In welcher Welt leben wir?

Manchmal hilft einfach nur wundern oder ärgern? Ich weiß es nicht.

Silke Haider
Rebecca Oberst

Hallo Menschen, mein Name ist Silke Haider. Ich wurde vor kurzem 25 und nein es ist nicht ok, wenn meine Bank mit meiner Mutter über mein Giro-Konto spricht, ja, es ist ok, dass ich eine Kreditkarte haben will, ja mein Führerschein gilt nicht nur für die Strecke Heimatort und Universität. Ja, ich habe Zukunftsträume, Vorstellungen, wie es weitergehen soll.

Eigentlich ganz normal für eine 25jährige oder? Ja, ich kann mir meine Kleidung selbst aussuchen, ja, ich gehe gerne shoppen, nein, ich ziehe keinen Kartoffelsack an, ja, ich trinke Alkohol und darf diesen mit 25 schon seit 9 Jahren bestellen, kaufen und verschenken. Ja, ich bin eine Frau, nein, nicht jeder Mann der neben mir geht ist mein Pfleger/Assistent, es kann auch sein, dass dieser mein Lebenspartner ist. Ja, ich studiere Wirtschaftspädagogik, nein, ich bin nicht mehr in der Mindeststudienzeit, nein, es gibt kein Berufsverbot für RollstuhlfahrerInnen die WirtschaftspädagogInnen werden wollen. Ja, dieser Text ist in einer Wurst geschrieben, ja, ich mache mir gerade viele Gedanken. Warum?

Es gibt in Österreich Fälle, die die selbe Behinderung wie ich haben (70%) und denen nahe gelegt wird, dass sie ihr Kind in freiwillige Pflegschaft geben oder geteiltes Sorgerecht mit der Mutter haben sollen. Wolltet ihr geteiltes Sorgerecht für eurer Kind mit eurer Mutter haben? Nein? Warum wird es dann von rein körperbehinderten Müttern verlangt? Ja, sie müssen Lösungen finden, um das Kind „tragen“ zu können, ja, sie brauchen Unterstützung, aber, hallo Welt, sie haben genauso das Recht wie alle anderen Mütter, sich über ihr Kind zu freuen.

Ja, ich möchte mal alleine in Linz wohnen, aja, die neuen Wohnungen werden ja nicht wirklich barrierefrei gestaltet. Warum? Landesrat Haimbuchner glaubt, das sei kostengünstiger, ja, Landesrat Hiesl glaubt das auch. Nein, der SPÖ Landtagsclub glaubt das nicht, nein die Junge Generation in der SPÖ Oberösterreich (JG) glaubt das auch nicht, gut, dass ich diesmal bei den „Richtigen“ zu sein scheine.

Ja, ja ich arbeite neben dem Studium, warum? Um Qualifikationen zu bekommen. Was? Ja, ich mache die Buchhaltung und Projektassistenz in einer NPO, Nein, mein Chef ist nicht wahnsinnig, er weiß, dass ich nicht so gut gehen kann, aber das ist doch am Bürosessel egal oder? Mhm … ich könnte noch stundenlang weiterschreiben …

Ja, heute ist 2012 und ich kämpfe noch immer für Chancengleichheit für Menschen mit Beeinträchtigung!

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0 Kommentare

  • Intelligenter Artikel ;-) Gratuliere!

  • Toller Artikel – sicher tolle engagierte Frau. Ich/wir von der Selbstbestimmt-Leben-Initiative OÖ würden Sie/dich, liebe Silke Haider, gerne persönlich kennen lernen. Wir sind in der Bethlehemstr. 3/2.Stock, 4020 Linz zu finden (www.sli-ooe.at)…

  • GRANDIOS weiter so es muß sich in den gehirnen einbrennen das wir nicht behindert sind sondern behindert werden – dein schreiben sollte in allen medien gebracht werden doch dazu muß man wieder erst die massenmedien dazu bringen – ich werde meine bescheidenen möglichkeiten dazu nutzen

