Lebenshilfe: Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung

Lebenshilfe und Sozialpartner fordern gerechten Lohn statt Taschengeld und Teilhabe am Arbeitsmarkt

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Eigenes Geld zu verdienen, ist für den Großteil der rund 50.000 in Österreich lebenden Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung keine Selbstverständlichkeit. Bei der Tagung „Wege zur inklusiven Arbeit“ in Salzburg forderten die Lebenshilfe Österreich und die Sozialpartner unisono verbesserte Rahmenbedingungen für den Zugang zur Arbeit sowie auf die Person zugeschnittene Unterstützungsleistungen für Menschen mit Lernschwierigkeiten.

„Gerechter Lohn statt Taschengeld, Sozialversicherung und Anspruch auf Alterspension: Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung wollen als erwachsene Persönlichkeiten wahrgenommen werden und einen selbstbestimmten Lebensweg im Rahmen unserer Gesellschaft gehen“, erklärte Lebenshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Germain Weber bei der gemeinsam mit den Sozialpartnern organisierten Tagung der Lebenshilfe Österreich in Salzburg.

Sowohl Fachleute als auch Betroffene kamen bei der zweitägigen Veranstaltung über die Beschäftigungssituation von Menschen mit Beeinträchtigungen zu Wort. So sprach sich Hansjörg Hofer, stellvertretender Behindertenanwalt, in seinem Vortrag für die österreichweite Ausweitung von Jobcoaching-Projekten als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt aus. Aus der Praxis berichtete Julian Bitschnau, Selbstvertreter aus Vorarlberg, und erklärte sein Anliegen: „Menschen, die in einer Einrichtung arbeiten, haben genauso das Recht später eine Pension zu bekommen, wie Menschen, die in Betrieben arbeiten“.
Sozialexperte Oliver Koenig wies indessen auf die Rolle der UN-Behindertenrechtskonvention hin, die ein Umkehrgebot für die Behindertenhilfe darstelle. Hier hakte Guido Güntert, Geschäftsführer der Lebenshilfe Salzburg, ein: „Die UN-Konvention richtet sich nicht gegen die Werkstätten, wie wir sie kennen, an sich. Sie richtet sich aber sehr wohl dagegen, dass Werkstätten die einzige Wahlmöglichkeit darstellen.“
Für verbesserte und auf die Person zugeschnittene Unterstützungsmaßnahmen, wie persönliche Assistenz, plädierten die Vertreter und Vertreterinnen der Sozialpartner in der Podiumsdiskussion.

Sozialpartner unterstützen Forderungen der Lebenshilfe

Gernot Mitter, Vertreter der Arbeiterkammer Wien, nannte in der Debatte die Durchlässigkeit am Arbeitsmarkt und bundeseinheitliche Regelungen für notwendige Schritte hin zum inklusiven Arbeitsmarkt. Die Vertreterin der Wirtschaftskammer, Nicola Vogl, wies darauf hin, dass Betriebe über die Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigungen beraten und individuelle Lösungen angestrebt werden sollen. Gemeinsam mit Herbert Pichler vom Österreichischen Gewerkschaftsbund und Joachim Malleier, Koordinator der Plattform „arbeitundbehinderung“, betonten sie ,die Lebenshilfe als Partner auf ihrem Weg zur Inklusion zu unterstützen.

Selbstverpflichtung

Für die Lebenshilfe Österreich führen die Forderungen nach gerechtem Lohn statt Taschengeld und Zugang zu einem inklusiven Arbeitsmarkt zu konkreten Konsequenzen in ihrer Arbeit: „Unsere Beschäftigungsstrukturen sollen sich künftig neu ausrichten. Wir wollen gemeindenahe Zentren für Inklusion aufbauen und vor allem selbst als Arbeitgeber für Menschen mit Beeinträchtigungen auftreten“, unterstrich Weber.
„Um zu einem offenen und inklusiven Arbeitsmarkt zu gelangen, braucht es neben individualisierten Unterstützungsmaßnahmen gute Anreize für Unternehmen, Menschen mit Beeinträchtigungen anzustellen. Dazu sind grundlegende Reformen notwendig und vor allem Mut und Willen zur Veränderung“, appellierte Weber an die Vertreter und Vertreterinnen der Politik.

Mitbestimmung als Kernpunkt des neuen Leitbilds und der Statuten

Anschließend an die Tagung fand die Mitgliederversammlung der Lebenshilfe Österreich statt, in der die größte und älteste Interessenvertretung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung in Österreich ihr neues Leitbild sowie neue Statuten verabschiedete. Die neuen Regelungen sehen eine verstärkte Mitbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen innerhalb der Gremien vor.
So wird in Zukunft ein Mitglied des Selbstvertretungs-Beirats im Präsidium vertreten sein und als Vizepräsident oder Vizepräsidentin die Lebenshilfe Österreich nach außen repräsentieren. Des Weiteren werden acht Selbstvertreter und Selbstvertreterinnen gemeinsam mit Angehörigen und Führungskräften aus den Landesorganisationen in der Mitgliederversammlung ihre Anliegen einbringen.

„Die Lebenshilfe Österreich setzt sich für die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft auf Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich ein. Wir unterstützen Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und deren Angehörige bei der Vertretung ihrer Interessen in und mit der Gesellschaft“, zitierte Lebenshilfe-Präsident Weber aus dem ebenfalls verabschiedeten neuen Leitbild.

„Wir sind nun gut in den Gremien vertreten und können stärker auftreten“, äußerte sich Selbstvertreter Erich Girlek erfreut zu den Neuerungen. Lebenshilfe-Präsident Germain Weber: „Mit unseren neuem Leitbild und den Statuten ist uns ein Meilenstein auf unserem Weg zur Inklusion gelungen. Was wir in unserer eigenen Organisation vormachen, das fordern wir ebenso von der Politik und der Gesellschaft.“ Und weiter: „Die Selbstvertreter und Selbstvertreterinnen leisten hervorragende Arbeit. Ich freue mich außerordentlich auf die enge Zusammenarbeit“, so der Lebenshilfe-Präsident abschließend.

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  • ….“Unsere Beschäftigungsstrukturen sollen sich künftig neu ausrichten.“… BUBBELS, BLASEN, TROETEN … Das tut auch mein Wetterfrosch. Ohne fette Kohle von mir als Steuerzahler einzustreifen. Und lügen und betrügen tut er auch nicht. Auch ein Verräter ist er nicht.