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Kritik an neuem „Heim“

Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) zeigte sich entsetzt darüber, dass in Thüringen schon wieder ein neues "Heim" eingeweiht wurde.

Barbara Vieweg bekräftigte die Forderung des Selbsthilfeverbandes von Menschen mit Behinderung nach einem Baustopp von sogenannten Behindertenheimen.

Die Ostthüringer Zeitung hatte diese Woche gemeldet, dass im thüringischen Kahla ein neues Wohnheim für behinderte Menschen mit 27 Plätzen für 1,5 Millionen Euro eingeweiht wurde. Träger der Einrichtung ist dem Bericht zufolge das Saale Betreuungswerk der Lebenshilfe Jena gGmbH. An den Kosten beteiligten sich Bund und Land mit jeweils 611 300 Euro. Weitere Zuschüsse gaben die Stiftung Hilfswerk für behinderte Kinder, der Landkreis und der Träger selbst.

„Es ist einfach unglaublich und höchst ärgerlich. Auf der einen Seite hören wir wohlklingende Reden und bekommen schön klingende Briefe gerade in Zeiten der Bundestagswahl, in denen sich die Abgeordneten fast mit der Forderung ambulant vor stationär überschlagen. Auf der anderen Seite werden laufend neue Wohnheime eingeweiht und dann auch noch aus Bundes- und Landesmitteln gefördert. Für dieses Geld, immerhin ca. 55.000 Euro pro Person allein an Investitionskosten, könnten offene Wohnprojekte ohne die institutionellen Zwänge und aussonderndem Charakter geschaffen werden. Wenn es uns nicht gelingt, endlich in Deutschland einen Baustopp für den Bau weiterer sogenannter Behindertenheime zu verfügen, wird noch mehr Geld in aussondernde Einrichtungen und Strukturen gesteckt. Offene Hilfen müssen von der Kür zur Pflicht werden“, fordert Barbara Vieweg.

Seit 1991 seien mit Haushaltsmitteln des Landes Thürigen und Mitteln der Ausgleichsabgabe dem Bericht der Ostthüringer Zeitung zufolge Maßnahmen im Wohnbereich für geistig Behinderte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 107 Millionen Euro gefördert worden. Damit konnten 1.640 Plätze neu oder als Ersatz geschaffen werden. Für weitere 190 Plätze sind die Baumaßnahmen noch nicht abgeschlossen. Allein im Bereich der Lebenshilfe in Thüringen beträgt das Gesamtinvestitionsvolumen über 30 Millionen Euro seit 1991.

Nach Ansicht von Barbara Vieweg gäbe es gute Möglichkeiten mit Wohnbaugenossenschaften und anderen Trägern der Wohnungswirtschaft zu kooperieren, um ein Leben behinderter Menschen im Stadtteil zu ermöglichen. Die Behindertenarbeit und -politik sei zunehmend von blanker Phantasielosigkeit und Schubladendenken geprägt und neige trotz schöner Worte immer mehr dazu, behinderte Menschen in Sonderwelten abzuschieben. Dem müsse konsequent entgegengewirkt werden.

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