  • danke, dass du diese zeilen verfasst hast. dieses land der niedertracht, mit all diesen niedertrachtenträgerInnen.
    man kann gar nicht so viel essen, wie man kötzen möchte (Max Liebermann )
    diese braune soße überzieht schon wieder alles.
    sparen ja, ersparen wir uns diese poltikerInnen

  • hi silke, toller beitrag. lass dich nicht unterkriegen. it’s time to rise. lg, markus

  • Hallo Silke, wir kennen uns zumindestens per Mail von den Hunden. Herzliche Gratulation zu dem tollen Artikel und weiterhin viel Kampfgeist!

  • ICH BIN BEHINDERT UND DAS IST GUT SO !!

  • Hallo Silke! Gratulation zu dem hervorragenden Beitrag. Leider haben nicht sehr viele den Mut und die Zivilcourage öffentlich zu machen, was nicht paßt.

    Alles Gute und liebe Grüße aus Wien, Gerhard-Norbert Ludwig, Behindertensprecher d.Bed.d.Stadt Wien

  • Hallo Silke Haider!
    Gut, dass Sie so ehrlich und mutig Ihren Standpunkt vertreten. Ich sage zwar auch meine Meinung, wenn ich das für nötig halte, aber so fest auftreten wie Sie … das habe ich noch nie probiert/probieren müssen. Obwohl: wenn ich ehrlich bin, hat es mich durchaus gewurmt, wenn die Leute statt mit meinem Mann über ihn gesprochen haben, weil er als Spastiker manchmal schwer zu verstehen ist. Ich bin froh, dass ihr jungen Leute Euch heute ganz anders und selbstverständlich in die Gesellschaft einbringen könnt, auch wenn bei weitem nicht alles glatt läuft. Aber mit Assistenz umgehen,das will gelernt sein. Ob das die behinderten Schulabgänger im Blick haben ? Freundliche Grüsse D.Isserstedt

  • Nicht ärgern, nur wundern?! Bin noch nicht lange im Rollstuhl habe aber schon die gleichen Erfahrungen gemacht…

  • Als Deutscher möchte ich Silke die Rückmeldung geben, dass es auch hier mit den barrierefreien Wohnmöglichkeiten nicht einfach ist. Gerade muss ich feststellen, dass größere barrierefreie Wohnungen für Familien offenbar „dünn gesät“ sind. Aber in Deutschland darf doch niemand wegen seiner Behinderung diskriminiert werden! Und Deutschland hat seit über 3 Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet! Aber das Ganze muss auch in den Köpfen ankommen – auch und gerade in den Köpfen von Unternehmern, z.B. solchen, die Wohnungen bauen.

    Dafür sollten alle Menschen mit Behinderungen kämpfen, die dazu in der Lage sind. Der Kampf für die eigene Person wird so zum Kampf für die nachfolgenden Generationen. Silke und allen, die dies lesen, möchte ich zurufen: Lasst euch nicht davon abbringen, so leben zu wollen wie die Menschen ohne Behinderung in eurer Umgebung! Ihr habt das Recht dazu. Wenn man es euch verweigern will, wehrt euch! Erkundigt euch, wer euer Land bezüglich der UN-BRK bei den Vereinten Nationen vertritt, und informiert diese Person über Verstöße gegen oder Nicht-Umsetzung von Festlegungen dieser Konvention.

    Ich wünsche noch eine schöne Zeit!

  • Ja Silke Du hast recht – Dein Kampf soll auch unser Kampf sein!
    Parteipolitik ist oft grausam ob SOZIAL – CHRISTLICH – ROT – SCHWARZ – BLAU – ORANGE & WAS AUCH SONSTS NOCH SO KRIECHT & FLEUCHT fast jeder ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht traurig wirds für die erst dann, wenn SIE selber davon betroffen sind bzw. werden!
    Dir & Deiner Familie wünsch ich ALLES LIEBE & GUTE denk noch oft an die Zeit in Weiden zurück!