Lebenshilfe fordert barrierefreie Medizin für Menschen mit Lernschwierigkeiten

Im Rahmen der Fachtagung "medINKLUSION" der Lebenshilfe Wien wurde über eine Verbesserung der medizinischen Versorgung für diesen Personenkreis diskutiert. Ein Kommentar.

Spital
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Eine „kompetente medizinische Versorgung“ von „Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen“ ist der Lebenshilfe Wien ein großes Anliegen. Deshalb veranstaltete sie am 27. September 2013 im Kardinal König Haus in Wien eine Fachtagung zu diesem Themenkreis.

Diese Personengruppe läuft Gefahr, medizinisch unterversorgt zu sein. Generalsekretär der Lebenshilfe Wien, Bernhard Schmid: „Gesundheitseinrichtungen sind deshalb gefordert, sich auf diese Personengruppe einzustellen und den Umgang mit ihren unterschiedlichen Krankheitsbildern und ungewohnten Verhaltensweisen zu lernen“.

Besondere Betreuung?

Ziel der Lebenshilfe ist es, zu erreichen, dass „Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung“ in den Krankenhäusern eine „barrierefreie“ Anlaufstelle vorfinden und das Personal über die behinderungsspezifischen Krankheitsbilder Bescheid weiß.

Nach Meinung der Lebenshilfe benötigt diese Personengruppe im medizinischen Bereich eine besondere Betreuung: Die Betroffenen können sich meist schwerer verständlich machen und zeigen oftmals atypische Schmerzreaktionen.

Leichte Sprache

Nebst der Barrierefreiheit im baulichen Bereich kommt es laut Aussage einer Selbstvertreterin vor allem auf eine „leichte Sprache“ an. Das bedeutet: kurze Sätze, pro Satz nur eine Information sowie langsam und deutlich zu sprechen, keine Fremdwörter zu verwenden und schwierige Wörter zu erklären, am besten mit passenden Bildern.

In zahlreichen Referaten und Workshops wurde das Thema den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung näher gebracht, unter anderem in einem Referat über eine „Spezialklinik“ für Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung in Mailand.

Darauf die Feststellung aus dem Mund eines Selbstvertreters: „Aber das ist ja keine Inklusion, da sind wir ja wieder nicht bei den anderen Patienten.“

Diesen Widerspruch muss allerdings die Lebenshilfe Wien ihren Mitgliedern erst erklären.

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0 Kommentare

  • Nach wie vor Erklärungsbedarf haben zumindest für mich auch die in zwei Vorträgen geäußerten Bemerkungen:

    1. „emotionales Wagnis“ für einen Arzt / Ärztin bei der Behandlung von „intellektuell beeinträchtigen“ Patient_innen … Und:

    2. man könne nicht jedem Mitarbeiter_in im medizinischen Bereich diese Patientengruppe „zumuten“.

    Diese Äußerungen vor einem großen bunt gemischten Publikum.
    Auch wenn Aussage 2. nach Kritik relativiert wurde, bleibt zumindest bei mir ein äußerst bitterer Nachgeschmack.

    Diese Bemerkungen zeigen auch wieder einmal, dass sich das Schlagwort „Inklusion“ zwar langsam herumspricht; aber der Inhalt des Inklusionsgedanken nicht bekannt ist, nicht verstanden oder nicht angenommen wurde. Das erlebe ich übrigens auch in meinem Umfeld bei nicht behinderten Menschen. „Inklusion, ja das ist wichtig.“ Auf Nachfrage, was das denn eigentlich bedeutet, habe ich recht erstaunliche Antworten bekommen.

    Diese Veranstaltung hat mir wiederum gezeigt, wie wichtig es ist, dass das Thema „Inklusion“, „Behinderung“ in die Lehrpläne z.B. bei angehenden Ärzt_innen, Pfleger_innen, … fix aufgenommen werden sollte.

    Dabei wichtig ist jedoch auch der direkte Kontakt zu behinderten Menschen.

    Ich bin als Rollstuhlfahrer & MS-Patient selbst einige Male dank eines Uni-Prof’s bei Vorlesungen im AKH „aufgetreten“ und habe meine Krankheit / Be-Hinderung aus der Betroffenensicht geschildert. Das Feedback der Student_innen nach der Vorlesung war eindeutig positiv. Es wurde ganz stark der Wunsch nach mehr Austauschmöglichkeiten zwischen Studis und Betroffenen im Rahmen der medizinischen Ausbildung geäußert.

    Was einige wenige Professoren & -innen bzw. Lehrkräfte an Schulen jetzt schon vereinzelt tun, sollte weiter ausgedehnt und unterstützt werden. Ebenso die immer wieder auftretenden Initiativen von behinderten Menschen selbst, bei diesem Prozess der notwendigen Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft als Expert_innen in eigener Sache mit zu wirken.