Nahverkehrszug Talent

Laufend Probleme mit dem „ÖBB-Talent“

Auch Schönreden hilft den ÖBB nicht. Der Nahverkehrszug "Talent" bleibt im Schussfeld der Kritik. Der Talent ist weder qualitiativ noch ausfallssicher noch barrierefrei, so die Kritik.

BIZEPS-INFO und andere Medien aus dem Behindertenbereich berichten schon seit Jahren über die mangelnde Barrierefreiheit des ÖBB-Nahverkehrszug „Talent“. Bei der Planung und Umgestaltung des Nahverkehrszuges wurde ziemlich unprofessionell gearbeitet und jene Probleme geschaffen, mit denen sich nun die Fahrgäste und die Verantwortlichen der ÖBB herumschlagen müssen.

„Die Vorgehensweise bei der Anschaffung der Garnituren ist eine höchst seltsame!“, hielt Eduard Riha, Generalsekretär der ÖAR, schon im Jahr 2002 fest.

Talent: barrierefrei?

Von Anfang an hat die Behindertenbewegung – allen voran die ÖAR und BIZEPS – wiederholt darauf hingewiesen, dass der „ÖBB-Talent“ nicht barrierrefrei ist. So wurde beispielsweise kein Hebelift gekauft, obwohl der in Norwegen betriebene „Talent“ einen besitzt. Auch das WC wurde verplant.

Die Kritik wurde vom Tisch gewischt und Fahrzeuge in unbrauchbarer Qualität angeschafft. Erst unter massiver Kritik – und auf Drängen des Verkehrsministierums – wurden einige wenige Adaptierungsmaßnahmen gesetzt. Von Barrierefreiheit kann aber nicht gesprochen werden, sondern nur von nachträglichen Verbesserungen bei einem Fehlkauf. Die auf Drängen angeschafften Rampen der ersten Generation des „Talent“ waren so steil, dass ein Gutachten deren Gefährlichkeit unterstrich. So mussten diese wieder durch längere Rampen ersetzt werden. Ärgerlich, aber nicht untypisch für das Desaster rund um den „Talent“.

„Talent“: konkurrenzfähig?

Bayern hat eine internationale Ausschreibung im Verkehrsbereich durchgeführt. Auch der „ÖBB-Talent“ wurde ins Rennen geschickt; allerdings erfolglos.

„Auf der Strecke werden leistungsstarke, neue, klimatisierte und niederflurige Triebwagen zum Einsatz kommen“, berichtet Bayerns Verkehrsminister Erwin Huber über das Ergebnis der Ausschreibung.

Die derzeit zwischen Freilassing und Berchtesgaden in der Regel ohne Kundenservice verkehrenden „ÖBB-Talent“-Triebwagen werden 2010 daher durch Züge der Bietergemeinschaft Regentalbahn AG / Salzburg AG ersetzt, weist Martin Teißl, Sprecher des Arbeitskreises FAHRGAST Tirol, auf die mangelnde Konkurrenzfähigkeit des „Talent“ hin.

„Talent“ erwünscht?

Auch in Österreich ist der „Talent“ – trotz Werbeoffensive der ÖBB – heftig umstritten. Oberösterreich hat erst für den „Talent“ entschieden, nachdem zumindest zugesagt wurde, dass die gefährlichen Rampe durch verbesserte ersetzt werden sollen.

„Die modernsten Züge der ÖBB-Personenverkehr AG, die Talent, bedeuten einen enormen Qualitätsschub im Nahverkehr“, lobten sich die ÖBB am 11. Dezember 2006 noch selbst. Doch es kam keine Begeisterung über den „ÖBB-Talent“ im Burgenland auf.

Eine burgenländische Pendlerplattform ging mit dem „ÖBB-Talent“ hart ins Gericht und startete eine Kampagne, in der ausführlich über die Mängel informiert wurde.

Die ÖBB wollten dies als lokales Problem abtun und verwiesen auf andere Bundesländer, wo der „Talent“ angeblich ohne Proteste fährt. Dem widerspricht Martin Teißl aus Tirol vehement: „Es ist UNRICHTIG, wenn behauptet wird, dass der Einsatz der Talent-Triebwagen in Tirol von keinen Beschwerden begleitet werde!“.

Die Proteste in Burgenland – wie auch in Tirol und Oberösterreich – zeigen teilweise Wirkung. Unter dem Titel „Pendler-Service: City Shuttle statt Talent“ berichtet der ORF-Burgenland, dass ab März der City Shuttle statt der „Talent“-Garnitur zum Einsatz kommen soll. In weiterer Folge bemühe man sich, dass der „Talent“ durch Doppelstockwaggons ersetzt werde, so Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ).

„Talent“ betriebsbereit?

In der Kronenzeitung wurde kürzlich ein anderes Manko des Problem-Zuges beleuchtet. „Allein am 2. Oktober 2006 waren 29 der 86 Wägen in der Reparaturhalle„, hält die Tageszeitung fest. Besonders anfällig: Die Bremsen.

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5 Kommentare

  • Die Talent zuege sind eh nicht so schlecht sie Sind zum teil nur sehr schmutzig

  • 4124 schlechteste zugerfindung. 4020 beste zugerfindung

  • Der Talent ÖBB-Reihe 4024/4124 ist gegenüber der wesentlich älteren Reihe 4020, die eigentlich ersetzt werden sollte, vom mechanischen Teil sowie von der Inneneinrichtung ein großer Rückschritt. Speziell im Steuerwagen ist es durch die Anordnung des WC mit einem Kinderwagen sehr schwer in den Fahrgastraum zu gelangen. Außerdem befinden sich die Rampen für Behinderte nur im Steuerwagen jedoch nicht im Triebwagen. Auch die Farbgebung des Innenraumes ist durch die graue Farbe triste. Eine der größten Fehlkonstruktionen von Siemens und ÖBB.

  • Meine Gattin hat sich vor 5 Wochen im „Talent“ beim Sturz über die im Mittelgang eingebauten Barrieren eine schwere Fußverletzung zugezogen, musste operiert werden und wird noch weitere mind. 5 Wochen mit Krücken unterwegs sein. Die Rechtsabteilung der ÖBB in Innsbruck spricht von Einzelfall! In der Zwischenzeit habe ich jedoch erfahren, dass zahlreiche Personen über diese Hindernisse gestürzt sind und sich zum Teil schwer verletzt haben. Ich bin der Meinung, dass die gelbe Markierung am Boden keinen ausreichenden Schutz vor dem Tritt ins Leere darstellt und ersuche Personen, die sich auf Grund dieser Barrieren verletzt haben, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Vielleicht können wir gemeinsam erreichen, dass zusätzliche Absturzsicherungen eingebaut werden, um in Hinkunft diese folgenschweren Stürze zu verhindern.