Jarmer zum Tag der Arbeit: Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderungen besonders hoch

Grüne schlagen 4-Punkte-Programm zur Senkung vor und brachten Entschließungsantrag ein

Helene Jarmer
GRÜNE

„Diese Situation, dass die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung besonders hoch ist, darf nicht länger stillschweigend hingenommen werden“, sagt die Behindertensprecherin der Grünen, Helene Jarmer anlässlich des „Tags der Arbeit“: „Auf allen Ebenen muss gegengesteuert werden“.

Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderungen steigt kontinuierlich an und war im März 2016 um 9,5 Prozent höher als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Damit steigt sie viermal so stark wie die Arbeitslosenrate in der übrigen Bevölkerung.

Die Grünen schlagen ein 4 Punkte-Programm zur Senkung der hohen Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen vor:

  • Ausbildungswege müssen erschlossen werden, dazu ist es dringend notwendig eine Inklusion vom Kindergarten bis zur Universität zu verwirklichen. Jugendliche mit Behinderungen müssen in das zukünftige Jugendausbildungsgesetz einbezogen werden und dürfen nicht wie im vorliegenden Entwurf ausgeschlossen bleiben.
  • Der Schwerpunkt für Menschen mit Behinderungen muss der erste Arbeitsmarkt sein. Unter dem Motto „Behindert, na und?“ müssen Menschen mit Behinderungen ermutigt werden, sich für Stellen zu bewerben. Der öffentliche Dienst muss seinen Einstellungsstopp aufheben.
  • Potentiellen ArbeitgeberInnen müssen Berührungsängste genommen werden. Dazu ist es erforderlich, Aktionsprogramme und Kampagnen unter Verwendung von Best Practice Beispielen und Role Models durchzuführen.
  • Auf politischer Ebene müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Menschen mit Behinderungen aus der Arbeitslosigkeit zu holen.

„Die wichtigsten Maßnahmen auf politischer Ebene sind die Erhöhung der Ausgleichstaxe auf das in der jeweiligen Branche übliche Durchschnittsgehalt, höhere Förderungen bei Einstellung von Menschen mit Behinderungen, der Ausbau der persönlichen Assistenz und eine Erhöhung der Budgets für zielgruppenorientierte AMS-Betreuung“, konkretisiert Jarmer.

Auch für die ca. 24.000 Menschen, die in Österreich in sogenannten „geschützten Werkstätten“ arbeiten – ohne Einbeziehung in das Sozialsystem und lediglich mit geringem Taschengeld – haben die Grünen ein Maßnahmenpaket: „Eine rasche sozialversicherungsrechtliche Absicherung sowie ein existenzsicherndes Einkommen statt des Taschengeldes sind die wichtigsten Schritte“, sagt Jarmer.

„Auch eine gezielte Heranführung an den sogenannten ‚ersten Arbeitsmarkt‘ und die Entwicklung von Zwischenmodellen der unterstützten Beschäftigung ist notwendig“, sagt Jarmer. Die Grünen haben diese Woche einen diesbezüglichen Entschließungsantrag im Nationalrat eingebracht.

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7 Kommentare

  • Die 24.000 Menschen welche im Artikel gemeint sind, werden nicht in „Geschützten Werkstätten“ begleitet, sondern in REHA- Einrichtungen der Länder, mit Tagesstruktur, bzw. wird dies meistens als Beschäftigungstherapie bezeichnet.
    In „Geschützten Werkstätten“ sind die Menschen mit Behinderung als ArbeitnehmerInnen entlohnt und sozialversichert!
    Aus meiner Sicht sollten die Menschen in den Einrichtungen mit Tagestruktur vermehrt in geförderte und begleitete Arbeitsplätze in der Wirtschaft, im öffentlichen Dienst, etc. vermittelt werden- mit entsprechender Lohnkostenförderung für die Arbeitgeber und langfristigen Unterstützungsmaßnahmen, direkt im Betrieb durch Job- Coaches. Hier tut sich auf Länderebene auch schon einiges; siehe Vorarlberg, ……
    Wenn in den REHA- Einrichtungen sozialversichert entlohnt wird, dann sind Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf endgültig weg vom Arbeitsmarkt und es kann keine umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erfolgen!
    Es zeigt sich in der Praxis, dass die Arbeitsfähigkeit von Menschen mit Behinderung nicht ausreichend durch eine ausschließlich medizinische Diagnostik ermittelt werden kann. Die 24.000 Menschen mit Behinderung gelten aus medizinischer Sicht als nicht „arbeitsfähig“, trotzdem beweisen einige von ihnen immer wieder, dass sie mit den entsprechenden Rahmenbedingungen sehr wohl in Betrieben arbeiten können und wollen!
    Ob eine Anhebung der Ausgleichtaxe, wie zB. von den Grünen gefordert, das richtige Signal an die Wirtschaft ist, sich vermehrt um die Inklusion von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu bemühen, wage ich zu bezweifeln.
    Viele Unternehmen und öffentliche Dienststellen würden gerne ihre Einstellungspflicht erfüllen, wenn sie entsprechend qualifizierte Menschen mit Behinderung finden würden!
    Wo wir wieder beim Thema inklusive Bildung wären………………………

  • Übirgens: Das Taschengeld bei den geschützten Werkstätten wird auch von der UNO immer wieder als Verletzung des Rechts auf frei gewählte Arbeit kritisiert.

    http://www.aktive-arbeitslose.at/news/20131209_uno-kritisiert_oesterreich_wegen_verletzung_sozialer_menschenrechte_ams-bezugssperren_mindestsicherung.html

  • Ab und zu eine Presseaussendung ist ja ganz nett, ersetzt aber nicht den politischen Kampf von Unten, und den unterstützen die Grünen, die mittlerweile eine Partei wie jede andere geworden sind, ja nun auch nicht gerade engagiert. Auch mangelt es an der Vernetzung und dem gemeinsamen Kampf der Betroffenenselbstorganisationen in den verschiedenen Bereichen …

  • Mit den Dolmetschkosten die alljährlich für Frau Jarmer ausgegeben werden, könnten 50 neue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen werden. Ich bin dafür, dass Frau Jarmer ihren Sessel räumt und mit dem Geld werden Stellen für Menschen mit Behinderung geschaffen! Das wäre ein echter Gewinn für die Grünen und deren Sozialpolitik!

    • Also diese Aussage finde ich diskriminierend und daher völlig unsinnig.

    • ja richtig, sehr gemein finde ich …..

    • Vollpfosten!