Lapp: „Frauen die von Gewalt betroffen sind, dürfen nicht alleine gelassen werden“

Tabuthema Gewalt an behinderten Frauen in den gesellschaftlichen Diskurs bringen

NINLIL
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„Keine Frau ist Schuld, wenn sie Gewalt erlebt hat. Diese Frauen brauchen Hilfe und Schutz. Gerade behinderte Frauen wissen häufig nicht, an wen sie sich wenden sollen“, betonte SPÖ-Nationalratsabgeordnete Christine Lapp am Dienstag Abend im Rahmen der von ihr moderierten Diskussionsveranstaltung „Gegen Gewalt an Frauen mit Behinderungen.“ Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der Internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt und wurde von den Organisationen Jugend am Werk und WS FÖBE, unterstützt und vom ega und dem Sozialministerium veranstaltet. Lapp hob hervor, dass es wichtig sei, den Frauen zu zeigen, welche Möglichkeiten sie hätten und wo sie Hilfe und Unterstützung finden könnten, denn: „Über Gewalterfahrungen zu reden ist der erste Weg, um die Gewaltspirale zu durchbrechen. Frauen die von Gewalt betroffen sind, dürfen nicht alleine gelassen werden.“

An der Diskussion nahmen Maria Schwarz von der Organisation vienna people first, Sabine Franz von Jugend am Werk, Hemma Hilscher (WS FÖBE), Tamara Grundstein (Zentrum für Kompetenzen) und Lisa Udl von der Beratungsstelle NINLIL teil. Lapp betonte, wie wichtig es sei, dass auch Menschen mit Behinderungen in der Diskussionsrunde vertreten wären und dass es höchste Zeit sei, das Tabuthema Gewalt an Frauen mit Behinderungen in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen. Sabine Franz sprach in ihrem Vortrag über die Formen der Gewalt, schilderte ihre persönlichen Erfahrungen in einer betreuten Einrichtung und kritisierte den Umgang der Gesellschaft mit behinderten Frauen.

Maria Schwarz formulierte Forderungen von behinderten Frauen an die Gesellschaft und Politik. Sie forderte bessere sexuelle Aufklärung für behinderte Mädchen und Frauen, Weiterbildungsmöglichkeiten für Frauen mit Lernschwächen und sprach sich deutlich gegen die Zwangssterilisation aus. „Behinderte Frauen möchten endlich als Frauen gesehen werden, nicht nur als Behinderte“, kritisierte die Vertreterin von vienna people first. Tamara Grundstein vom Zentrum für Kompetenzen, einer Beratungsstelle, in der behinderte Frauen von behinderten Frauen beraten werden, schilderte den Alltag ihrer Arbeit und kritisierte die geringen Möglichkeiten zur selbstständigen Gestaltung von Freizeit in betreuten Wohneinrichtungen. Grundstein sprach sich für eine höhere Durchlässigkeit des Systems aus, die Übergänge von Vollbetreuung, Teilbetreuung und persönlicher Assistenz müssten fließender und weniger stark abgegrenzt erfolgen.

Hemma Hilscher schilderte die Situation aus der Sicht einer Betreuerin. Zahlreiche Frauen seien von Gewalt betroffen und häufig würden diese Frauen erst sehr spät über das Erlebte sprechen. Hemma Hilscher betonte die Wichtigkeit der BetreuerInnen als Vertrauenspersonen, die auf Wunsch der Betroffenen diese zur Anzeige bei der Polizei begleiten. Lisa Udl vom Beratungszentrum NINLIL, einem Beratungszentrum für von Gewalt betroffene Frauen mit Lernschwierigkeiten kritisierte die strikten, fremdbestimmten Strukturen, in denen behinderte Frauen aufwachsen und leben.

„Strukturelle Gewalt ist der Nährboden für jede andere Form von Gewalt“, so Udl und führte weiter aus, dass behinderte Frauen selten selbstständig entscheiden könnten und es von Kindesbeinen an gewohnt seien, ein fremdbestimmtes Leben zu führen. Und diese Abhängigkeit, dieser angelernte Gehorsam, so Udl würde die Frauen zu leichteren Opfern von sexueller Gewalt machen. Laut einer Studie aus dem Jahre 1996 seien behinderte Frauen doppelt so häufig von sexueller Gewalt betroffen als andere Frauen.

Lapp betonte, wie wichtig es sei, die BetreuerInnen bei der Aus- und Weiterbildung darin zu schulen, die ersten Anzeichen von sexueller Gewalt an ihren Klientinnen zu erkennen. Außerdem müsse man das Selbstbewusstsein von behinderten Mädchen und Frauen stärken. „Man muss behinderten Mädchen und Frauen klar machen, dass sie gut sind wie sie sind“, unterstrich die SPÖ-Abgeordnete. Lapp betonte abschließend, dass die Politik die Wünsche und Forderungen von behinderten Frauen ernst nehmen müsse und behinderte Frauen auch im neuen Regierungsprogramm ein Thema seien. „Um den integrativen Gedanken zu leben, um unsere Gesellschaft ins 21. Jahrhundert zu bringen, müssen behinderte Menschen gleichgestellt werden“, schloss Lapp.

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