Kindergartenplatz – eine Zumutung!?

Folgendes Gespräch ergab sich bei der Suche nach einem Kindergartenplatz:

Kindergartengruppe im Kreis
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„Ich brauche für einen vierjährigen Knaben einen integrativen Kindergartenplatz.“

Kindergartenleiterin: „Wir nehmen keine Ausländer!“

„Ich brauche einen Kindergartenplatz für ein Kind mit besonderen Bedürfnissen.“

Kindergartenleiterin: „Was meinen sie mit besonderen Bedürfnissen?“

„Ich meine, daß das Kind behindert ist!“

Seufzen am anderen Ende der Leitung: „Ja das ist schlimm! Welchen IQ hat denn das Kind?“

„Wir haben niemals einen IQ – Test machen lassen und – wir werden auch keinen machen lassen.“

Kindergartenleiterin: „Ja sagen sie, wie krank ist denn der Bub?“

„Im Winter war der Bub krank, er hatte wie 100.000 andere WienerInnen einen Grippevirus! Ansonsten ist er kerngesund!“

Kindergartenleiterin: „Naja, ganz gesund kann er aber nicht sein – sie sagten doch, daß er behindert ist.“

„Nein, ist er nicht – er hat das besondere Bedürfnis mit anderen Kindern zu spielen. Aus diesem Grund wollte ich bei ihnen anfragen, ob noch ein Platz frei wäre!?“

Kindergartenleiterin: „Ja, ich versteh‘ sie schon, daß sie das Kind wo unterbringen möchten, aber bei uns ist dies nicht möglich. Wissen sie, behinderte Kinder sind für unsere Kinder eine Zumutung!“

Dieses Gespräch fand anfangs Juni 95 mit der Kindergartenleiterin eines kirchlichen Kindergartens im 13. Wiener Gemeindebezirk (Name und Adresse der Redaktion bekannt) statt und ist keineswegs frei erfunden, sondern beinharte Realität.

Eine Zumutung!

Stellt sich die Frage, WER und WAS eine Zumutung ist!?

WER?: Alljene Kindergärten, welche die Präpotenz besitzen, in ihrem Programm mit „ganzheitlicher Förderung“, mit „Wohl der Persönlichkeitsentfaltung“, mit „individueller Betreuung“ zu locken und es dann zu wagen von Zumutung zu sprechen. … WAS?: Daß diese Doppelmoral möglich sein kann.

Es gibt in Österreich keinen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, geschweige denn auf einen integrativ geführten. Nach unseren Recherchen gibt es in Wien ca. 611 Kindergärten.

Der größte Anbieter ist die Gemeinde Wien mit 332 Kindergärten. Davon gibt es sieben Sonderkindergärten und angeblich 28 Integrationsgruppen. (Wobei die Sonderkindergärten als Aussonderkindergärten zu betrachten sind, und die sogenannten Integrationsgruppen tatsächlich nur „sogenannte“ sind.)

Da die Warteliste der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf eine sehr lange ist, werden die Kinder nach Schwere der Behinderung ausgewählt…..) Daß es nicht mehr (Integrations) Kindergärten gibt, liegt nach Auskunft der zuständigen Stellen an der allgemein budgetären Lage, sowie am permanenten Personalmangel….. Alternativ geführte Kindergruppen, von denen es in der Bundeshauptstadt ca. 40 gibt, „integrieren manchmal“.

Von den ca. 121 kirchlichen Kindergärten, sowie den restlichen Privatkindergärten bieten etliche folgende Besonderheiten an: „soziale und ästhetische Erziehung“, „individuelle Behandlung jedes Kindes“, „familiäre Atmosphäre“, usw.; von Integration und dem sozialen Aspekt dieser, weiß allerdings niemand. Und hier kann man wohl von einer Doppelmoral sprechen! Die meisten Kindergärten also können „leider nicht integrieren“. Die Antworten, warum nicht, sind unzählig und von großem Einfallsreichtum. Dies ist eine Zumutung für alle Kinder.

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