Parlament Österreich

Leben mit intellektueller Behinderung

Veranstaltung im Parlament will offene Fragen und Probleme aufzeigen

Unter dem Titel „Rückblick mit Ausblick. Menschen mit intellektueller Behinderung von 1945 bis übermorgen“ findet heute im Parlament eine Tagung statt, zu der Nationalratspräsident Andreas Khol gemeinsam mit den vier Parlamentsfraktionen eingeladen hat.

Neben Vorträgen der Psychologin und Heilpädagogin Maria Bruckmüller, Ehrenpräsidentin der Lebenshilfe Österreich, und dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie Ernst Berger vom Neurologischen Rehabilitationszentrum Rosenhügel sind Statements von Betroffenen und eine Podiumsdiskussion mit den Behindertensprecherinnen und – sprechern der Parlamentsfraktionen, Franz-Josef Huainigg (ÖVP), Christine Lapp (SPÖ), Helene Partik-Pable (Freiheitlicher Klub) und Theresia Haidlmayr (GRÜNE), geplant. Ergänzend sollen Filmbeispiele gezeigt werden.

Germain Weber, Präsident der Lebenshilfe Österreich, betonte bei der Begrüßung, die Veranstaltung stehe im Zusammenhang mit dem diesjährigen Denk- und Feierjahr. Man wolle eine Personengruppe in den Vordergrund stellen, die früher oft vergessen und disloziert wurde und der man in Österreich zwischen 1938 und 1945 das Lebensrecht abgesprochen hat. Es gehe darum, zu zeigen, was in der Zweiten Republik für Menschen mit intellektuellen Behinderungen aufgebaut wurde.

Im Mittelpunkt stehe heute nicht mehr, wie noch in der Zwischenkriegszeit, karitative Hilfe für Behinderte und der Wohlfahrtsgedanke, betonte Weber. Betroffene Menschen würden nicht mehr als Objekte der Fürsorge und des Schutzes gesehen, sondern als Subjekte, die Menschenrechte haben. In diesem Zusammenhang habe die UN-Deklaration der Rechte geistig behinderter Menschen von 1971 zentrale Bedeutung gehabt.

Weber verwies aber etwa auch auf das kürzlich vom Nationalrat verabschiedete Behindertengleichstellungsgesetz. Dennoch seien, so der Lebenshilfe- Präsident, viele Probleme nach wie vor ungelöst. Auch wenn man sich auf dem richtigen Weg befinde – „das wird noch ein langer Weg sein“.

In einer von Maria Bruckmüller verfassten Broschüre der Lebenshilfe Österreich, die auf die Geschichte, die Arbeit und die Ziele dieser Interessengemeinschaft eingeht, wird darauf hingewiesen, dass dem NS- Regime 70.273 Menschen mit geistiger Behinderung zum Opfer fielen. Gleichzeitig werden darin aber auch, chronologisch gegliedert, zahlreiche Errungenschaften der Zweiten Republik dargestellt.

Menschen mit Lernschwierigkeiten

Und auch Betroffene selbst, etwa jene, die in der Bewegung People First organisiert sind, kommen zu Wort: „Wir wollen, dass alle Leute ‚Menschen mit Lernschwierigkeiten‘ zu uns sagen, weil wir dazu stehen! Denn viele Leute sagen, wir sind Menschen mit geistiger Behinderung. Uns gefällt dieser Name nicht“, heißt es etwa seitens People First Steiermark.

People First verfolgt als zentrales Ziel die Selbstbestimmung und will mit seinem Namen ausdrücken, dass auch Menschen mit intellektueller Behinderung zuallererst Menschen sind und es erst in zweiter Linie um ihre Behinderung geht.

Die Tagung im Parlament geht auf eine Initiative der Lebenshilfe Österreich zurück und wird gemeinsam mit Caritas Österreich, Diakonie Österreich, der Elterninitiative „Integration:Österreich“, Jugend am Werk und Vienna People First durchgeführt. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von der Musikgruppe „Klangschale“.

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0 Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Germain Weber, zurückkommend auf den o.e. Artikel begrüsse ich sehr, dass Sie sich dieses Themas annehmen. Auch die Tatsache, dass in dieser Veranstaltung im Parlament dieses Thema diskutiert und offene Fragen erörtert wurden, dokumentiert, dass dieses Thema für alle Menschen von großer Bedeutung ist. Es ist außerordentlich wichtig, dass nicht noch einmal mehr als 70.000 Opfer wie dies im zweiten Weltkrieg der Fall war, und ihnen jegliche Reputation abgesprochen wurde, unter der Prämisse der intellektuellen Lernschwierigkeiten unter Umständen auch ihr Leben haben lassen müssen.
    Schock oder schwerste Erlebnisse/Unfall können dazu führen, dass intellektuelle Menschen die Deklaration einer geistigen Behinderung erhalten. Es ist aber sehr wohl wichtig, dass eine Gleichstellung von Nichtbehiderten und Behinderten Menschen erfolgt, damit diese einen zukunftsweisenden und glücklichen Lebensweg einschlagen können. Dieses Thema ist mit Brisanz verbunden, doch ich begrüße es sehr, dass Sie sich gerade heute damit beschäftigen und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg. Inzwischen verbleibe ich mit den besten Wünschen für das kommende Weihnachtsfest sowie viel Erfolg und alles Gute für das Jahr 2006.