Interview zum BIENE-Wettbewerb

Martin Ladstätter sprach mit Christian Schmitz, Aktion Mensch, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des BIENE-Wettbewerbs.

BIENE Wettbewerb
Stiftung Digitale Chancen

BIZEPS-INFO: Wann haben Sie den BIENE-Wettbewerb ins Leben gerufen und mit welchen Erwartungen?

Christian Schmitz: Die BIENE haben wir vor sechs Jahren das erste Mal auf die Suche nach den besten barrierefreien Webseiten im deutschsprachigen Raum geschickt. Damals wussten wir weder was die BIENE finden würde, noch genau wo sie etwas finden würde und schon gar nicht, wie viel sie finden würde. Allerdings waren wir guter Dinge, dass sie etwas finden würde.

In Deutschland war im Jahr zuvor die neue „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz“ – kurz BITV in Kraft getreten, die den durch das Behindertengleichstellungsgesetz verpflichteten Behörden des Bundes Ausführungsbestimmungen für die Herstellung von Barrierefreiheit an die Hand gab.

Die Aktion Mensch hatte mit der Initiative Einfach für Alle begonnen, das Thema Webstandards und Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, und die 2002 gegründete Stiftung Digitale Chancen arbeitete an dem Ziel der Digitalen Integration von Menschen mit Behinderungen.

Mit dem BIENE-Wettbewerb wurde versucht, diejenigen, die die juristische Umsetzung einer Forderung aus der Behindertenbewegung anstrebten, zusammenzubringen mit den technischen und gestalterischen Idealvorstellungen echter Internetfreaks. Beides waren ja nicht unbedingt Themen, mit denen man damals bei Entscheidern in Behörden und Unternehmen offene Türen einrannte.

BIZEPS-INFO: Warum war das so?

Christian Schmitz: Barrierefreiheit klang kompliziert, bürokratisch, aufwendig, und niemand konnte die Frage „Was habe ich davon?“ plausibel beantworten. Außerdem war der Dot-Com-Boom gerade zu Ende gegangen, und die Enttäuschung darüber groß. Und schließlich waren viele Menschen völlig perplex, wenn man ihnen erklärte, dass Menschen mit Behinderungen überhaupt das Internet nutzten.

BIZEPS-INFO: Welche Rolle spielte die BIENE in diesem Zusammenhang?

Christian Schmitz: Ein zentrales Ziel der BIENE war es, die Komplexität und die Bedeutung des Themas sowie die vielen offenen Fragen auf eine Art und Weise zu kommunizieren, die auch nichtbehinderte Menschen und vor allem Entscheider verstehen würden. Die BIENE im Logo sollte ein eingängiges Symbol und natürlich auch ein Sympathieträger sein.

BIZEPS-INFO: Hat das geklappt?

Christian Schmitz: Unser Eindruck ist: Ja, denn fast alle, die sich unter anderem wegen des Wettbewerbs intensiver mit dem Thema befasst haben, haben erkannt, welches Potential barrierefreie Webseiten haben. Das Motto der BIENE: „Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten“ ist offensichtlich angekommen.

Das zeigt auch die Entwicklung der Teilnehmerzahlen. Als wir den Wettbewerb starteten, haben wir mit etwa 100 Einreichungen gerechnet, oder besser – wir hatten darauf gehofft. Es wurden schließlich mehr als 170, und das war bereits der erste Erfolg.

BIZEPS-INFO: Wie hat sich der Wettbewerb seitdem entwickelt?

Christian Schmitz: Seit 2003 sind sowohl die Zahl der Teilnehmer, als auch die Qualität der Beiträge kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2004 hatten wir mehr als 230 Teilnehmer, 323 im Jahr 2005 und 376 im Jahr 2006. Einen kleinen Rückgang gab es nach dem Forschungssemester der BIENE im Jahr 2007, so dass bei der BIENE 2008 insgesamt 340 Einreichungen am Start waren.

BIZEPS-INFO: Warum ist die Zahl der Einreichungen zurückgegangen?

Christian Schmitz: Das lag vermutlich an der einjährigen Pause, aber hängt sicher auch mit den gestiegenen Qualitätsmaßstäben zusammen. In den ersten Jahren gab es den einen oder anderen Beitrag, bei dem man den Eindruck hatte, dass der Einreicher erstmal einen kostenlosen Test machen wollte, bevor er die nächsten Schritte in Richtung Barrierefreiheit geht.

Mittlerweile hat sich, unter anderem durch die BIENE, umfassende Barrierefreiheit als ein echtes Qualitätsmerkmal etabliert. Das zeigen neben den Preisträgern vor allem die vielen Agenturen, die sich darüber positionieren und die Auftraggeber, die von Anfang an sagen: „Ich will das!“

BIZEPS-INFO: Wie beurteilen Sie insgesamt das Interesse an der BIENE?

Christian Schmitz: Inzwischen wurden mehr als 1.400 Webseiten durch die BIENE im Hinblick auf Barrierefreiheit bewertet. Und wir sind zuversichtlich, dass die BIENE damit so viele Mitmacher „bestäubt“ hat, dass das Thema Barrierefreiheit auf der Agenda bleibt. Dazu hat sicher auch eine weitere Botschaft beigetragen, die wir der BIENE damals mit auf den Weg gegeben haben.

Die BIENE stand von Anfang an nicht nur für den Wettbewerb, sondern auch für Kommunikation, gemeinsames Handeln und produktives Miteinander. Nehmen Sie zum Beispiel die BIENE-Preisverleihungen. Die haben sich in den vergangenen Jahren quasi zum großen Lagerfeuer der Barrierefreiheits-Szene entwickelt.

Das zeigt sich aber auch an den unterschiedlichen Veranstaltungen, die mittlerweile von engagierten Menschen ins Leben gerufen wurden. Das alles sind Veranstaltungen, die unabhängig von der BIENE funktionieren, in denen aber dennoch die BIENE lebt und erlebbar wird.

BIZEPS-INFO: Welche Rolle spielt Österreich für den BIENE-Wettbewerb?

Christian Schmitz: Wien beziehungsweise Österreich sind offensichtlich ein gutes „Pflaster“ für die BIENE. Als wir die BIENE auf ihre Reise geschickt haben, wussten wir wie gesagt nicht, wo sie fündig werde würde. Mittlerweile wissen wir, dass sie fast immer in Österreich fündig wird. Das zeigen erneut die Ergebnisse der BIENE 2008.

Die Erfolge der österreichischen Teilnehmer sind dabei vor allem Erfolge für Menschen mit Behinderungen in Österreich von Bedeutung. Sie sind aber auch für die Menschen mit Behinderungen in Deutschland wichtig.

Das ist beispielsweise daran zu sehen, dass sich nach dem Gewinn der BIENE 2006 durch help.gv.at unter anderem die Bayerische Staatsregierung auf den Weg gemacht hat und ein weitgehend barrierefreies Verwaltungsportal umgesetzt hat. Das ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, dass die österreichischen BIENE-Gewinner vorbildlich sind.

BIZEPS-INFO: Wir danken für das Interview.

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