Jake Sully – Avatar ohne Rollstuhl

Anmerkungen zur Figur Jake Sully in James Cameron’s AVATAR (USA 2009)

Actionfigur Jake Sully im Rollstuhl sitzend
Mattel

Warum wurde überhaupt eine Figur mit Behinderung gewählt? Warum wird diese von einem nicht behinderten Schauspieler gespielt? Warum wurde der im Film verwendete Rollstuhl nicht so wie die anderen technischen Hilfsmittel an das Film-Jahr 2154, angepasst?

Außer diesen Fragen wird nicht allzu viel im World Wide Web über die Darstellung von Behinderung in James Cameron’s Avatar diskutiert.

Actionfigur Jake Sully im Rollstuhl sitzend
Hans Hirnsperger

Hier wird über diese Fragen hinausgegangen und ein Blick auf die Figur des Jake Sully geworfen. Ist dessen Darstellung hilfreich, um Vorurteile über Personen mit Behinderungen abzubauen oder werden solche, durch klischeehafte Bilder von Behinderung, weiter tradiert?

Außer Frage steht, dass die Behinderung des Jake Sully, gespielt von Sam Worthington, sehr realistisch dargestellt wird und damit als authentisch wahrgenommen werden kann. Die Atrophie der Beinmuskulatur, präzise gespielte Körperhaltung und Bewegungsabläufe, wie sie bei Rollstuhlfahrern zu beobachten sind, bewirken Echtheit und Glaubwürdigkeit.

Nichts ist störender als eine krampfhaft gespielte Behinderung, wie unlängst im Jessica Hausner’s Film „Lourdes“ zu sehn, weil damit eine gewisse Verhöhnung und Abwertung zum Ausdruck gebracht wird. Die authentische Darstellung einer Figur mit Behinderung, wie im Film Avatar ist von immenser Wichtigkeit im Abbau von Vorurteilen.

Nichtsdestotrotz werden aber Vorurteile über Behinderung auch im Avatar mehr oder weniger offensichtlich tradiert.

Cure or Kill

Zum einen bedient der Film ein altes Hollywood-Klischee von Behinderung, welches auf die Formel „Cure or Kill“ reduziert werden kann. Auch in diesem Film wird dem Protagonisten die Heilung der Beine durch eine Operation angeboten, dieser aber zieht es vor, sein irdisches Leben aufzugeben.

Betrachtet man Jake Sully als Doppelgänger-Figur, wird ersichtlich, dass ungünstige Eigenschaften eher im Rollstuhlfahrer, die guten eher im Avatar gebündelt sind.

So ist Jake Sully, als Rollstuhlfahrer in seiner Mobilität eingeschränkt, wartet auf eine Heilung durch Operation, ist bereit, für diese Versprechen als Spion zu arbeiten. Letztendlich gibt er sein irdisches Leben als Rollstuhlfahrer zugunsten eines neuen Lebens ohne Rollstuhl bei einer außerirdischen Population, in deren Familie und Gesellschaft er voll integriert wurde, auf.

Das ist zum einen bemerkenswert, zum anderen auch nachvollziehbar, wird im Film ja in keiner Weise der Stolz und die Selbstachtung einer „Disability Community“ und „Disability-Culture“ unter Menschen gezeigt. Jake, der einsame Held, gibt sein Leben.

Kurzes Leben der Action-Figur

Kurzlebig war auch das Bestehen der Action-Figur Jake Sully. Obwohl noch bei vielen Händlern erhältlich, hat offenbar der Spielwarenhersteller Mattel die Figur mit Rollstuhl aus dem Programm genommen. Sammler von Spielfiguren bekrittelten die mangelnde Qualität gerade dieser Figur.

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5 Kommentare

  • „Warum wurde überhaupt eine Figur mit Behinderung gewählt?“ Meiner Meinung nach wurde diese Figur gewählt, weil er noch viel die grössere Sehnsucht hat, frei sein zu können. All diese Bewegungen machen zu können. Den dran nach Freiheit bringt er so viel mehr zum Ausdruc k…

  • Mich hat der Film sehr beeindruckt, als erstes einmal ganz normal als toller 3D-Fantasy-Film (ich bin nicht wegen dem Hauptdarsteller im Rollstuhl ins Kino gegangen). Aber als zweites hat mich genau diese Rolle beeindruckt. Da ich selbst querschnittgelähmt bin, kann ich beurteilen, wie realistisch die Darstellung ist, und das war sie.

  • Man kanns natürlich immer übertreiben … das is ein Fantasy-Film, keine Doku über nen Behinderten … Als ob wir keine anderen Probs hätten …

  • Hab erst gestern den Film gesehen. Abgesehen davon, dass er als ganzes eine filmkulturelle Katastrophe ist, wird auch das Thema Behinderung äußerst stümperhaft behandelt. Das Heidi-Klara-Klischee kommt voll auf seine Kosten: nur der Behinderte, der geheilt wird, ist ein guter Behinderter, und göttinseidank nimmt sich am Ende die allweise Eywa dem Menschenkrüppel an und schenkt ihm einen tollen Übermenschenkörper.