„krank, behindert, ungehindert … in Wien“

Im Mai 2001 starteten wir unser Projekt "Behinderte Menschen im Krankenhaus und in anderen Gesundheitseinrichtungen".

Broschüre krank behindert ungehindert
BIZEPS

Ziel war, eine Verbesserung der derzeitigen Situation für behinderte Menschen im Gesundheitswesen herbeizuführen und einen besseren Zugang zur Akutversorgung sicher zu stellen.

Als Ergebnis davon hielten wir unsere Erfahrungen im Internet sowie in der nun vorliegenden Broschüre fest, um somit ein Nachschlagwerk für behinderte Menschen, aber auch für ÄrztInnen und Personen in anderen medizinischen Berufen zu schaffen.

Da das Benachteiligungsverbot in Artikel 7 der Österreichischen Bundesverfassung noch nicht geübte Praxis ist, sind behinderte Menschen im Gesundheitswesen großteils nicht eingeplant.

Die freie Arztwahl besteht für uns faktisch nicht, da

  • barrierefreie Zugänge nicht gegeben, Aufzüge oft nur über Stufen zu erreichen und Behinderten-WCs kaum vorhanden sind
  • ÄrztInnen und medizinisches Personal über den Alltag von behinderten Menschen kaum Bescheid wissen,
  • gehörlose Menschen nicht einmal in der Gehörlosenambulanz die Möglichkeit zu einem 4-Augen Gespräch in allen Fachambulanzen haben,
  • blinde Menschen kein einziges Spital mit Blindenleitsystem vorfinden,
  • und lernbehinderte sowie geistig behinderte Menschen selten auf ÄrztInnen und Pflegepersonal treffen, die ihnen respektvoll gegenübertreten.

Nun ein kurzer Rückblick auf das abgelaufene Projekt:

Eine regelmäßig tagende Arbeitsgruppe wurde von uns eingerichtet. In dieser waren Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen vertreten. Auch nicht behinderte RepräsentantInnen verschiedener Organisationen waren in diese einbezogen.

Wir tauschten Erfahrungen aus, formulierten Wünsche und Erwartungen und erarbeiteten einen Forderungskatalog. Die wichtigste Erfahrung für uns alle aber war, voneinander zu lernen.

Als ersten Schritt versuchten wir mit Arztpraxen in Kontakt zu treten. Kontakte mit Entscheidungsträgern des Gesundheitsbereichs wie z. B. mit dem Patientenanwalt und Führungskräften der WGKK wurden aufgenommen.

Einer großen Zahl von Menschen wurden vorhandene Barrieren bewußt. ÄrztInnen und Fachpersonal wurden für unser Thema sensibilisiert.

Beispielsweise mußte so manche Sprechstundenhilfe bei telefonischer Kontaktaufnahme erst nachsehen, ob sich vor dem Lift bzw. vor der Eingangstüre Stufen befinden. Außerdem waren Begriffe wie Brailleschrift oft nicht bekannt. Die Norm für ein Behinderten-WC kannte kaum jemand.

Ein weiterer Erfolg: Kassenverträge werden nur dann erteilt, wenn die Praxisgemeinschaft barrierefrei ist. Hier gibt es jedoch noch einen großen Wermutstropfen, und zwar den einer dreijährigen Übergangsfrist für die Nachrüstung bei bestehenden Praxen.

Ein weiteres positives Beispiel sind die Gesundheitszentren der Wiener Gebietskrankenkasse: Hier wurden unsere Forderungen z. B. nach behindertengerechten Toiletten positiv aufgenommen und teilweise sofort umgesetzt. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, Bauberatungen auf Basis der ÖNORM B 1600 und B 1601 durchzuführen.

In unserer Arbeitsgruppe haben wir wiederholt festgestellt, wie wichtig es ist, voneinander zu lernen.

Ein Beispiel:

An die Wichtigkeit eines Faxes und dessen prompte Beantwortung für gehörlose Menschen hatten wir anfangs nicht gleich gedacht. Erst im Gespräch wurde uns klar, daß gehörlose Menschen weder ÄrztInnen, noch den Ärztenotdienst oder die Rettung anrufen können und daher unbedingt das Fax benötigen.

Ferner konnten wir feststellen, wie unterschiedlich unsere Bedürfnisse sind und daß daher manchmal Kompromisse eingegangen werden müssen.

Beispiele:

Wegweiser müssen sowohl für sehbehinderte Menschen, als auch für RollstuhlfahrerInnen gut zu lesen sein. Die Höhe der Beschilderung kann also für beide Gruppen gemeinsam nie ideal sein. Auch die Farbgestaltung müßte je nach Augenerkrankenung gewählt werden, was in der Praxis natürlich unmöglich ist.

Es wurde uns bewußt, daß man Kompromisse eingehen muß. Das bedeutet aber nicht, daß man keine vernünftigen Lösungen finden kann.

Nur durch die intensive Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen war gewährleistet, das Projektziel zu erreichen.

Das Endprodukt – unsere Broschüre – ist nun bei uns erhältlich.

Darin finden Sie unter anderem Tipps, eine Checkliste für den Arztbesuch, unseren Forderungskatalog und ÄrztInnen bzw. Gesundheitszentren, die zwar nicht gänzlich, aber in einzelnen Punkten barrierefrei zugänglich sind.

Die Broschüre ist für behinderte Menschen gratis, wenn sie direkt in unserem Zentrum abgeholt wird. Wird sie bei uns telefonisch oder schriftlich bestellt, müssen wir eine Bearbeitungsgebühr von 5 Euro verrechnen.

Das Projekt „Behinderte Menschen im Krankenhaus und in anderen Gesundheitseinrichtungen“ wurde gefördert vom Bundessozialamt für Wien, Niederösterreich und Burgenland aus Mitteln der Beschäftigungsoffensive („Behindertenmilliarde“) der österreichischen Bundesregierung.

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  • Liebes Bizeps Team! Ich bin sehr froh, dass ich diesen Artikel von euch gefunden hab. Ich bin Schülerin des Azw (Ausbildung zur Krankenschwester) in Innsbruck und möchte als Diplomarbeit ein Video zu dem Thema „Problematik leicht geistig behinderter Menschen im Krankenhaus“ drehen. Bitte schickt mir diese Bröschüre und sonstige Information die ihr zu diesem Thema habt an: Selina Heissenberger, Gaswerkstrasse 3, 6020 Innsbruck