Inklusive und barrierefreie Bildung für alle

Seit einigen Tagen ist die Diskussion um Sonderschulen wieder aufgeflammt. Monitoringausschuss äußert sich zu Diskussion um Sonderschulen.

Christina Wurzinger
Stefan Pauser

„Leider“, so die Vorsitzende des Monitoringausschusses, Christina Wurzinger, „wird diese Diskussion noch immer auf einer höchst emotionalen Ebene geführt. Ängste stehen dabei im Vordergrund und werden teilweise instrumentalisiert.

Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen findet dabei nicht statt. Diese garantiert Kindern das Menschenrecht auf inklusive und qualitativ hochwertige Bildung – das betrifft sowohl Kinder mit als auch ohne Behinderungen. „Es gibt zahlreiche Schulversuche, die zeigen, dass und wie dies in der Praxis fabelhaft umgesetzt werden kann – allein der politische Wille und eine koordinierte Umsetzung fehlen“, so Wurzinger.

Der Monitoringausschuss hat sich bereits mehrmals mit dem Thema inklusive und barrierefreie Bildung auseinandergesetzt und dazu zwei ausführliche Stellungnahmen verfasst.

„Das Wichtigste ist“, so Wurzinger, „dass Inklusion nur auf der Grundlage des bestmöglichen Ressourceneinsatzes funktioniert.“ Einfach Kinder mit Behinderungen in Regelklassen zu setzen, sei nicht der Weg, den die Konvention vorgebe. Eben das sei der Unterschied zwischen Integration und Inklusion. „Inklusion bedeutet, dass Schule so gestaltet wird, dass alle ihren Platz haben, und für alle Schülerinnen und Schüler das bestmögliche Lernumfeld geschaffen wird“, so Wurzinger weiter.

Bürgerinitiativen hatten die Sorge geäußert, dass die im Nationalen Aktionsplan vorgesehene stufenweise Abschaffung der Sonderschulen nur eine versteckte Sparmaßnahme sei.

Christina Wurzinger
ÖAR

„Man muss“, so Wurzinger, „das in den Sonderschulen durchaus vorhandene pädagogische Know-how und sonstige Ressourcen in das Regelsystem überführen. Dann ist das kostenneutral und schafft auch teure Parallelstrukturen wie die Sonderschule ab.“ Aber insgesamt sei es tatsächlich so, dass das derzeitige österreichische Schulsystem eines der teuersten Europas sei, wobei bei den Schülerinnen und Schülern letztlich am wenigsten Geld ankomme.

„Österreich setzt weiterhin in seiner Schulpolitik auf ein System umfassender Segregation“, so Wurzinger. Eine inklusive Schulpolitik müsse Teil einer umfassenden Schulreform sein, die die Chancengleichheit aller fördere und die Schulen gegenüber den übermächtigen Zwischenebenen der Schulverwaltung stärke.

„Insgesamt“, so Wurzinger abschließend, „muss die Ausbildung unserer Kinder der Gesellschaft etwas wert sein. Die Chancengleichheit aller im Bildungssystem ist die beste Investition in die Zukunft.“

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2 Kommentare

  • Es ist vollkommen absurd, sich über die angeblich unsachliche Diskussion zu beschweren, wenn man gleichzeitig nur seine eigene Meinung gälten lässt, und diese zu einem moralischen Anspruch überhöht, indem man nämlich die UN-Konvention äußerst einseitig und zu den eigenen Gunsten auslegt! Diese Meinung repräsentiert bei weitem nicht alle Menschen mit Behinderung, ganze Gruppen bie jene der sehbeeinträchtigten Menschen wurde zu keinem Zeitpunkt aktiv in die Diskussion miteinbezogen. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das motto: nichts für uns ohne uns! Ich bin sehr froh, dass es noch Leute gibt, die sich gegen die von einigen Behinderungsgruppen propagierte Gleichmacherei zur Wehr setzen – vorübergehende Separation kann äußerst sinnvoll sein, um langfristige Inklusion zu ermöglichen!!

  • WIE WAHR!