„Inklusionsurlaub“ der MA 11 und des Vereins Wiener Jugenderholung (wijug)

Mein erstes Kind wird problemlos angemeldet, mein zweites, das Wunderkind mit Trisomie 21, muss zu einem extra Termin. Ein Kommentar.

Wanderwege in Österreichs Alpen
BilderBox.com

Kennenlernen wird das genannt und ich frage mich, warum die mein anderes Kind nicht kennenlernen wollen. 😉

Schon bei der telefonischen Terminvereinbarung frage ich, was genau man denn wissen würde wollen.

Wijug: Abläufe, Gewohnheiten, Routinen

Ich: Und vom anderen Kind?

Wijug: So kommen wir nicht weiter. (Da haben die recht, aber …) Haben Sie Befunde?

Ich: Warum?

Wijug: Damit wir belegen können …

Ich: Würde ich lügen, dass meine Tochter T21 hat obwohl sie’s gar nicht hat? (Ich muss schmunzeln.)

Wijug: Frau Rausch … (die Sachbearbeiterin wirkt leicht entnervt, sie hat recht, ich bin nervig)

Ich: Nein, ernsthaft … ich hab‘ nur ein Schreiben auf Englisch, aber Sie können ein Photo von Teresa machen.

Wijug: Schweigen (möglicherweise resignierend).

Also ohne extra Termin gibt es keinen Urlaub für Teresa. DAS ist Inklusion?

Wir werden im Büro im 9. Bezirk freundlich begrüßt.

Die Fragen vom dreiseitigen Bogen beantwortet Teresa fast ausschließlich allein, ich helfe oder ergänze ganz selten.

Die Beantwortung der Frage „Wie wirkt sich das Down Syndrom aus?“ lehne ich ab.

Nach 30 min ist die Sachbearbeiterin positiv überrascht, dass wir schon fertig sind und meint wohlwollend „Also ich würde Teresa den Platz jedenfalls geben.“

Jetzt habe ich das Gefühl, ein Almosen erhalten zu haben, aber ich ignoriere es.

Vor dem Gespräch hatte ich erwähnt, dass ich nicht über Teresa reden würde, wenn sie dabei ist – „aus Respekt nicht“. Jetzt bitte ich Teresa, noch ein wenig draußen zu warten.

Als die Tür hinter Teresa zu ist, sage ich der Sachbearbeiterin drei Dinge, um die ich bitten will:

  • Dass Teresa mit denselben guten Tischmanieren vom Urlaub kommt, mit denen sie in den Urlaub entlassen wurde (mögen andere Teresa als Beispiel nehmen);
  • Dass die Betreuerinnen auf eine artikulierte und deutliche Aussprache achten und über den auditiven Prozessor und dessen möglicherweise leicht unterschiedliche Funktion bei Kindern mit DS nachlesen (Frage von Wijug: „Den was?“) (da will ich noch Info schicken);
  • Dass Teresa vor dem Zubettgehen an den Toilettengang erinnert wird.

Ob wir die Betreuerinnen kennenlernen, frage ich. Das wird verneint.

Ich: Dann verstehe ich die Sinnhaftigkeit des Termins nicht ganz.

Wijug: Ich lerne Teresa kennen und kann das dann alles an die Betreuerinnen weitergeben.

Ich: Ich verstehe nicht, warum meine beiden Kinder unterschiedlich behandelt werden.

Wijug: Wir wollen Kinder mit einer Behinderung kennenlernen, damit nicht während des Urlaubs eine für die Betreuerinnen ganz schwierige Situation entsteht, weil die Eltern etwas verschwiegen haben. Die Betreuerinnen haben ja auch Berührungsängste. (Warum klingt das gar nicht gut?)

Die Geschäftsführerin kommt ins Sitzungszimmer (das auch Teeküche ist), um eine Tasse abzustellen, bringt sich dann – ohne sich vorzustellen und ohne Einleitung – in das Gespräch ein und verteidigt die Vorgehensweise.

Wijug: Sie sind die erste seit 7 Jahren, der das nicht recht ist.

Ich: Ja, das bin ich gewohnt, ich bin oft die erste.

Wijug: Wir tun das, damit der Urlaub für die Kinder schön wird. Wir hatten schon unangenehme Situationen, weil Eltern Sachen über ihre Kinder verschwiegen haben, aus Angst, sie würden dann nicht mitgenommen werden.

Das kann ich schwer glauben.

Und habe darüber viel nachgedacht. Wer würde das tun? Warum?

Vielleicht ist die Lösung, dass der Vergeber (MA 11, Wijug) den Eltern vermitteln muss.

„Ihr Kind ist gebucht, es fährt jedenfalls mit.“

Besser noch: „Wir freuen uns auf Ihr Kind. Wir werden unser Bestes geben, damit Ihr Kind nächstes Jahr wieder mitfahren will. Erholen Sie sich in der Zeit gut, schöpfen Sie Kraft und machen Sie sich überhaupt keine Sorgen.“

DAS ist eine Haltungsfrage.

Diese Haltung ist mir abgegangen.

DAS würde Eltern entgegenkommen, bin ich überzeugt, und sie müssten dann nicht manches falsch darstellen wollen.

Wenn das ein Angebot ist, um Familien mit Kindern mit einer Behinderung zu entlasten, zu unterstützen, ihnen Erholung und Ausgleich anzubieten (weil gewöhnliche Camps/Urlaube schlicht nicht gebucht werden können), dann MUSS ein Veranstalter die Eltern mehr als willkommen heißen.

Wenn mit jeder Frage des Fragebogens die Vermutung sich verstärkt, dass das Kind bald „ausscheidet“, dann kann selbst ich mir vorstellen, dass Eltern gewisse Notwendigkeiten verschweigen.

Mit der „Teresa ist passend“-Zusage darf ich mich wieder an die MA 11 in meinem Bezirk wenden und die Sachbearbeiterin dort braucht jetzt doch noch weitere Dokumente, die im ersten Mail nicht erwähnt wurden. Gibt es eine Liste, was wirklich alles vorzulegen ist?

Die Sachbearbeiterin der MA 11 fragt vorsichtshalber nochmal, ob es irgendwas über die Kinder gibt, das man wissen sollte. Ich verneine und frage trotzdem nach „Was könnte das sein?“

MA 11: Wenn ein Kind nicht durchschläft, wenn ein Kind zu Nasenbluten neigt.

Ich: Nasenbluten kann aber kein Problem sein …?

MA 11: Na, ich weiß nicht, ob die Betreuer eine Freude haben, wenn ein Kind ständig Nasenbluten hat.

So, jetzt bin ich endgültig verunsichert, ob ich meine elterliche Aufsichtspflicht möglicherweise vernachlässige, wenn ich – nach Aussagen über Berührungsängste der Betreuerinnen gegenüber meiner Tochter mit Down Syndrom und der Möglichkeit, dass Betreuer einer Kleinigkeit wie Nasenbluten nicht gewachsen sind – für meine Mädchen diesen Urlaub buche.

Info: Verein Wiener Jugenderholung (Wijug)

Dieser Artikel erschien zuerst im Facebook-Profil der Autorin.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Ein Kommentar