Karner: Kriegs- und Opfergrabpflege als gelebte historische Verantwortung

Allerheiligen-Gedenkakt am Zentralfriedhof für die am Spiegelgrund ermordeten Kinder, einer oft vergessenen Opfergruppe des Nationalsozialismus

Hannah M. Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus und Abteilungsleiter für historische Angelegenheiten im Innenministerium, Stephan Mlczoch
BMI/Jürgen Makowecz

Anlässlich der bevorstehenden Totengedenktage lud die für die Kriegs- und Opfergräber zuständige „Historische Abteilung“ des Innenministeriums gemeinsam mit dem Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus zu einem gemeinsamen Gedenkakt für die hunderten am Spiegelgrund in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Kinder.

Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Abteilung für historischen Angelegenheiten des Innenministeriums, der Friedhöfe Wien und der Landespolizeidirektion Wien legten Hannah M. Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus und Abteilungsleiter für historische Angelegenheiten im Innenministerium, Stephan Mlczoch, am 31. Oktober 2022 Vergissmeinnichtsträußchen an den Gräbern der ermordeten Kinder am Wiener Zentralfriedhof nieder.

Wehrloseste Opfer der NS-Verfolgung

„Die Kinder vom Spiegelgrund waren lange vergessen. In diesen Kindern traf NS-Verfolgung die Wehrlosesten und Verwundbarsten – denen, die überlebt haben, sind die Narben ihr ganzes Leben geblieben. Es war wichtig, dass sie zumindest als Erwachsene im Nationalfonds eine späte Geste der Anerkennung erfahren konnten. Jener Kinder, die so grausam ermordet wurden, gedenken wir im Ehrenhain Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof“, so Generalsekretärin Lessing.

Die Urnen der sterblichen Überreste von rund 600 Opfern der Nationalsozialistischen Kindereuthanasie, sowie medizinische Präparate von Patientinnen und Patienten der „Kinderfachabteilung Spiegelgrund“ wurden 2002 am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Durch die Ärztinnen und Ärzte der Anstalt wurden die Kinder und Jugendlichen der Anstalt für medizinische Experimente missbraucht und mit zum Teil qualvollen Methoden untersucht. Per ergangenem Gutachten, welches den jeweiligen Opfern den Status „Lebensunwertem Lebens“ zuordnete, wurden diese vergiftet oder so lange unterversorgt, bis deren Tod eingetreten ist.

Innenministerium zuständig für Erhalt der Kriegs- und Opfergräber

„Als Innenministerium sind wir für den Erhalt der Kriegs- und Opfergräber zuständig. Dabei ist es wichtig, besonders an jene zu erinnern, die lange vergessen wurden. An den Gräbern dieser im Nationalsozialismus ermordeten Kinder wird die historische Verantwortung der Republik besonders spürbar. Unser „Vergissmeinnicht“ gilt ihnen, aber auch allen anderen Opfern, deren Andenken wir erhalten wollen“, betont Abteilungsleiter Stephan Mlczoch.

Für Innenminister Gerhard Karner ist die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Vernichtung heute aktueller denn je: „Die Kriegs- und Opfergräber des Ersten und Zweiten Weltkriegs sind Teil der österreichischen Geschichte – ihre Pflege und ihre Erhaltung ist gelebte historische Verantwortung. Der öffentliche Diskurs über die Vergangenheit ist besonders in Zeiten großer Herausforderungen wichtiger denn je, um die Zukunft unseres demokratischen Zusammenlebens zu gestalten“, sagte Innenminister Gerhard Karner.

In den kommenden Tagen werden auch Sammlungen für die freiwillige Grabpflege von Kriegsgräberanlagen durchgeführt. „Ich danke den vielen Freiwilligen des Schwarzen Kreuzes für ihren Einsatz bei den Sammlungen in den kommenden Tagen“, so Gerhard Karner.

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