„Ich würde mir einen eigenen Behinderten-Priester wünschen“

Statt die von vielen Seiten angebotenen Gespräche anzunehmen, gibt Pfarrer Triebl (Raxendorf/NÖ) einige Interviews, die tief auf sein Menschenbild blicken lassen. In die Kritik geriet er, weil er zwei behinderten Menschen die Kommunion verweigerte.

Schild Kirche in der Pfarrgasse
BilderBox.com

Erst Wochen nach der Kommunionsverweigerung in der katholischen Kirche von Raxendorf erfuhr die Öffentlichkeit von dem Vorfall.

Sowohl der zuständige Bischof Dr. Klaus Küng als auch der Wiener Caritasdirektor Michael Landau stellten unmissverständlich fest, dass sie diese Vorgangsweise ablehnen.

Pfarrer Benedikt Triebl erhielt eine Vielzahl von Gesprächsangeboten. Sowohl die Caritas-NÖ wie auch Bischof Küng versuchten dem Pfarrer ein einlenken leicht zu machen. „Anscheinend gab es bei einer Eucharistiefeier in Raxendorf gewisse Probleme, vielleicht auch Missverständnisse“, gaben sie bekannt.

Welches unchristliche Menschenbild steckt dahinter?

Leider zog es der Raxendorfer Pfarrer aber vor, statt (Weiterbildungs)Gesprächen lieber eine Reihe von Interviews zu führen. Nun ist den Medien zu entnehmen, welches verzerrte und erschreckende Menschenbild dieser Pfarrer von behinderten Menschen haben dürfte.

Gegenüber ORF-NÖ meinte er, dass diese Personen „bestimmte Dinge ja nicht vollziehen können“ und es „ihnen auch nicht zuzumuten ist“. Er hält fest, dass er z. B. Aschermittwoch und Kreuzweg „mit Behinderten auch nicht unternehmen wolle“.

Der Pfarrer berief sich auf Konzilsdekrete, die angeblich Sonderliturgien vorsehen – vor allem für Personen, die „geistig einen beträchtlichen Schaden genommen haben“, wie es der Pfarrer in der Nachrichtensendung formulierte.

Im Kurier-Interview legt er mit der Behauptung nach: „Es gibt drei Personen im Heim, die auf Grund ihrer extremen geistigen Disposition den Sakramenten-Empfang nicht in der nötigen Würde vollziehen können.“

Er macht sich aber auch Sorgen um die nichtbehinderten Gläubigen, weil er sei „dafür verantwortlich, dass allen Gläubigen ein würdiger Sakramentenempfang ermöglicht wird.“

Wie er sich die zukünftige Situation – nämlich Aussonderung – vorstellen kann, gibt er auch gleich bekannt: „Ich würde mir einen eigenen Behinderten-Priester in der Diözese wünschen, der sich dieser Menschen annimmt.“

Reaktionen

Nicht nur Bischof Küng und der Wiener Caritasdirektor Landau kritisieren den Raxendorfer Pfarrer. Auch in Kärnten stößt die Verweigerung der Heiligen Kommunion auf Unverständnis.

„Es gibt keine Dekrete, auf die sich der Pfarrer aus Niederösterreich stützen kann. Die Kirche will alle Menschen in die Liturgie einbeziehen“, betont Jakob Ibounig, Leiter des Diözesangerichts der Diözese Gurk, in der neuen Kärntner Tageszeitung.

„Ein Imageschaden für die Kirche. Was ist da bloß passiert? Vielleicht war der Pfarrer in dieser Situation überfordert. Seitens der Kirche wird alles für die Integration Behinderter getan“, stellt Pfarrer Franz-Peter Forster aus Völkermarkt entsetzt fest.

„Kein Pfarrer kann bewerten, ob behinderte Menschen die Liturgie begreifen oder nicht“, hält Hildegard Ratheiser von der Lebenshilfe Kärnten fest.

Auch in Raxendorf versteht man den Eigensinn des Pfarrers nicht „einen Fehler einzugestehen“, zitiert der Kurier eine Dorfbewohnerin.

Wie kann es weitergehen?

Einerseits gibt es in Raxendorf einen katholischen Pfarrer, der schwer überfordert und anscheinend nicht fähig ist, behinderte Menschen als gleichberechtigte Mitglieder seiner Gemeinde zu akzeptieren. Man kann nur hoffen, dass er es schafft sein Menschenbild zu ändern.

Andererseits zeigt auch die Stellungnahme von Bischof Küng, wie schwer sich Teile der katholischen Kirche mit behinderten Menschen noch immer tun. Er schreibt – durchaus gut gemeinte – Sätze, die traurig machen.

