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Ist „Team für Wien“ lernfähig?

"Aktive Stadtpolitik braucht aktive Menschen", heißt es bei "Team für Wien". Doch so einfach ist das gar nicht. Eine Chronologie der verwirrenden Ereignisse einer Veranstaltung und wieso jene, die diskriminiert haben, auch noch verärgert sind.

Am 26. April 2005 gab es eine Veranstaltung des „Team für Wien“, einer Organisation mit Sitz in der SPÖ-Zentrale, mit SPÖ-Stadträtin Mag. Renate Brauner, die in der Wiener Landesregierung auch für die Belange behinderter Menschen zuständig ist.

Die Anmeldung
Das Thema dieser Veranstaltung klang interessant und die Rollstuhlfahrerin Mag. Dorothea Brozek wollte die ihr zugesandte Einladung nutzen. Sie rief daher am 22. April 2005 bei „Team für Wien“ an und meldete sich für die Veranstaltung an. Beim Anmelden gab sie auch bekannt, dass sie einen Elektrorollstuhl benützt und wollte wissen, ob der Veranstaltungsort auch barrierefrei erreichbar ist.

Ab nun wird die Geschichte turbulent. Man erzählt ihr, dass der Ringturm einen Aufzug bis in den 19. Stock habe und die Veranstaltung im 20. Stock sei. Zwischen 19. und 20. Stock gebe es einen Treppenlift für Rollstuhlfahrer (Rollstuhlaufzug), der aber umgebaut werden müsse.

Man bietet ihr dann an, sie samt ihrem Elektrorollstuhl ein Stockwerk hinaufzutragen, was sie aus nachvollziehbaren Gründen ablehnt. Frau Brozek teilt ihren Ärger über diesen nicht barrierefrei zugänglichen Veranstaltungsort mit und kündigt an, sich zu beschweren.

Der Protest
Frau Brozek hat die bisherigen Informationen weitergeleitet und gebeten sie zu unterstützen. So hat BIZEPS am 25. April 2005 an die Stadträtin geschrieben und an eine im Jahr 2002 gegebene Zusage erinnert, Veranstaltungen im Rahmen der „Team für Wien“ – Reihen immer in barrierefreien Veranstaltungsräumen abzuhalten. Schon damals kam es zu einem ähnlichen Vorfall.

„Diese Vorgangsweise des Veranstalters stellt eine Provokation und eine Diskriminierung behinderter Menschen dar“, konnte man dem Protestschreiben entnehmen und weiter: „Das Verhalten der dafür Verantwortlichen zeigt auf eine bestürzende Art den völligen Mangel an Sensibilität gegenüber behinderten Menschen“. Wie wahr, doch das volle Ausmaß der Ignoranz war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht offenkundig.

Die Entschuldigung der Stadträtin
„Es tut mir aufrichtig leid, dass es dem Veranstalter des ‚Team Talks‘, nämlich der SPÖ-Wien, nicht möglich war, für die morgige Veranstaltung eine Räumlichkeit zu finden, die barrierefrei erreicht werden kann“, schrieb der Büroleiter der Stadträtin Brauner, Mag. Stefan Leeb, an BIZEPS.

„Wie ich in Erfahrung bringen konnte, hat Sie Herr Yenici deshalb auch bereits kontaktiert, sich entschuldigt und – wenn auch tatsächlich nicht gleichwertige – Abhilfe angeboten“. Das ist nur insoweit richtig, als das Tragen über Stufen angeboten wurde. Entschuldigt hat sich bei Frau Brozek niemand.

Mag. Leeb schließt mit den Worten „und hoffe, dass es möglich sein wird, künftig eine Teilnahme aller Interessierten zu ermöglichen“.

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Es wäre zwar unerfreulich, dass die Veranstaltung nicht barrierefrei zugänglich war, aber man hat sich dafür entschuldigt und angekündigt, dass diese Diskriminierung in Zukunft vermieden werden würde.

Doch nun beginnt erst der wahre Skandal an der Geschichte.

