weil damit über viele Jahre zu wenig Platz ist!

    Ein Passgier kann auf einem Rolli Platz stehen, ein Rolli aber abernicht auf einem Sitzplatz!

    Und, warum lasse sie sich von der Kindswagenfahrerein überholen?

  • Sollte euch – Dir und wem auch immer in der WB passieren bitte beim Kundendienst melden – könnt mir auch gerne schreiben wenn etwas nicht passt.

    Liebe Grüße
    Manfred Böhm

  • Das fand ich in Berlin toll. Da musste der Kinderwagen vom Rollstuhlplatz weg. Der Busfahrer sagte das auch durch und bat um Verständnis das ist ein Rollstuhlplatz und muss auch für diese zur Verfügung stehen. Bei uns ist das leider nicht so,mit diesen Problem haben wir auch zu tun.