Inklusive Bildung: Die Sonderschule hat ausgedient

Ministerin Schmieds Beharren auf dem Status quo - Kommentar im Standard vom 25. Jänner 2012

Franz-Joseph Huainigg
Christian Müller

In Österreich gibt es derzeit rund 27.000 Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Hälfte dieser Kinder besucht eine Sonderschule, die andere Hälfte eine Integrationsklasse in einer Regelschule. Das ist seit 10 Jahren unverändert. Das doppelgleisige System ist das teuerste überhaupt, aber im Sinne der Schüler/-innen nicht das sinnvollste.

Daher plädiere ich für die Schließung der Sonderschule zu Gunsten eines qualitätsvoll inklusiven Unterrichts. Von den neuen Rahmenbedingungen, wie zwei Lehrer/-innen, offener Unterricht, individualisierte Lehrpläne etc. würden nicht nur die behinderten, sondern auch die nicht behinderten Kinder profitieren.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gibt vor, dass der richtige Weg die Inklusion behinderter Kinder ins Regelschulwesen ist. Studien belegen klar, dass sich für derart geschulte behinderte Kinder eher Chancen eröffnen. Die spätere Integration in die Gesellschaft wird erleichtert, ebenso der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Kinder mit Sonderschulabschluss werden dagegen schon beim Berufseinstieg massiv benachteiligt.

Das System Sonderschule hat sich überholt

Von allen Schülern besuchen drei (Tirol) bis sechs Prozent (Wien) die Sonderschule, aber nur ein Prozent ist tatsächlich als behindert einzustufen. Die Differenz ist leicht erklärt: 28 Prozent aller Sonderschulkinder haben einen Migrationshintergrund.
Hier werden Kinder, die aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen kommen oder die Sprache nicht gut beherrschen, zu behinderten Kindern „gemacht“.

Die Sonderschule ist zu einer Aussonderungsschule geworden!

Meine Forderung nach der Abschaffung von Sonderschulen bedeutet keinesfalls eine Geringschätzung der dort tätigen Lehrer. Im Gegenteil: Hier wird wertvolle Arbeit geleistet, die wir auch in Zukunft mehr denn je benötigen – aber zur Weiterentwicklung eines inklusiven Schulsystems.

Ein Schlüssel ist auch die Lehrerfortbildung, hier müsste sichergestellt werden, dass alle neuen Lehrer/-innen Grundkenntnisse im inklusiven Unterricht erwerben. Und warum soll es nicht auch behinderte Lehrer/-innen geben? Derzeit sind ja behinderte Lehramtskandidaten durch die Hochschul-Zulassungsverordnung 2007 ausgegrenzt, sie werden an den Pädagogischen Hochschulen nicht aufgenommen. Die Inklusion beginnt aber im Lehrerzimmer!

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0 Kommentare

  • @Monika, warum nur „körperliche Assistenz“, wie sie es nennen?

  • … darum sollte endlich verpflichtend die persönliche Assistenz eingeführt werden. Somit hätten alle Kinder die Möglichkeit eine Regelschule zu besuchen, da die körperliche Assistenz dann gesichert ist und kein(e) PädagogIn selbst „Hand anlegen“ muss.

  • ich finde ihn sehr gut. in der schweiz tun sie sich sehr schwer. es wird behauptet inclusive bildung sei nicht immer zum wohle des kindes. die hürden sind so hoch, dass es nur versuchsweise zustande kommt. ein hindernis ist, dass lehrer niemandem körperliche assistenz geben darf. nnnnur körperlich selbsständige kinder können die regelschule besuchen.

  • Der Artikel sagt alles, was es dazu zu sagen gibt. Jetzt ist die Politik gefragt, insbesondere Bildungsministerin Schmied und die sog. Behindertensprecher der Parteien, die ihre KollegInnen davon überzeugen sollten.