„Er liebt AUCH sie, die Behinderten, und er will, dass wir sie lieben.“ und „Für sie gelten IM PRINZIP die gleichen Bedingungen wie für alle Gläubigen.“ (Hervorhebungen durch die Redaktion) kann man seinem Schreiben vom 21. April 2006 entnehmen. Hier wird klar zwischen nichtbehinderten und behinderten Menschen unterschieden; leider.

So gesehen zeigt Küngs Stellungnahme – stark abgeschwächt aber doch – ein Problem der Amtskirche auf und nicht – wie man meinen könnte – Teile der Lösung.

Es bleibt daher zu befürchten, dass die Diözese St. Pölten – wahrscheinlich auch die Österreichische Bischofskonferenz – nicht den Mut aufbringen wird diese Diskriminierung und Aussonderung als das zu bezeichnen was es ist: Nämlich unchristliches Verhalten.

„ausgestattet mit den heiligen und unveräußerlichen Rechten“

Lesenwert ist auch die Botschaft von Johannes Paul II. an die Teilnehmer des internationalen Symposions „Würde und Rechte geistig behinderter Menschen“ zum Abschluss „des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung 2003“, das vom 7. bis 9. Jänner 2004 im Vatikan stattfand.

Der Papst sagte damals: „Der Ausgangspunkt für jedes Nachdenken über die Behinderung wurzelt in den Grundüberzeugungen der christlichen Anthropologie: Der Behinderte ist trotz der erkennbaren Beeinträchtigung seiner Wahrnehmungs- und Verstandesfähigkeiten im Vollsinn Mensch, ausgestattet mit den heiligen und unveräußerlichen Rechten, die jedem menschlichen Geschöpf eigen sind.“

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0 Kommentare

  • Menschenverachtend und pervers ist diese „Kirche“!

  • Jetzt ist mir auch klar, warum man bei den Kirchen auf taube Ohren stößt, wenn man um Errichtung einer Rampe bittet (ja da kämen sie ja noch leichter und vielleicht noch zahlreicher rein)! Aber früher oder später sehen wir uns alle wieder, und dann wird er richten über die Lebenden und die Toten!

  • Und am 7. Tage schwang Gott sich in ihren Elektrorollstuhl und bretterte von dannen, um ihren merkwürdigen Adepten zu entfleuchen.

  • @Alexandra: Nicht ganz: Er, Peter Hepp, ist kein Priester sondern Diakon. Weitere Infos wie immer in der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Diakon

  • Einmal mehr wird uns hier bewiesen, dass die Kirche nach wie vor mit einem Bein im Mittelalter steht!

  • Stimmt nicht. In Deutschland gibt es einen Prister, der blind und gehörlos ist.

  • Geht leider nicht, untersagt das Kirchenrecht!

  • Nach dem Kirchenrecht darf ein Behinderter nicht Priester werden !!!!!

  • die ganze aufregung wegen eines teppen mehr in der kirche ist völlig unnötig.

  • Bei Pristermangel ist mir lieber, kein Priester, als ein ungeeigneter.

  • Zunächst einmal ist das Verständnis von Menschen von Gott vorgegeben. Jeder Mensch ohne Ausnahme ist ein Ebenbild bzw. Abbild Gottes, so die Heilige Schrift. Es bedarf keiner Sondergottesdienste und keiner Sonderseelsorger bzw. Priester. Alle ohne Ausnahme gehören zur jeweiligen Gemeinde. Der Begriff der Eucharistiefeier bzw. die Sichtweise bei jeder Heiligen Messe würde durch die Vollmacht des jeweiligen Priesters Jesus Christus selbst gegenwärtig sein, ist mit dem Neuen Testament nicht in Einklang zu bringen. Die christliche Abendmahlsfeier geht zurück auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern (Mt 26,26-28), ist aber auch zu sehen auf dem Hintergrund der Tischgemeinschaft Jesu mit den „Zöllnern und Sündern“ (Mk 2,16; Lk 15,2). In Erinnerung an die Mahlgemeinschaft Jesu wurde das Abendmahl in den ersten Christengemeinden noch im Rahmen einer gemeinsamen Mahlzeit aller Gläubigen gefeiert (-> Liebesmahl). Aus der hebräischen Übersetzung ergibt sich folgender Text: „Während sie aßen, nahm Jesus ein Stück ungesäuertes Brot, machte eine Segnung, brach es, brach es den Jüngern und sagte: Nehmt! Eßt! Das ist mein Leib!“ Ebenso nahm er einen Becher Wein, machte die Segnung und gab ihnen mit den Worten: „Trinkt alle daraus! Denn das ist mein Blut, das den Neuen Bund besiegelt, mein Blut, vergossen für viele, damit ihnen ihre Sünden vergeben werden. Ich sage euch, ich werde diese >Frucht des Weinstocks< nicht wieder trinken, bis zum Tag, an dem ich neuen Wein mit euch in meines Vaters Reich trinken werde." Wie sich diese Aussagen mit dem Verständnis der Vergegenwärtigung Jesu Christi bei jeder Heiligen Messe vereinbaren lässt, bleibt mir ein Rätsel. Der Beitrag von Frau Alexandra ist wenig hilfreich in dieser Angelegenheit. Festzuhalten bleibt: Dass alle Menschen ohne Ausnahme eingeladen sind an dem Liebesmahl bzw. Abendmahl teilzunehmen. Bekannt ist mir, dass es in der römisch-katholischen Kirche bis heute so ist, dass z.B. jemand, der an einem Körperteil behindert

