Japan: Akustische Ampeln für blinde und sehbehinderte Personen wegen Lärmbelästigung abgeschaltet

Weil sich einige Menschen von Ampelsignalen belästigt fühlen, werden akustische Ampeln für blinde und sehbehinderte Personen regelmäßig abgeschaltet.

Im Vordegrund eine akustische Ampel mit erhabenem taktilen Bild und der Schrift warten. Dahinter ein Auto.
BIZEPS

Wie auf sumikai.com berichtet wird, hat eine japanische Tageszeitung eine Umfrage zu Ampelsignalen für blinde und sehbehinderte Menschen veröffentlicht. Ende 2019 gab es in Japan 208,152 Ampeln. Nur 24,367 dieser Ampeln sind mit akustischen Signalen für blinde und sehbehinderte Personen ausgestattet.

Die Umfrage ergab, dass bei 84% dieser Ampeln regelmäßig das Signal abgeschaltet wird. Kurzzeitig oder sogar über den ganzen Tag gibt es dann kein Signal. Bei 6189 Ampeln gibt es allgemein schon eine zeitliche Begrenzung der Signaltöne.

Akustische Ampeln sind lebenswichtig

Die Lautstärke und die Signale der akustischen Ampeln sind lebenswichtig für blinde und sehbehinderte Menschen, da sie ihnen ermöglichen, ohne Lebensgefahr die Straße zu überqueren.

Der Grund, warum in Japan akustische Ampeln immer wieder abgeschaltet werden, ist, dass die Anwohnerinnen und Anwohner die Ampeln zu laut finden.

Die Japan Federation of the Visually Impaired (JFVI) sagte, dass in den meisten Fällen die Signale zwischen 19.00 Uhr und 07.00 Uhr oder 08.00 Uhr morgens abgeschaltet werden. Das bedeutet, dass die Ampeln nur untertags zu hören sind.

Die Umfrage ergab auch, dass es mindestens 77 Unfälle mit sehbehinderten Fußgängerinnen und Fußgängern gab, wobei auch Todesfälle miteinbezogen sind. Bei 20 dieser Fälle fehlte bei den Ampeln das Ampelsignal und bei mindestens zwei waren die Ampeln abgeschaltet.

Für Sehbehinderten- und Blindenverbände in Japan sind die Ergebnisse der Umfrage schockierend. Sie fordern die Regierung auf, sofort die Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern.  Es ist gesetzlich festgelegt, dass alle Wege des täglichen Lebens barrierefrei sein müssen, also auch Straßenübergänge.

Munemasa Sasaki, Abteilungsleiter der JFVI, bemerkt, dass es an sich schon zu wenige akustische Ampeln gibt. Umso enttäuschender ist es daher, wenn die wenigen Exemplare dann nicht einmal 24 Stunden aktiv bleiben.

Auch in Österreich ein Thema

Wie auf BIZEPS nachzulesen, gibt es die Diskussion rund um die Lärmbelästigung durch akustische Ampeln auch bei uns in Österreich. Was für blinde und sehbehinderte Personen nützlich und lebensnotwendig ist, führte immer wieder zu Beschwerden von Anrainerinnen und Anrainern.

Aber die vermeintliche Lärmbelästigung wurde nicht von den sehbehinderten Personen verursacht, sondern von jenen, die fälschlicherweise meinten, mit der Betätigung der akustischen Ampel ein schnelleres Grünsignal zu erhalten, was wiederum dazu führte, dass die Ampeln abgenutzt und defekt wurden.

Als Reaktion auf diese Problematik begann man mit der Errichtung von akustischen Ampeln, die mit Hilfe eines Chips oder eines Euroschlüssels aktiviert werden können. Dies widerspricht jedoch dem Prinzip der Barrierefreiheit, da das Gerät intuitiv nutzbar sein muss, das heißt, ohne Verwendung zusätzlicher Hilfsmittel. Außerdem wird durch den Chip oder den Euroschlüssel die Benutzung der Ampel für blinde und sehbehinderte Menschen auch maßgeblich erschwert, da es für diese schwierig ist, ein Schlüsselloch zu treffen oder den Chip zu benutzen. Die überwiegende Mehrheit blinder und sehbehinderter Menschen lehnte daher die akustischen Ampeln mit Chip oder Euroschlüssel ab.

In Wien fand man folgende Einigung: Die Taste an der Unterseite der Ampel bleibt bestehen, blinde Personen mit eingeschränktem Hörvermögen können mittels Chip oder Euroschlüssel zusätzlich ein lauteres Signal für die Grünphase aktivieren.

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2 Kommentare

  • @Student, das stimmt. Der Unterschied ist aber, dass es in Japan offensichtlich Organisationen gibt, die 24 Stunden Barrierefreiheit, also 24 Stunden akkustische Signale auch aktiv einfordern, und nicht, wie bei uns, faulen Kompromissen wie der versperrten Ampel auch noch aktiv zustimmen und nachher glauben, eine gute Lösung erreicht zu haben. Das Beste daran ist, dass einer der Ihren diese hirnrissige Idee selbst öffentlich kommuniziert hat, man denke an das entsprechende Zitronenwasser.

  • Unglaublich! Man könnte tatsächlich meinen, in Japan hat man sich Tipps, wie man es genau nicht macht, von der MA33 geholt! Der Pseudokompromiss in Wien wird übrigens ebenfalls von einer erkläcklichen Zahl an Nutzern abgelehnt, da die Standardeinstellung der Akkustik trotz gegenteiliger Beteuerungen der MA33 massiv herabgesetzt wurde, was im Übrigen vorherzusehen war.