Rollstuhlfahrerin berichtet erneut von ihren Erfahrungen als Freiwillige beim ESC
Zwar war der Weg noch weit, aber mein Ziel war klar definiert, wie schon 2015 wollte ich auch 2026 als …
Die Kampagne des ORF gezielt Menschen mit Behinderungen anzusprechen um sie als Volunteers beim Eurovision Song Contest (ESC) zu gewinnen hat also Früchte getragen. Einsam war ich definitiv nicht mehr.
Beim Kick-off-Event am 27. April 2026 im Media Center der Stadthalle traf erstmals ein Großteil der Volunteers aufeinander. Unter ihnen auch ein paar Rollstuhlfahrer:innen, blinde, sehbehinderte und gehörlose Personen.
Mit ein paar von ihnen kam ich auch ins Gespräch. Aus dem Burgenland, Graz und dem Ländle waren sie angereist. Beim ESC 2015 war ich als Mensch mit einer sichtbaren Behinderung noch alleine beim Kick-off.
Die Kampagne des ORF, gezielt Menschen mit Behinderungen anzusprechen, um sie als Volunteers zu gewinnen, hat also Früchte getragen. Einsam war ich definitiv nicht mehr.
Ein zusätzliches Gefühl von Zugehörigkeit stellte sich auch ein, weil sich unter den Volunteers viele bekannte Gesichter befanden. Viele sind Wiederholungstäter:innen, weil sie so wie ich bereits 2015 Volunteers waren.
Die Vernetzung mit den anderen „neuen“ Volunteers verlief wie erwartet nicht immer wie am Schnürchen. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch nie direkt Kontakt mit Menschen mit Behinderung.
Manche ignorierten mich, wenn ich sie ansprach, oder antworteten sehr einsilbig. Kurz gesagt: Ein „respektvoller“ Abstand wurde eingehalten. Da ich jedoch weiß, dass dieser Abstand spätestens beim gemeinsamen Arbeiten schwinden wird, ist das okay.
Das Hauptziel der Veranstaltung war sicher das Kennenlernen der Volunteers untereinander, aber es gab natürlich auch Programm. Wir lernten wichtige Ansprechpartner:innen für uns Volunteers kennen: das Volunteer Media Team, das Help & Care Team, das Ambassador Team und das Volunteers Management Team.
Auch stellten sich Mitarbeiter:innen der Europäischen Rundfunkunion (EBU), des ORF und die Gründerinnen von Full Access bei uns vor. Wir bekamen wichtige Sicherheitsunterweisungen, aber auch der Spaß kam nicht zu kurz. Wir erwarben gemeinsam den Tanzschein und testeten unser Wissen bei einem Quiz.
Ein Lob möchte ich auch dafür aussprechen, dass sich nicht nur im Publikum, sondern auch auf der Bühne Menschen mit Behinderung befanden. Eine der Moderatorinnen war eine blinde Volunteerkollegin und bei der Vorstellung von Full Access war mit Martina Gollner eine weitere behinderte Frau auf der Bühne.
An die bauliche Barrierefreiheit wurde auch gedacht, denn die Location war gut über eine Rampe erreichbar und es gab auch zwei barrierefreie Toiletten.
Kurz zusammengefasst: Die Veranstaltung war gut barrierefrei, aber es gab natürlich noch Luft nach oben.
Geatmet hat meine Seele nicht so wie etwa bei einer Sitzung des Monitoringausschusses. Dort sind Schriftdolmetschung, leichte und einfache Sprache, gendergerechte Sprache, Graphic Recording und bei der Vorstellung eine kurze Beschreibung des Aussehens Standard.
So können sich auch blinde und sehbehinderte Menschen ein Bild machen. Nicht zuletzt gehört dort auch die bauliche Barrierefreiheit dazu. Ein paar Elemente davon gab es auch beim Kick-off, aber nicht alle.
Ich hätte es gut gefunden, wenn man erklärt hätte, warum manche die Arme heben und die Hände schütteln, anstatt zu klatschen, und wenn die anwesenden Gebärdensprachdolmetscher:innen auf die Bildschirme projiziert worden wären.
Am ärgerlichsten war für mich jedoch, dass die barrierefreien Toiletten versperrt waren und es eine Weile dauerte, bis diese geöffnet wurden.
Fortsetzung folgt
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