Selbstbestimmt Leben Innsbruck

Kulturwechsel in der Tiroler Behindertenhilfe

Über 170 KundInnen nutzen bereits das Angebot für Persönliche Assistenz bei Selbstbestimmt Leben Innsbruck.

Die Organisation will nun das Modell der Persönlichen Assistenz ausweiten und plädiert für einen Kulturwechsel in der Tiroler Behindertenpolitik.

„Persönliche Assistenz ist jede Art von Hilfe, die behinderte Menschen in die Lage versetzt, ihr Leben selbstbestimmt und in Unabhängigkeit gestalten zu können. Sie umfasst alle Bereiche des täglichen Lebens, in denen Menschen mit Behinderung auf Grund ihrer Einschränkung Unterstützung benötigen, das heißt unter anderem die Bereiche Körperpflege, Haushaltshilfe, Kommunikationshilfe und Mobilitätshilfe. Die AssistenznehmerInnen wählen dabei ihre AssistentInnen selbst aus. Sie leiten sie an und bestimmen Zeit, Ort, Art und Ablauf der Assistenzleistung“, so beschreibt Gerhard Walter von Selbstbestimmt Leben Innsbruck das Angebot und den Hintergrund für die Persönliche Assistenz des Vereins. Der Unterschied zu herkömmlichen sozialen Diensten bestehe darin, dass bei der Persönlichen Assistenz die Initiative von den Betroffenen ausgehe und sie die Organisation ihrer Hilfe selbst in die Hand nehmen.

Das Modell der Persönlichen Assistenz kann als Methode gegen fremdbestimmte Fachlichkeit und gegen Abhängigkeit verstanden werden und leitet einen radikalen Perspektivenwechsel gegenüber der traditionellen Behindertenarbeit ein. Tonangebend sind nicht – wie im herkömmlichen Ansatz der Behindertenbetreuung – die Fachprofis, sondern die KundInnen. Sie sind ExpertInnen in eigener Sache“, so Gerhard Walter.

Daher organisiere und vermittle Selbstbestimmt Leben Innsbruck in ganz Tirol Persönliche Assistenz in allen Bereichen des täglichen Lebens. Derzeit nehmen ca. 170 KundInnen das Angebot in Anspruch. Der Verein beschäftigt 35 Angestellte und ca. 350 Freie MitarbeiterInnen. Die Assistenz wird vom Land Tirol und über einen Selbstbehalt durch die Betroffenen finanziert.

Wie dies in der Praxis aussieht beschrieb der Verein kürzlich im Rahmen einer Pressekonferenz anhand des Beispiels von Josef Hetzenauer. Der 1948 geborene Mann lebt in Innsbruck und ist seit 1981 selbständiger Immobilienverwalter. Josef Hetzenauer ist seit 1979 aufgrund eines Freizeitunfalles querschnittgelähmt (Rollstuhlfahrer). Nach seinem Unfall brach er aufgrund fehlender Angebote sein Architekturstudium ab. Bis 1999 erhielt er Pflege und Unterstützung durch seine Lebensgefährtin und durch seine Mutter. 1999 erkrankte seine Lebensgefährtin an Krebs und verstarb 2003. Ab 1999 erhielt er Unterstützung durch den Innsbrucker Sozialsprengel. Ab 2000 begann er mit der Organisation seiner Persönlichen Assistenz über Selbstbestimmt Leben Innsbruck. Seit Ende 2002 organisert sich Josef Hetzenauer seinen Alltag im Privatbereich ausschließlich mit Persönlicher Assistenz. Seit 2004 nimmt er für seinen Beruf Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz in Anspruch.

Ohne Persönliche Assistenz sowohl im privaten Bereich als auch am Arbeitsplatz und damit im beruflichen Bereich, könnte Josef Hetzenauer nicht in seiner eigenen Wohnung leben und seinem Beruf nachgehen.

Der Innsbrucker Verein will nun dafür werben, dass die Bedingungen für Persönliche Assistenz in Tirol verbessert werden und dass die Persönliche Assistenz als zentrales Instrument in der Behindertenarbeit gestärkt wird.

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0 Kommentare

  • Ich wünsch Ihnen ALLES GUTE für IHRE weitere ARBEIT – ich freue mich sehr, dass am Lande auch die Pers. Assistenz mehr „Fuß zu fassen bekommt“ – es ist soooo sehr wichtig! Danke!