Ketten – eine sicherheitstechnisch bedenkliche Absperrungsmaßnahme

Sicher, auf historischen Plätzen, wo Ketten als Absperrung oder Begrenzung in das historische Stadtbild gehören, sollen sie auch bleiben.

Ketten als Absperrung
Miletich, Dieter

Bei Neu-, Zu- und Umbauten im öffentlichen Raum Ketten als Absperrung zwischen einzelnen Verkehrsbereichen (z. B. Fußweg/Gleiskörper oder Fußweg/Radweg) zu verwenden, halte ich für äußerst bedenklich.

Die „neue Ausführung“ ist besonders heimtückisch, da meist nur eine Kette aus Kunststoff in Höhe von ca. 80 cm vorhanden ist und das ganze Gebilde durch seine Konstruktion eher einen symbolischen Charakter hat.

Nicht nur sehbehinderte und blinde Menschen können diese Ketten mit dem Blindenstock unterlaufen und haben dann plötzlich die Kette vor dem Bauch gespannt, nein, auch Kleinkinder können unter ihr durchlaufen, Fahrradfahrer sich in ihr verhängen, Mütter mit Kinderwagen diese im Gedränge irrtümlich unterfahren usw.

Wenn schon aus Sicherheitsgründen eine Abtrennung zwischen einzelnen Verkehrsbereichen erforderlich ist, so sollte dies durch ein festes, normgerechtes Geländer erfolgen (ähnlich dem Geländer mit Spritzblech entlang von Straßenbahninseln).

Bereits im heurigen Frühjahr wurden Absperrungen durch Ketten in Hietzing auf der Kennedy-Brücke errichtet. Die Ketten zwischen den Gleisen der Linie 10 und 60 im Bereich des Fußgängerüberganges wurden nach Protesten wieder entfernt.

Ein Lernprozeß dürfte aber – trotz all der Ersuchen in den letzten Jahren, keine Ketten zu verwenden – anscheinend noch nicht stattgefunden haben.

Im konkreten Fall handelt es sich um die Absperrung mittels Kette an der Einmündung der Breitenseeer Straße in die Hütteldorfer Straße entlang des Gehsteiges gegen den Gleiskörper der Linie 10. Diese Baumaßnahmen wurden im Zuge der Eröffnung der neuen Station der U3 durchgeführt. Weshalb die zuständige Magistratsabteilung wieder die Vorliebe zu Absperrungen mit einer Kette entdeckt hat, ist ungewiß.

Eine Begründung dafür wird wohl im Dunklen bleiben, denn verständlich ist das nicht, wenn Wien doch bürger- und behindertengerechter werden sollte.

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