Königsberger-Ludwig zu Geschützten Werkstätten: Weiterentwicklung in Richtung Inklusion erforderlich

Die Studie zeige auf, dass im Bereich der Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt noch viel zu tun ist.

Ulrike Königsberger-Ludwig
Parlament

„Die Arbeitsmarkt-Situation für junge behinderte Menschen – wie überhaupt für Menschen mit Behinderung – ist schwierig. Behindertenwerkstätten und integrative Betriebe sind und waren in den letzten Jahren ein Mittel, um Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance zu geben“, sagte SPÖ-Bereichssprecherin für Menschen mit Behinderung Ulrike Königsberger-Ludwig anlässlich der Veröffentlichung der Studienergebnisse des Institutes für Bildungswissenschaften der Universität Wien zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung. Nun sei allerdings eine Weiterentwicklung erforderlich.
„Vor allem auch deswegen, weil sich der Ansatz in der Behindertenpolitik geändert hat – hin zur Inklusion“, betonte Königsberger-Ludwig am Freitag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst.

Die Studie zeige auf, dass im Bereich der Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt noch viel zu tun ist. Dem Ansatz der Inklusion müsse in den nächsten Jahren Rechnung getragen und dieser Schritt für Schritt umgesetzt werden. Bereits in den frühen 1990er Jahren wurde in Österreich ein Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik vollzogen – weg von der Fürsorge hin zur Teilhabe und Integration. „Seither ist Österreich auf einem guten Weg, die Ratifizierung der UN-Konvention war ein konsequenter Schritt und eine logische Schlussfolgerung“, sagte Königsberger-Ludwig.

Österreich hat als erster Staat den Staatenbericht abgegeben unter Berücksichtigung eines zivilgesellschaftlichen Berichtes, derzeit ist der Nationale Aktionsplan in Ausarbeitung – auch unter Einbindung von NGOs, Ländern und allen Ministerien. „Das soll auf die Wichtigkeit der Querschnittsmaterie hinweisen und Bewusstsein dafür schaffen, dass Behindertenpolitik mehr als Sozialpolitik ist“, betonte Königsberger-Ludwig.

Es gebe derzeit in Österreich eine große Anzahl von Unterstützungen für Menschen mit Behinderung. Beginnend mit dem Clearing über Job-Coaching, Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten bis hin zur Persönlichen Arbeits-Assistenz. Sie alle haben das Ziel, Menschen mit Behinderung in den sogenannten Ersten Arbeitsmarkt, also regulären, zu integrieren. Weiters gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit zur Teilqualifizierung und zur Integrativen Berufsausbildung. Auch diese Maßnahmen sollen zu mehr Integration von Jugendlichen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt beitragen und haben dies auch getan. Das belegt die Tatsache, dass sich 469 Jugendliche in Teilqualifizierung befinden, 232 Jugendliche haben diese im Jahr 2010 positiv abgeschlossen und 340 Jugendliche wurden über das Jobcoaching betreut.

„Ich bin überzeugt, dass diese Maßnahmen der ideale Weg zur Teilhabe sind und für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen ist“, betonte Königsberger-Ludwig. Hier müsse sich aber vor allem auch die Bereitschaft der Wirtschaft ändern – noch immer zahlen zu viele Betriebe Ausgleichstaxe, da sie die Behinderteneinstellungspflicht nicht erfüllen.

„Dies bedeutet auch Bewusstseinsarbeit und einen Wechsel in der Betrachtungsweise. Also weg davon, die Defizite von Menschen mit Behinderung in den Vordergrund zu stellen und hin zum Erkennen ihrer Stärken“, betonte Königsberger-Ludwig.

Die SPÖ-Behindertensprecherin verwehrt sich allerdings dagegen, dass eine einzelne Maßnahme – die sich seit vielen Jahren – grundsätzlich bewährt habe, abgewertet und als Ganzes in Frage gestellt werde.