Die Reaktionen
Da sich behinderte Menschen Diskriminierung nicht mehr in jenem Ausmaß wie früher gefallen lassen, wurden Informationen über diese Vorfälle an viele Menschen gemailt.

„Vorweg möchte ich mitteilen (auch wenn es für die eigentliche Diskussion nicht wichtig ist), dass die Anmeldung der Beschwerdeführerin zu einem Zeitpunkt erfolgt ist, als unsere Veranstaltung schon ausgebucht war und wir die einlangenden Anmeldungen leider nicht annehmen konnten“, leitet „Team für Wien“-Projektkoordinator Yenici Mustafa sein Mail vom 26. April 2005 an BIZEPS ein.

Das ist – und dies sei hier mit aller Deutlichkeit klargestellt – eine Unwahrheit. Oder will der Projektkoordinator wirklich behaupten, dass mit Anmeldenden zuerst alle Details bezüglich Zugänglichkeit bzw. Nicht-Zugänglichkeit besprochen werden und man dann sagt: „Und überdies muss ich Ihnen mitteilen, dass die Veranstaltung ausgebucht ist“.

Die Anmeldung von Frau Brozek am 22. April war korrekt, und sie war zeitgerecht. Man sollte schon bei der Wahrheit bleiben, auch wenn es schwer ist.

Aber es wird noch interessanter: Herr Yenici schreibt am Ende seines Mails: „Nun freut es mich aber, dass wir gestern erfahren haben, dass der Rollstuhlaufzug des Ringturmes installiert wurde und dass bei zukünftigen Veranstaltungen das Erreichen des 20. Stockes im Ringturm auch mit Rollstuhl möglich sein sollte (technische Gebrechen ausgenommen).“

Wie war das? Fassen wir hier einmal zusammen: Zuerst sagt man der Veranstaltungsort sei nicht barrierefrei zugänglich. Dann regt sich jemand auf. Jetzt erst fragt man nach, ob der Treppenlift funktioniert. Diese Information teilt man am Tag der Veranstaltung mit, behauptet aber, dass die Anmeldung zu spät erfolgt sei.

Aber auch andere Personen reagieren. Der Behindertensprecher der Wiener ÖVP, Mag. Franz Karl, kritisiert in einer Aussendung die fehlende Barrierefreiheit der Veranstaltungsräume und die Behindertensprecherin der SPÖ im Parlament, Mag. Christine Lapp, schrieb in einem Rundmail: „Es tut mir leid … den VeranstalterInnen ist es allerdings in erfolgreicher Überzeugungsarbeit gelungen, die Barrierefreiheit des Veranstaltungsortes durch den Hausbesitzer zu ermöglichen.“

Wiener Städtische berichtigt
Die Wiener Städtische, die im Ringturm den Hauptsitz hat, hielt bezüglich des Vorwurfs der fehlenden Barrierefreiheit am 29. April 2005 in einer Aussendung fest, „dass es sich hierbei um eine Fehlinformation handelt“. Gegenüber BIZEPS-INFO bestätigte Mag. Barbara Hagen-Grötschnig (Wiener Städtische – Unternehmenskommunikation): „Es gab bauliche Probleme mit dem Treppenlift“, doch dieser war schon mehrere Tage vor dem 26. April benützbar – „ich glaube seit 20. April, aber nageln sie mich bitte nicht fest“. Selbstverständlich war der Treppenlift – so hält Hagen-Grötschnig fest – am 26. April benützbar.

Das heißt: Der Treppenlift ging schon Tage vor der Anmeldung, und dies hätte „Team für Wien“ als verantwortungsvoller Veranstalter wissen, oder einen anderen barrierefreien Raum suchen müssen.

„Team für Wien“-Leitung nimmt Stellung
Nach Bekanntwerden der Stellungnahme der Wiener Städtischen versuchte BIZEPS-INFO den „Team für Wien“-Projektkoordinator Yenici Mustafa telefonisch zu erreichen, was leider misslang.

