Kampagne: „Bin ich dir peinlich? Du mir nicht!“

RollOn-Austria präsentiert neue Kampagne, die Berührungsängste durch Bilder abbauen soll. Funktioniert das? Ein Kommentar.

Behinderter Mann und der Text: BIN ICH DIR PEINLICH? Du mir nicht!
RollOn Austra

Mit einer neuen Kampagne mit dem Titel „Bin ich dir peinlich? Du mir nicht?“ möchte RollOn Austria – Wir sind behindert – Unsicherheiten im Umgang mit Menschen mit Behinderungen abbauen.

Die neue Kampagne von RollOn Austria – Wir sind behindert – zeigt Bilder von Menschen mit sichtbaren Behinderungen. Zum Beispiel Günther Steiner. Er sitzt auf einem braunen Sessel und strahlt in die Kamera. Daneben ein bunter Schriftzug: „Bin ich dir peinlich? Du mir nicht!“ Darunter noch ein Schriftzug: „Wir stehen offen zu unserer Behinderung und reden darüber“.

Anschauen erlaubt

„Es gibt Leute, denen wir peinlich sind, die uns abstoßend finden. Das ist verletzend. Deshalb wollen wir es zum Thema machen und offen darüber reden, warum der Körper aussieht, wie er aussieht.“, erklärt Marianne Hengl, Obfrau von RollOn Austria – Wir sind behindert gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

Es sei eine Diskriminierung und grenze an Dummheit, Menschen mit Behinderungen wie ein großes Tabu zu behandeln. Durch die Erlaubnis hinzuschauen, möchte die Kampagne Berührungsängste von nicht behinderten Menschen abbauen.

Ist das der richtige Weg?

Die Kampagne ist zweischneidig. Menschen mit Behinderungen sollten mehr auf Plakatwänden auftauchen, die Frage ist nur, in welchem Zusammenhang. Die Kampagne möchte eigentlich, dass nicht behinderte Menschen sich mit ihren Sichtweisen über Menschen mit stark sichtbaren Behinderungen auseinandersetzen.

Das ist eine verständliche Intention. Aber ist das erlaubte Anstarren wirklich immer der richtige Weg, um Berührungsängste abzubauen und kann das über ein Bild geschehen?

Es ist ein Unterschied, ob es Kinder oder Erwachsene sind. Ich habe weniger ein Problem damit, wenn ein Kind mich intensiv anschaut und Fragen stellt, als wenn ein Erwachsener das tut.

Ich finde es von Erwachsenen unangebracht, nach der Art meiner Behinderung gefragt zu werden. Zumindest wenn wir uns nicht so gut kennen und wir vorher nicht über vieles andere gesprochen haben. Bei Kindern ist das etwas anderes.  

Es ist auch bedenklich, wenn Menschen mit Behinderungen ständig ihre Behinderung erklären müssen. Warum eigentlich? Würde man einen etwas dickeren Menschen fragen: „Hey, warum bist du eigentlich so dick geworden?“ Oder dürfte ein Kind seinen Bauch anfassen?

Solche Plakatkampagnen wären nicht nötig, wenn es selbstverständlich wäre, dass Menschen mit allen möglichen Behinderungen in der Mitte der Gesellschaft sind. Dann müsste man sie nicht auf Bildern betrachten, um sich an ihren Anblick zu gewöhnen. Dann könnte man ihnen auf Augenhöhe begegnen – in einem Gespräch, wo es nicht nur darum geht, warum er oder sie so anders aussieht, sondern vielleicht darum, was er oder sie arbeitet oder welche Filme er oder sie mag.

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3 Kommentare

  • „Bin ich dir peinlich? Du mir auch!“ hätt ich besser gefunden.

  • Mir gefällt dieser Satz „Bin ich dir peinlich,du mir nicht“ ausnehmend gut. Trifft genau den Kern des Problems.
    Liebe Grüße Sabine B.

  • Sehr gut argumentiert finde ich. :-)))
    Auch diese Kampagne hat mehrere Blickwinkel und jeder eine andere Sichtweise. Die Vielfalt unserer beider Meinungen und die daraus resultierenden Handlungen machen das Leben spannend und verändern nachhaltig … auch die „behinderte Welt“.

    DANKE und herzliche Grüße aus dem RollOn-Büro in Innsbruck.
    Marianne Hengl, Obfrau von RollOn Austria