Kunstperformance gegen Missstände bei der Barrierefreiheit

Der Haupteingang der Akademie der Bildenden Künste Wien ist nicht barrierefrei zugänglich. Um auf diesen Missstand hinzuweisen, gibt es am 3. Oktober 2022 eine Performance von Philipp Muerling.

Philipp Muerling im Rollstuhl sitzend mit einer großen Zeichnung von ihm an der Wand.
Philipp Muerling

Mühsam klettert er aus dem Rollstuhl auf den Boden und kriecht die Stufen rauf. Das klingt wie ein Albtraum in Sachen Barrierefreiheit, ist aber eine Kunstperformance des Studenten und Künstlers Philipp Muerling, um auf Missstände an der Akademie der Bildenden Künste hinzuweisen. 

Barrierefrei durch den Haupteingang

Das ist bei der Akademie der Bildenden Künste für Philipp Muerling nicht möglich. Er muss durch den Hintereingang, während alle anderen Student:innen den Haupteingang benutzen können. Trotz umfangreicher Renovierungen ist der Haupteingang nicht barrierefrei zugänglich gemacht worden.

Mit Inklusion hat das für Muerling nichts zu tun, denn diese habe das Ziel, Diskriminierung durch Ungleichbehandlung zu verhindern und den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Herr Muerling wurde bei den Renovierungsarbeiten sogar unter anderem als „Experte“ um Rat gebeten.

Doch er sei kein Experte, betont er gegenüber BIZEPS. Er sei lediglich ein Student, der seine Uni besuchen möchte.

Der Umweg ins Gebäude

Möchte Herr Muerling ins Gebäude kommen, muss er Hürden überwinden. Die Hintertür muss vom Empfang aus geöffnet werden. Wenn die Technik nicht funktioniert, muss jemand zum Hintereingang kommen und sie händisch öffnen. Die Strecke hinter der Hinter-Eingangstür geht steil bergab und kann nur mit einem Elektrorollstuhl bewältigt werden.

Eine schwere Tür, die sich automatisch öffnen sollte, wenn die Technik funktioniert, muss geöffnet werden. Eine weitere Rampe muss überwunden werden, damit man zu einem Lift im hinteren Teil des Gebäudes kommt. Rollstuhlfahrer:innen müssen sich aus Sicherheitsgründen beim Empfang anmelden. Dazu müssen sie das gesamte Gebäude durchqueren, denn der Empfang ist beim Haupteingang. Das ist alles andere als barrierefrei.

Bewusstseinsschaffung durch Performance

Die Performance von Philipp Muerling heißt „Besuch am Schillerplatz“. Das mühsame Überwinden der Treppen beim Haupteingang ist nicht nur eine Weigerung, den umständlichen Weg durch den Hintereingang zu nutzen, sondern auch ein Akt, der Bewusstsein schaffen will. Bewusstsein dafür, dass er gleichgestellt und selbstständig wie andere Menschen auch den Haupteingang nutzen kann und nicht auf Hilfe anderer angewiesen sein will, um in ein Gebäude reinzukommen.

Philipp Muerling will nicht aufgeben, er sagt in einer Stellungnahme gegenüber BIZEPS: „Ich werde die Performance wiederholen, bis die Anforderungen erfüllt werden oder mein Körper scheitert. Das Letzte ist wahrscheinlicher“.

Der Haupteingang der Akademie der Bildenden Künste ist laut Muerling nicht das einzige Gebäude, bei dem eine solche Performance angebracht wäre. „Die Idee kommt mir bei jedem Gebäude, das mir den Eintritt verwehrt.“

Eckdaten zur Performance

3. Oktober 2022, 11 Uhr am Haupteingang der Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz, 1010 Wien

Mehr über Philipp Muerling finden Sie auf Instagram, Tumblr, Vimeo und SOUNDCLOUD.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

3 Kommentare

  • Lieber Philipp! Ich hätte es nicht nur gerne gesehen, ich hätte mich sofort bereit erklärt mit Dir, neben Dir über diese Sch…tufen zu klettern. Welch geniale Idee. Ich kann leider nicht mit Dir diese Woche „klettern“ aber bin in weiterer Folge bereit, das auch bei anderen Gebäuden (am liebsten Museen und Ministerien) mit Dir zu tun.
    Viel Kraft und Mut weiter hin!
    Conny Scheuer, Performerin

  • Maaa- das hätte ich so gern gesehen!
    Habs erst jetzt gelesen – superschad.

  • Gut so. Und bitte auch den Rechtsweg beschreiten, anders verstehen es die Herr- und Frauschaften nicht. Wirklich abschreckend sind die Sanktionen zwar nicht, aber wir müssen das Wenige nutzen.

    Auch an der Uni Wien werden behinderte Studenten behandelt wie Aliens – mit allem, was dazugehört. Manche sind neugierig, ihnen fehlt bloß eine Anleitung zum Umgang mit primitivem, außerirdischem Leben.
    Andere haben Angst. Vielleicht fressen Aliens ja Menschen? Gender- und SozialwissenschaftlerInnen erklären es ihnen: Das seien Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

    Bei den baulichen Verschlimmbesserungen fragt man sich, wer da gewütet hat. Ein willfähriger Experte in eigener Sache vermutlich, dessen einzige Qualifikation die Behinderung sein dürfte.
    Ist ja auch billiger als sich an geltendes Recht zu halten.