  • „Ich würde mir einen eigenen Behinderten-Priester wünschen“

    Ich finde diese Aussage genauso bescheuer und diskriminierend, wie die Tatsache, dass sich dieser eine Priester ein FauxPas geleistet hat.

    Ich weiss nicht, was diese Diskussion soll. Die Institution Kirche ist nichts anderes, als ein geldgieriger Verein. Ob es um die Kirchensteuer unserer Zeit oder um den Ablass früherer Zeiten ging. Es geht nur um den finanziellen Erhalt der Kirche. Während der Pabst in Seide schläft, verhungern Kinder oder sterben an Aids. Diese Verlogenheit der katholischen Kirche ist keine gute Webung für diese.

    Wem die Richtline der katholischen Kirche nicht passt, soll aussteigen. Die Bibel ist nicht nur für die katholische Kirche da, sondern für jeden paktizierenden Christen. Und schon in der Bibel steht, dass Gott überall ist und nicht nur in einem Haus.

    Der Glaube an Jesus Christus ist nicht an einem Prister gebunden, sondern an das Wort Gottes und dies wiederum steht in der Bibel, die in jedem Bücherladen zu kaufen gibt. Ich bin aus der Kirche ausgetreten, weil ich diese Art der „Firmenführung“ nicht schätze. Ebenfalls kann man ja auch zu einem anderen Glauben konventieren.

  • Mir scheint der Pfarrer ist mit behinderten Menschen überfordrert, oder er hat selber ein selber ein Problem, mit dem er nicht fertig wird, die Kirche schreibt noch Geschichte.

  • Es darf angenommen werden, dass es sich bei diesem Priester um einen Gefolgsmann der konservativen Periode aus Krenn, Groer, Laun und co handelt. Es lässt insoferne tief blicken, als sich diese einfach gestrickten Ideologen ein elitärens Christentum vorstellen, dass nicht alle einbezieht, sondern nur die Eliten, die dessen „würdig“ seien.

    Im neuen Testament hat sich Jesus Christus gerade gegen diese Tendenzen immer wieder gestellt. Die Auseinanersetzung mit den Pharisäern und dieser pharisäischen Einstellung des Elitären ist ein zentrales Element.

    Jesus aber hat niemanden ausgeschlossen, sondern alle eingeladen, an seinem Mahl teilzunehmen, auch die verschrieenen Zöllner und Huren oder andere wie die Samariter, auf die man gerne herunter geschaut hat und sich als etwas Besseres vorgekommen ist. Diesem Herunterschauen stellt Jesus Christus die Liebe entgegen, die erstens bei einem selbst anfangen muss und die andererseits jeden umfassen sollte, sogar den ärgsten Feind, weil auch dieser Liebe verdient.

    Ich habe schon in einem anderen Kommentar mit dem Argument der Bergpredigt, bei der die Menschen mit Lernschwierigkeiten ganz gezielt als selig herausgestrichen werden, gezeigt, dass dieser Pfarrer nicht treu zum Evangelion steht.

    Auch und vor allem durch sein elitäres Gehabe stellt er sich außerhalb der Gebote Jesu: Fazit: Abtreten, möglichst schnell, und Einkehr halten und Buße tun wegen seiner eigenen Dummheiten und Ketzereien, die andere Menschen diskriminieren, verletzen und durch die Weigerung, die Lehre Christi zu leben, auch der ganzen Kirche sehr schaden!