Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderungen müssen gehört werden

Behindertenrat, Behindertenanwaltschaft, ÖZIV, KOBV und Lebenshilfe mahnen Partizipation ein.

Österreichischer Behindertenrat
Österreichischer Behindertenrat

Partizipation ist die einzige Möglichkeit, um alle Menschen gut durch die COVID-19 Pandemie zu bekommen. Die Nachrichten, die der Österreichische Behindertenrat von den Mitgliedsorganisationen, Stakeholdern und Einzelpersonen bekommen, sind zum Teil sehr besorgniserregend.

Es fehlt an Schutzausrüstungen, es fehlt an barrierefreien Angeboten, es fehlt an finanzieller Sicherheit für viele Organisationen und es herrscht Chaos – die Bundesländer agieren sehr unterschiedlich. Die Arbeit der Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen war noch nie schwieriger.

Warum sind Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen und Unterstützer*innen immer die Letzten auf der Liste? Die Letzten, die Unterstützung erhalten. Die Letzten, die Schutzausrüstung erhalten. Die Letzten, auf die gehört wird. Sie sind einfach die Letzten, an die gedacht wird, weil sie in den uns jetzt leitenden Gremien, Krisenstäben, Expert*innenrunden fehlen.

Das Leben von Menschen mit Behinderungen und Menschen mit chronischen Erkrankungen passt nicht zum Schema F auf das jetzt alle Maßnahmen und Regelungen gemünzt werden. Sie müssen selbst gehört werden. Daher fordern wir dringend, dass Vertreter*innen von Behindertenorganisationen in den nationalen Krisenstab und in die Landes-Krisenstäbe mit einbezogen oder zumindest regelmäßig zugezogen werden.

Menschen mit Behinderungen und Menschen mit chronischen Erkrankungen gehören zu jener Gruppe, die in Bezug auf die COVID-19 Pandemie den längsten Atem haben werden muss. Nicht nur weil viele aus medizinischer Sicht zur Risikogruppe gehören, sondern auch weil viele Menschen mit Behinderungen von Unterstützer*innen abhängig sind. Durch fehlenden Schutz werden die Unterstützungsstrukturen zu Gefahrenherden. Ganz zu schweigen davon, was für eine Höchstleistung Menschen mit Behinderungen und Menschen mit chronischen Erkrankungen gerade jetzt erbringen müssen, um sich in dieser neuen Situation zurechtzufinden.

„Dass unser Input wertvoll und wichtig ist, zeigen die Änderungen und Ergänzungen (z.B. die der Sonderbetreuungszeit nach dem AVRAG), die es in den letzten Wochen gegeben hat. Gemeinsam können wir von Vornherein die richtigen Wege für Menschen mit und ohne Behinderungen beschreiten. Bezieht die Interessenvertretung der Menschen mit Behinderungen rechtzeitig mit ein, es ist zum Nutzen aller“, fordert Herbert Pichler, Präsident des Österreichischen Behindertenrates und Präsident des ÖZIV Bundesverbandes.

Behindertenanwalt Hansjörg Hofer ergänzt: „In Österreich leben 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen, das sind rund 15 % der Bevölkerung. Viele davon gehören aufgrund von Vorerkrankungen oder des Alters zu den besonders gefährdeten Personen. Es ist dringend notwendig, die Bedarfe dieser Menschen wahrzunehmen und unter Einbindung Betroffener Lösungen zu finden. Menschen mit Behinderungen dürfen nicht länger ignoriert werden.“

„Gemeinnützige Vereine geben ihr Bestes, Menschen mit Behinderungen durch physische und psychische Hilfe gut durch die COVID-19 Pandemie zu bringen, stoßen jedoch zunehmend an ihre ökonomischen Grenzen. Bund und Länder sind daher dringend (auf-)gefordert, neben den für die Wirtschaft und die Arbeitnehmer*innen vorgesehen Hilfen, besondere Unterstützungsmaßnahmen zu kreieren, sodass diese Organisationen, die so viel zur Bewältigung dieser Ausnahmesituation beitragen, abgesichert werden,“ weist Michael Svoboda, Präsident des KOBV Österreich hin.

„Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen zählen in vielerlei Hinsicht zu den Hauptbetroffenen der Coronakrise. Einerseits, weil sie eben aufgrund der Behinderungen zur besonderen ‚Risikogruppe‘ zählen und des besonderen Schutzes und der besonderen Unterstützung in ihrem Lebensalltag bedürfen, und andererseits, weil sie in ihrer sozialen und gesellschaftlichen Situation (Isolation) überproportional betroffen sind. Ebenso sind wir als Organisationen für das Gesundbleiben der Gesellschaft und die Sicherheit unserer engagierten Mitarbeiter*innen verantwortlich,“ so Lebenshilfe-Präsident Germain Weber.

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3 Kommentare

  • Ich frage mich überhaupt, wie es gehen kann, dass KlientInnen aus Tagesstrukturen in Zeiten wie diesen einfach nach Hause geschickt werden oder ihre Angehören sich wiederum um sie „kümmern“ müssen. Was ist mit dem Personal aus diesen Tagesstrukturen, helfen sie mit, die im Wohnen Bedürftigen abzusichern? Oder unterstützen sie die Leute dann daheim? Ich weiß jedem Fall von einem Mann, der meiner Meinung nach sehr im Stich gelassen wird. Es genügt nicht, wenn er alle 10 Tage mit Essen versorgt wird, was er sich nur aufwärmen muss. Das höchst Emotionale wird in keiner Weise abgedeckt, dass diese Menschen Sozialkontakte brauchen, die ihnen helfen gesund über die Zeit der Krise zu kommen! Es ist halt leider überall so, dass die Einrichtungen in erster Linie für ihre Angestellten (das Personal) zuständig ist und dann kommen erst die KlientInnen, um die es eigentlich gehen sollte.
    Deshalb: De-Institutionalisierung, wie es die UN-BRK vorschreibt! DAS sagt mir die Krise rund um die Mangelversorgung und Minderbeachtung von Menschen mit Behinderungen – nicht nur in Zeiten von Corona.

  • Menschen mit besonderen Bedürfnissen sind auch mündige Bürger und haben genauso Rechte und Pflichten.

    Gerade wenn es um die Zuschreibung einer Behinderung geht, wird dies oft ausgenutzt um den Machterhalt zu stärken und die Gesellschaft profitiert davon, dass man Menschen abschieben kann, welche nicht ins System passen und das muss aufhören.

  • Der KOBV sollte seine MitarbeiterInnen besser behandeln. Vorrangig Menschen ohne Behinderung.

    Corporate Culture gibt es beim KOBV nicht, die Menschen werden bis auf’s Letzte ausgebeutet. Überstunden werden kaum bezahlt, Dienstreisenkosten sind meist selbst vorzustrecken.

    Gerade der KOBV sollte diesbezüglich nicht den Mund aufmachen.

    Menschen mit Behinderung dürfen nicht durch das Erwirtschaften eines Profites betreut werden.

    Glaubt es oder nicht – der KOBV ist nicht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung aus. Der KOBV versucht nur seine eigenen Verluste zu decken. Menschen mit Behinderung spielen schon lange keine Rolle mehr.