Interessenskonflikte bei der Neuordnung des Straßenraums

Damit keine Gruppe unter den Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern auf der Strecke bleibt, sollten die unterschiedlichen Anforderungen aller, im Planungsprozess gleichermaßen berücksichtigt werden.

Ein schwarzer Mann mit weißem Fahrrad fährt auf einer Straße mit alten Häusern im Hintergrund nach links.
Foto von Yelena Odintsova von Pexels

Die Straßenraumgestaltung befindet sich in rasantem Umbruch. Der treibende Faktor ist die notwendige Abkehr vom Autoverkehr zur Erreichung ökologischer Nachhaltigkeitsziele.

Fußgängerinnen, Autofahrer, Radfahrerinnen, Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen der Sinneswahrnehmung, Rollstuhlfahrer und viele mehr – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Straßenverkehr sind sehr verschieden. Alle bewegen sich auf eigene Art und Weise fort und nehmen die Umgebung unterschiedlich wahr.

Alle haben gemeinsam, sich sicher und möglichst frei bewegen zu wollen. Das alles muss in der Straßenraumplanung und -gestaltung mitgedacht werden, damit es nicht zu Interessenskonflikten und zur Benachteiligung bestimmter Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer kommt.

Verschiebung der Interessenskonflikte

Der Straßenraum ist ein begrenztes Gut. Wenn der Raum für eine Gruppe von Nutzerinnen und Nutzern vergrößert werden soll, muss in den meisten Fällen der Raum anderer verkleinert werden.

In Großbritannien zeigt sich das derzeit an Konzepten, die den Radverkehr optimieren sollen.

In London werden beispielsweise Radwege immer öfter, von der Fahrbahn weg, um Bushaltestellen herumgeführt, um den Bus- und Autoverkehr nicht zu behindern und Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer zu schaffen. Dies hat aber auch zu Folge, dass Menschen, die zum oder aus dem Bus wollen, zuerst den Radweg überqueren müssen. Für blinde und sehbehinderte Menschen kann dies zur Gefahr werden.

Für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung stellt das kaum wahrnehmbare Geräusch der herannahenden Fahrräder ein Risiko dar. Britische Behindertenorganisationen zeigen sich über Entwicklungen wie diese, die auch in vielen anderen europäischen Städten zu beobachten sind, besorgt.

Bestmögliche Kompromisse

Interessenskonflikte, bezüglich der Anforderungen an den Straßenraum, können zwischen allen teilnehmenden Gruppen entstehen. So können beispielsweise bestimmte Oberflächenstrukturen, für blinde und sehbehinderte Menschen, vorteilhaft zur Orientierung sein. Für Menschen im Rollstuhl können diese wiederum hinderlich wirken.

Der Londoner Designer Ross Atkin, ist ein Verfechter des sozialen Modells von Behinderung und arbeitetet an barrierefreien Lösungen bei der Stadtgestaltung.

Er plädiert dafür, bei der Planung einer Maßnahme, die Interessen jener zu bevorzugen, die bei der Umsetzung den größten Verlust an Mobilität und Sicherheit erleiden würden, im schlimmsten Fall also bedroht wären, komplett ausgeschlossen zu werden. Es geht immer darum, den bestmöglichen Kompromiss einzugehen.

Neue Planungsmethoden notwendig

Um Städte für alle lebenswert zu gestalten, müssen Vertreterinnen und Vertreter aller Gruppen von Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern, von Anfang am Planungsprozess beteiligt sein. Atkin betont, dass Normen kein ausreichendes Mittel darstellen, um Barrierefreiheit zu gewährleisten, da diese dem Raum und der Situation oft nicht gerecht werden.

Er und weitere Stadtplanerinnen und -planer arbeiten derzeit für die Stadt London an neuen Standards, um die Nutzbarkeit von Straßen durch unterschiedliche Gruppen von Nutzerinnen und Nutzern zu evaluieren. Diese beurteilen ihre Erfahrungen nach den Kriterien leicht, frustrierend, schwierig oder unangenehm und ausschließend oder unpassierbar.

Dadurch soll im ersten Schritt sichergestellt werden, dass niemand von der Nutzung ausgeschlossen wird. Ziel ist, den bestmöglichen Kompromiss zu finden.

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