„Das ist aus meiner Sicht zum einen nicht fair und zum jetzigen Zeitpunkt zu früh, da wir auf dem Weg zur Inklusion noch eine Reihe von Herausforderungen erfüllen müssen“, sagte Königsberger-Ludwig.

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0 Kommentare

  • „Inklusion bedeutet, dass Menschen gar nicht erst ausgegrenzt werden. Weil als normal akzeptiert wird, dass die Gesellschaft aus unterschiedlichen Menschen besteht. Wenn man behinderte Menschen nicht erst ausgrenzt, ist es nicht nötig, sie wieder zurück in die Gesellschaft hinein zu integrieren. Inklusion bedeutet auch, dass nicht die behinderten Menschen an Bedingungen angepasst werden, die auf Nichtbehinderte zugeschnitten sind, sondern dass umgekehrt die Bedingungen an die behinderten Menschen angepasst werden. Inklusion bedeutet nicht, dass behinderte Menschen ohne oder mit nur wenig der nötigen Änderungen zurechtkommen sollen, um sich innerhalb der Gesellschaft zu bewegen. Inklusion bedeutet, dass behinderte Menschen alle Ausgleiche, Anpassungen, Barrierefreiheit und Assistenz bekommen, die sie für ihr Leben und um die Gesellschaft mitgestalten zu können brauchen. Aber eben nicht innerhalb von getrennten Behinderteneinrichtungen, sondern da, wo sie ohne ihre Behinderung auch leben würden.“ (Dipl. Psych. Kassandra Ruhm)

  • Einfach zum Nachdenken: Die Lebensarbeitszeit macht 10 Prozent des gesamten Lebens aus (20 Prozent der „aktiven“ Lebensspanne, die etwa die Hälfte des Lebens ausmacht.

  • Ja, Martin, es stimmt, es ist eine Sammlung schöner Worte. Das Problem an der Sache ist, dass man versucht, das Thema „Integration von Behinderten in den Arbeitsmarkt“ als ein gesondertes zu sehen. Das geht an der Lebensrealität vorbei.

    Sehr schön zu sehen ist das an der Trennung von Persönlicher Assistenz für den Arbeitsplatz und für den Freizeitbereich. Ich brauche doch immer beides. Was nützt mir PAA, wenn ich am Morgen nicht aufstehen, frühstücken, mich waschen etc. kann, bevor ich zur Arbeit gehe? Es gibt Behinderte, die kriegen zwar PAA aber keine PA in der Freizeit… Was soll das für einen Sinn machen?

    Es braucht nicht noch mehr ineffiziente Projekte zur Integration in den Arbeitsmarkt, es brauch ein ganzheitliches Konzept eines Rechts auf Selbstbestimmung und barrierefreien Zugang zu Bildung und Arbeitsplatz, d.h. konkret: Geld für Persönliche Assistenz bzw. Unterstützung für die behinderte Person (egal welche Art von Einschränkung; bedarfsorientiert) + eine schlagkräftige Durchsetzung des Gleichstellungsgesetzes.

  • Verstehe nicht, was die Abgeordnete mit der Aussendung sagen will. Was meint Sie, wenn Sie Geschützte Werkstätten in Richtung Inklusion verändern will? Was versteht sie unter „Persönlichen Arbeits-Assistenz“? Meint Sie „Persönlichen Assistenz am Arbeitsplatz“ oder meint sie „Arbeitsassistenz“? (Das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge)

    Warum behauptet Sie, dass die NGOs bei der Entwicklung des Nationalen Aktionsplan Behinderung (NAP) eingebunden werden, wenn das nicht gelebte Praxis ist?

    Die Aussendung ist meiner Meinung nach nur die Sammlung schöner Worte. Auf die grundsätzlichen Ergebnisse der Studie (Verdrängung einzelner Gruppen von behinderter Menschen im Arbeitsmarkt und Ausbildungsbereich) geht sie nicht ein – sie „verwehrt“ sich aber Dinge zu hinterfragen. Da drängt sich die Frage auf, ob dies eine reine Beschönigung ist?