Ein Gespräch mit dem „Team für Wien“-Projektleiter, Reinhard Todt, brachte zumindest das Eingeständnis, dass die Information: fehlende Barrierefreiheit „falsch war“. Doch man habe dies „am 26. April rechtzeitig mitgeteilt“, versucht Todt sich zu verteidigen. Auch dies ist nur Teil der Wahrheit. Erstens wurde das zwar mitgeteilt (allerdings interessanterweise nur jenen, die den Protestbrief geschrieben haben; Frau Brozek hat niemand von „Team für Wien“ informiert), aber man behauptete nun, dass die Anmeldung zu spät erfolgt wäre.

Warum das „Team für Wien“ so behindertenfeindlich agiert ist nicht nachvollziehbar. Spätestens am 26. April hätte man zerknirscht sagen können: „Entschuldigung, wir haben uns geirrt, der Treppenlift funktioniert. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich doch für unsere heutige Veranstaltung Zeit nehmen könnten.“

Stattdessen eine Reihe von Unwahrheiten und der Vorwurf vom „Team für Wien“-Leiter, warum man drei Tage nach der Veranstaltung Wirbel macht, wo man doch „selbstverständlich ein Service angeboten habe, dass Rollstuhlfahrer getragen werden“.

Das Ende?
Soll dieser Vorfall so enden? Beabsichtigt „Team für Wien“ wirklich so mit behinderten Menschen umzugehen? Haben die Verantwortlichen von „Team für Wien“ aus den Vorfällen gelernt? Wird es eine offizielle Entschuldigung bei Frau Mag. Brozek von den „Team für Wien“-Verantwortlichen geben?

Wir wissen es nicht, aber wir werden Sie über weitere Entwicklungen gerne informieren.

Übrigens: „Team für Wien“-Projektkoordinator Yenici Mustafa hat folgenden Satz auf seiner Homepage. „In der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, all jenen Menschen die sich politisch einbringen möchten, eine Plattform zu bieten.“ Ein sehr schöner Satz über den man lange nachdenken kann.

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0 Kommentare

  • ich sitze nun seit 23 jahren im rollstuhl aber wenn das oben genannte die einzigen probleme wären, hätten wir ein eigentlich fast sorgenfreies leben. offensichtlich waren hier einige menschen am werke, denen es zwar an wissen aber nicht an gutem willen fehlte. also ich würde bei solch fauxpas da eher locker bleiben und nicht gleich davon laufen ;-)

  • Wien ist das einzige Bundesland wo der Einbau von Treppenliften – dem Magistrat sein Dank – äußerst restriktiv gehandhabt wird. Jeder der einen Treppenlift einbauen lassen will, braucht eine baubehördliche Bewilligung. Diese zu erlagen, erleben die oft betagten Menschen nicht. „Wien ist anders“ – gerade wenn man behindert ist.

  • ich finde es „toll“, dass jetzt die „nicht barrierefreiheit“ von jenen einrichtungen angeprangert wird, die, ohne kostenbeteiligungen menschen unterstützen, zur diskussionen einladen und damit zur verbreiterung des individuellen horizontes beitragen. Vielleicht könnte auch jene breiche bzw deren eigentümer aufgelistet werden, die nicht so engagiert sind. Beispeile gibt es dafür wohl genügend. Nur sollte nicht vergessen werden: Fehler können überall passieren und mann/frau lernt auch gerne dazu, nur darf nich außer acht gelassen werden, der ton macht die musik und gegen konstruktive kritik hat niemand etwas einzuwenden!!!

  • Ählich voller Barrieren ist das Gebäude des SPÖ-Frauenzentrums Ega in der Windmühlgasse. Dort finden z.B. Computerkurse statt, blöder Weise im ersten Stock, der nur sehr umständlich per Lift zu erreichen ist, und kein WC besitzt! gerade behinderte Frauen wollen aber auch besser mit ihrem PC umgehen können – im Ega geht´s aber nicht, und es ist den Veranstalterinnen wurscht! Ignoranz, wohin frau schaut. Als ob in einem Frauenztentrum nie gehbehinderte Frauen, oder Mütter mit Kinderwägen auftauchen würden…

  • Wien ist anders, dies kann einem überall passsieren nicht nur in Wien, leider dass ist unser Schicksal