Lebenshilfe gegen Delogierung von autistischem Kind

Nicht Abschieben ins Heim, sondern Unterstützung anbieten

Logo Lebenshilfe Österreich
Lebenshilfe Österreich

„Einen groben Verstoß gegen die Menschenrechte“, bezeichnet Lebenshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Germain Weber die drohende Delogierung einer sechsköpfige Wiener Familie mit einem autistischen Kind, wie heute im Ö1-Morgenjournal berichtet. Er fordert eine menschliche Lösung mit entsprechender Unterstützung. Nachdem sich Nachbarinnen im Gemeindebau über zuviel Lärm beschwert haben, steht die Familie vor der Wohnungsräumung.

„Das Zusammenleben mit Menschen mit Behinderungen birgt einige Herausforderungen. Die Familie des autistischen Jungen hat gelernt, mit der Behinderung ihres Sohnes umzugehen, die Nachbarn anscheinend noch nicht. Hier gibt es Unterstützungsbedarf, und es liegt an der Gemeinde Wien, diesem nachzugehen. Die Abschiebung ins Heim ist keine Lösung, schon gar nicht im Sinne der UN-Behinderten- und Kinderrechtskonvention“, meint Weber und regt eine Wohnlösung in einer familiären Umgebung mit entsprechender Unterstützung an.

„Autismus oder eine andere Behinderung ist kein Grund, ein Mietverhältnis zu verweigern und stattdessen eine teure Heimlösung anzustreben. Dem Wohnen im Familienbund ist Vorrang zu geben“, fordert Weber und verweist auf Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention. Demgemäß darf niemand dazu gezwungen werden, gegen seinen Willen in einem Heim zu leben. „Menschen mit Behinderungen haben das Recht, dort zu wohnen, wo sie wollen“, bekräftigt Weber.

Für Weber zeigt sich hier deutlich, dass das Verständnis für Menschen mit Behinderungen, im konkreten Fall Autismus, im Argen liegt. „Die UN-Behindertenrechtskonvention ist zwar schon seit zwei Jahren im österreichischen Recht verankert, aber anscheinend noch nicht in den Köpfen vieler Menschen“, so Weber abschließend.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare


  • Autismus und politische Ignoranz
    Kindermediziner lenken den Blick der Öffentlichkeit anlässlich des jüngsten Konflikts um ein von der Delogierung bedrohtes autistischen Kind in Wien auf ein landesweit ungelöstes Versorgungsproblem
    Frühkindlicher Autismus ist ein Sammelbegriff für Menschen mit verschiedenen, oft schwer wiegenden Entwicklungsproblemen, die unbehandelt zu schwerer geistiger und sozialer Behinderung führt. Autismus ist häufig, 0,4-1,2 Prozent er Menschen sind betroffen.
    Autismus ist zwar nicht heilbar, aber mit entsprechender Behandlung in den meisten Fällen sehr gut besserbar. In Österreich, einem der reichsten Länder der Erde, gibt es aber für diese Kinder nicht die entsprechenden Therapieeinrichtungen. Verantwortlich ist die österreichische Gesundheitspolitik, die autistischen Kindern die notwendige Behandlung verwehrt. Bei entsprechender Behandlung mit strukturierter Therapie (ABA oder TEACCH) über zwei bis drei Jahre können zwei Drittel dieser Kinder in das normale Schulsystem integriert werden. Die übrigen Kinder können zumindest so weit gebessert werden, dass sie nicht bei jeder kleinsten Kleinigkeit verzweifeln und sich im Sturm ihrer Gefühle nicht mehr auskennen – wie der jetzt von der Delogierung bedrohte Bub.

    Warum bekommen autistische Kinder in Österreich nicht die notwendige Behandlung?

    Eine kürzlich präsentierte Studie hat bestätigt, dass es für autistische Kinder in ganz Österreich keine auch nur annähernd dem internationalen Standard entsprechende Therapieeinrichtung für diese Kinder gibt – obwohl Österreich die UN- Behindertenkonvention und die Kinderrechtskonvention unterzeichnet hat, nach der behinderte Menschen ein Recht auf eine dem internationalen Standard entsprechende Therapie haben; obwohl Nichttherapieren 20-mal teurer ist; und obwohl zwei Österreicher (Kanner und Asperger) schon in den 40erJahren des letzten Jahrhunderts die wesentlichen Probleme autistischer Kinder erforscht haben.

    Weil die Krankenkassen Angst

  • wir leben im 7. Bezirk und haben auch eine autistische Tochter, die sich manchmal eigenartig aufführt. Zum Glück sind die Bewohner unseres Hauses immer sehr nett zu unserer Tochter und sie gibt das auch oft mit freundlichem Gemüt zurück. „Wie es in den Wald hineinschreit …“ Wir wurden aber auch oft von unseren Nachbarn gefragt, was denn unser kind habe und ich denke, dass die Aufklärung über Autimus unserem Kind gegenüber auch mehr Verständnis gebracht hat.Wir sind auf alle Fälle sehr froh und dankbar über solche Nachbarn.

  • Ich weiß, wie alle, die WAHREN Hintergründe des Anlassfalles nicht – bin aber gegen jeglichen RASSISMUS und das scheint mir in diesem Fall in mehrfacher Hinsicht gegeben zu sein.

    Für mich ist klar, die Familie darf nicht auf die Straße gesetzt werden – ob behindert oder nicht – und die Kinder in kein Heim verfrachtet werden!

