Jörgl, Adolf, Juvenal

Gebildete Leser haben natürlich sofort erkannt, daß die jüngste Ansage aus freiheitlichem Munde "Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist" auf einem gründlichen Mißverständnis des römischen Satirikers Juvenal beruht.

Inserat der FPÖ
ORF

Im „Der Standard“ erschienen:

Der habe gefleht, in einem gesunden Körper möge ein gesunder Geist sein, und somit annähernd das Gegenteil von dem gemeint, was die blauen Gesundheitsapostel sagen wollen.

Und er habe darüber hinaus als abschreckendes Beispiel einen antiken Kraftmeier angeführt, der ein schreckliches Ende nahm, weil in seinem Körper trotz nachgewiesener Gesundheit ein zurückgebliebener Geist hauste, der ihn dazu trieb, mit einer großsprecherischen Ankündigung an die Öffentlichkeit zu treten – und daran zu scheitern: Modellathlet Milon von Kroton wollte mit bloßen Händen keine Koalition, nur einen Baum spalten, er wurde zermatscht.

Was Juvenal betrifft, mögen die Gebildeten recht haben, dennoch gehen sie mit ihrer Kritik an der Haider-Riege von einer falschen Prämisse aus. Warum sollten Kärntner Freiheitliche auf Juvenal zurückgreifen, wenn das Gute für sie soviel näher liegt. Sie zitieren auch nicht falsch noch irreführend, sogar das „Nur“, an dem sich schwächliche Naturen so gestoßen haben, haben sie richtig aufgenommen, und zwar von einem als Kunstmaler leider unter seinem Wert geschlagenen, als Literaten dafür umso erfolgreicheren österreichischen Landsmann.

Der ist zwar etwas ins Gerede gekommen, weil hinter seinem Rücken einiges geschehen ist, das nicht ganz in Ordnung war, aber seine Beschäftigungspolitik ist heute noch für manche vorbildlich, und seine Gesundheitspolitik hätte es werden können, wenn man ihm nur tausend Jahre Zeit gelassen hätte. Aber sein Erbe lebt, mit dem Mutterkreuz hat er die Anregung zum Kinderscheck geliefert.

Der schrieb also in seinem Bestseller „Mein Kampf“ unter anderem: Man hat bei unserer Erziehung vollkommen vergessen, daß auf die Dauer ein gesunder Geist auch nur in einem gesunden Körper zu wohnen vermag (Seite 276). Beachten Sie bitte das Nur! Oder in einem späteren Kapitel „Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates“:

Wenn der Moltkesche Ausspruch: „Glück hat auf die Dauer doch nur der Tüchtige“ Geltung besitzt, so sicherlich für das Verhältnis von Körper und Geist: Auch der Geist wird, wenn er gesund ist, in der Regel und auf die Dauer nur (!) in gesundem Körper wohnen (Seite 453).

Und damit sich niemand der Illusionen hingibt, körperliche Vergammelung ließe sich durch geniale Veranlagung ein wenig ausgleichen, fügt er auf derselben Seite hinzu: Ein verfaulter Körper wird durch einen strahlenden Geist nicht im geringsten ästhetischer gemacht, ja es ließe sich höchste Geistesbildung gar nicht rechtfertigen. Gemeint ist offenbar, Schwächlinge und Behinderte bräuchten erst gar nicht zur Schule zu gehen, „nur“ eine Matura mit Vorzug macht sie auch noch nicht reif für Höheres, sagen wir, für eine Mitgliedschaft in der FPÖ.

Wir dürfen daher das Bemühen freiheitlicher Funktionäre um körperliche Ertüchtigung nicht mißverstehen. Wenn sich Jörg Haider auf dem Flugblatt, das nun so viel Aufsehen erregt hat, empfiehlt als begeisterter Sports-Man, Extrembergsteiger und Marathon-Läufer. Normale Marathons sind ihm nicht genug, so läuft er zum Beispiel Extremmarathons in Alaska, dann geht es ihm nur darum, seinen Körper endlich zu einem Gefäß zu formen, indem sich jener Geist sammeln kann, der die Österreicher in Bann schlägt.

Er muß dabei nur obacht geben, daß es ihm nicht ergeht, wie Großmaul Milon. Und er muß für Konsequenz sorgen: Daß sich angehende FPÖ-Abgeordnete neulich einem parteiinternen Intelligenztest unterziehen mußten und nicht einer Schönheitskonkurrenz, ist nicht im Sinn des Autors von „Mein Kampf“.

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