Inklusion braucht Infrastruktur!

Oft ist Einfaches schwer zu machen. Zehn Jahre laboriert unser Land nun schon an so etwas Einfachem wie Inklusion herum. Ein Kommentar von Roland Frickenhaus.

Eine Landstraße. Links und rechts der Straße Baumreihen. ein Auto fährt vorbei man sieht es verschwommen von hinten.

Das dürfte nicht zuletzt auch daran liegen, dass den Verantwortlichen erst allmählich klar zu werden scheint, dass Inklusion nur dann Erfolg beschieden sein wird, wenn parallel auch eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut wird. Es ist wie seinerzeit bei der Erfindung des Automobils. Dass das eine Erfolgsgeschichte wurde, liegt nicht zuletzt daran, dass parallel die erforderliche Infrastruktur (Straßen, etc.) aufgebaut wurde.

Vor einigen Tagen erschien im SPIEGEL ein interessanter Artikel mit beeindruckenden Fotos über die sogenannten „Autoträger“ in Nepal in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts: Autos gab es bereits, aber es gab noch nicht überall Straßen. Und so trugen kräftige Männer die Autos oft kilometerlang durch unwegsames Gelände, ehe es wieder befestigte Wege gab und der stolze Autobesitzer allein weiterkonnte.

„Die Erfindung war gemacht, aber die Infrastruktur fehlte“, so könnte man das Problem jener Tage zusammenfassen. 

Was das mit Inklusion zu tun hat?

Nun, da hat Deutschland die UN-BRK unterschrieben und uns mal eben „Inklusion“ bestellt, aber übersehen, dass die Infrastruktur fehlt. 

Unbestritten: Die Erfindung des Autos ist schon irgendwie genial und es wird sicher auch niemand ernsthaft daran zweifeln, dass „Inklusion“ auch genial ist. 

Das Problem sind die fehlenden „Straßen“!

Wir haben kaum Straßen, auf denen die Inklusion „fahren“ könnte: Wir haben Werkstätten für behinderte Menschen, wir haben Wohnheime, wir haben Förderschulen und wir haben immer noch viel zu viel Barriereunfreiheit. Das ist sozusagen das unwegsame Gelände, durch das das „Auto“ getragen werden muss. Das ist nicht die Infrastruktur, die Inklusion braucht, sondern das ist eine Struktur, die erst noch inklusionstauglich umgerüstet werden muss.

Inklusion braucht Schulen, die für alle SchülerInnen Angebote haben. Inklusion braucht Häuser und Wohnungen, in denen keine Auszugsgründe eingebaut sind und sie braucht einen Arbeitsmarkt, in dem Arbeitsschritte so aufgefächert sind, dass Alle an den einzelnen Prozessen und Arbeitsschritten beteiligt werden können. Dass die Ausgleichsabgabe einen falschen Anreiz setzt, muss nicht besonders erwähnt werden; es geht um Straßen und nicht um Sackgassen. 

Die etwas fremd anmutenden Fotos zeigen, dass ein Auto ohne Straßen keinen Sinn macht. Inklusion macht keinen Sinn ohne Infrastruktur. Dies scheint mir auch eines der Versäumnisse der Politik zu sein, die offensichtlich dachte, dass das schon geht mit der Inklusion und dass man dann eben mal schnell alle Förderschulen schließt und dass wir dann „Inklusion“ haben.

Dass das Auto seinen „Siegeszug“ feiern konnte, liegt nicht am Auto allein, sondern daran, dass die Infrastruktur, die es benötigt, geschaffen wurde: Straßen, Tankstellen, Werkstätten und so weiter.

Auch mit der netten Unterschrift unter die UN-BRK ist es nicht getan. Der Siegeszug von „Inklusion“ wird also davon abhängen, ob es gelingt, ihr die erforderliche Infrastruktur bereitzustellen.

Nach zehn Jahren UN-BRK ist klar: Die Herstellung von Inklusion ist eine politische Aufgabe. Wir sollten uns nicht länger zu Grabenkämpfen verleiten oder instrumentalisieren lassen. Es wird höchste Zeit, dass wir die sinnfreien und emotional aufgeladenen „Pro-und-Contra-Diskussionen“ endlich und endgültig hinter uns lassen. Es geht nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“.

Das aktuell vorfindbare und vom Paradigma der Aus- und Besonderung geprägten Hilfesystem ist denkbar kontraproduktiv für Inklusion. 

„Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde“, so ein häufig zitierter Ausspruch von ihm.

Liebe Politiker, wenn es um Inklusion geht, dann fragt keine WerkstattleiterIinnen, keine FörderschuldirektorInnen und keine WohnstättenbetreiberInnen, die wollen alle nur „schnellere Pferde“! Das hat mit Inklusion schlichtweg gar nichts zu tun und beschäftigt nur unterbezahlte Automobilträger. 

Es ist an der Zeit, nicht länger über „Inklusion“ als Schlagwort oder Begriff zu reden, sondern endlich Bedingungen zu schaffen, die sie braucht, um erfolgreich zu sein.

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Ein Kommentar

  • Danke. Auf den Punkt gebracht!