    Zuständige Stellen, bewegt euren A… und tut endlich was. Für mich ist das ein Versäumnis der zuständigen Behörde(n).

  • Wäre geradezu sensationell sein, wenn die ÖAR sich einmal zu einer Thematik äußern würde, die eben zum Beispiel autistische Kinder betrifft.

  • @Basi und red joe: Der sogenannte „Rechtsstaat“ ist sicher nicht aus der Verantwortung zu entlassen. Ihr habt den unpassenden Vergleich mit Rechtsbrechern eingebracht. OK, die werden aber auch nicht delogiert (schon gar nicht mit Sippenhaftung), sondern erhalten ihre notwendige „Adaptierung“ bei freier Kost und Logie (durchschnittliche Kosten 100 Euro pro Tag). Intensive Betreuung per Aussonderung kostet, wie berichtet, bis ca. 260 Euro pro Tag. Der autistische Jugendliche hat das Menschenrecht auf Persönliche Assistenz und sonstige benötigte Adaptierungen, was ihm durch konsequente hoheitliche Delinquenz verweigert wurde. Der Staat ist in der Pflicht und versagt vorsätzlich kläglich.

  • @ Ingrid Gries – Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob Ihr Beitrag über eine Eingabehilfe erstellt wurde – daher bitte nicht in die falsche Kehle bekommen: . , ; ? ! und andere Satzzeichen würden es sehr erleichtern, die berechtigt geäußerte Kritik leichter zu verstehen. In unserem Land addieren sich die Ressentiments natürlich recht schnell: Behindert zu sein ist schon schlimm genug; behindert und Migrant zu sein ist doppelt schwer. Die Grenzen der Toleranz sind oft recht eng abgesteckt, andererseits muss man sich auch in die Lage der Nachbarn versetzen. Freilich gibt es kein Recht darauf, keine behinderte Menschen als Nachbarn zu haben (Zitat Lichtenauer) – aber andererseits gibt es solche und solche Behinderungen; und manche Menschen wären besser dran, wenn sie professionell betreut würden (siehe Hannibal). Man muss also schon beide Seiten im Detail betrachten, ehe man vorschnell auf Österreich und den Rechtsstaat losgeht …

  • SO WAS DARF UND KANN NICHT SEIN WAS ZÄLEN IN ÖSTERREICH BEHINDERTE MENSCHEN UND KRANKE BITTE NICHTS MANN SIEHT ES EIN JEDER AUSLÄNDER BEKOMMT MEHR UNDERSTÜZUNG WIE EIN BEHINDETER MENSCH DIE WERDEN IN ÖSTERREICH SOGAR DELOGIERT WEIL ES DEN ALTEN LEUTEN ZU LAUT IST ABER DIESER BEHINDERTE MENSCH IST AUCH EIN MENSCHUND HAT EIN RECHT BEI SEINER FAMILIE ZU LEBEN DEN SIE MÜSSSEN JA FROH SEIN DAS ES ANGEHÖRIGE GIBT DIE IHRE LIEBEN ZUHAUSE PFLEGEN WEIL ES IHNEN DA GUT GEHT UND DIE SICH WOHLFÜLLEN UND JETZT WIRD SO ANGEFANGEN HALLO BITTE IN WELCHEN LAND SIND WIR DEN DAS MANN NICHT MAL MEHR ZU EINEM BEHINDERTEN MENSCHNE STEHEN KANN UND DIE FAMILIE IM STICH LASST DES KANN ES EINFACH NICHT MEHR SEIN ICH BIN SO WAS VON SAUER WO BLEIBT DIE POLITIK DIE HELFEN SOLLTE ANSTAT ZU ZU SCHAUN WIE BEHINDERTE MENSCHEN DELOGOERT WERDEN SOLLEN ÖSTERREICH KANN SICH SCHÄMMEN EIN WANNSINN WIE ES MIT UNSEREN BEHINDERTEN UMGEGANGEN WIRD FÜRCHTERLICH SO WAS

  • @anonym: Es gibt zum Glück kein Recht darauf, nicht von behinderten Menschen umgeben zu sein, auch wenn viele Unmenschen, auch der Unrechtsstaat, sich darum bemühen. Wenn nun ggf. Ausdrucksweisen eines behinderten Menschen keine Glücksgefühle auslösen sollten, gehört das zu den Lebensrisiken.

  • Ich habe den Beitrag im ORF Wien heute und ZIB gesehen – Als Nachbar im Gemeindebau wäre ich nicht glücklich über einen 16 Jahre alten Jugendlichen, der randaliert. Trotz allem Verständnis für für das Leid der Familie..

  • Madness as usual! Die Obersauerei wurde von der notorisch unrechtspflegenden Justiz bis zum OGH verbrochen. Vor dem EuGH für Menschenrechte und den UN-Instrumentarien zur Überwachung der Umsetzung von Behindertenrechten könnte dieses Schandurteil nie bestehen. Mich wundert aber gar nichts, weil unser Unrechtsstaat auf dem grund-recht-losen und würde-losen Verfassungsprovisorium von 1920 aufgebaur ist und fast sämtliche Bekenntnisse zu den Menschenrechten durch Umsetzungs- und Gesetzesvorbehalte ausgehebelt sind. Auch das Benachteiligungsverbot in B-VG Artikel 7 ist eine reine Augenauswischerei, ein mausetotes Recht, eine judikative Totgeburt, abgetrieben von der Menschenrechtsignoranz und Delinquenz des Parlaments und der Landtage.