Lebenshilfe Oberösterreich fordert klares Bekenntnis zu mehr Inklusion am Schulstandort Perg

Die Sonderschule Langenstein (Bezirk Perg) soll erneuert werden. Die 26 Gemeinden des Bezirks haben sich auf die Errichtung eines „sonderpädagogischen Kompetenzzentrums“ geeinigt.

Ortschild mit Aufdruck Oberösterreich
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Die Lebenshilfe Oberösterreich begrüßt die Investitionsbereitschaft des Landes Oberösterreichs und der Gemeinden im Bezirk Perg, steht dem Konzept aber kritisch gegenüber und fordert einen inklusiven Schulcampus.

„Die alleinstehende Sonderschule muss endlich durch inklusive, durchlässige und ganzheitliche Campus-Modelle ersetzt werden. Österreich hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention bereits im Jahr 2008 dazu verpflichtet, Kindern mit Behinderungen inklusive Bildung im Regelschulsystem zu ermöglichen“, meint Birgit Brunsteiner, Vizepräsidentin der Lebenshilfe Oberösterreich.

Starke Elternorganisation im Austausch mit der Politik

Als Interessenvertreterin von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und deren Angehörigen war die Lebenshilfe Oberösterreich im Austausch mit der Bildungsdirektion und dem Bürgermeister von Perg, Anton Froschauer.

Im Gespräch wurde zwar eingeräumt, dass das neue Gebäude in einen bereits bestehenden Schulcampus der Bezirkshauptstadt eingegliedert werden soll, Lebenshilfe Oberösterreich Geschäftsführer, Gerhard Scheinast befürchtet aber, dass das neue Gebäude zu wenig Raum für inklusive Regelklassen vorsieht.

„Vor allem in den Elementarstufen ist keine inklusive Beschulung vorgesehen. Dagegen wehren wir uns als Lebenshilfe vehement“, so Scheinast und ergänzt: „Inklusion muss im Kindergarten beginnen und in allen Bildungseinrichtungen stattfinden.“

Ein positives Beispiel dafür sehen die Vertreter:innen der Lebenshilfe im Bildungscampus Vöcklabruck oder der Nikolaus Lenau Schule in Gmunden.
Die Lebenshilfe OÖ fordert daher eine Überarbeitung der Pläne hin zu einem durchlässigen System, in dem Schüler:innen mit und ohne Beeinträchtigungen aller Altersstufen gemeinsam lernen und sich begegnen können.

Vom Ruf nach einem sofortigen Stopp der geplanten Neubauten distanziert sich die Lebenshilfe OÖ, sie fordert jedoch eine Umplanung des Konzepts.

„Wir sehen die Notwendigkeit eines Neubaus durchaus, sind aber nicht zufrieden mit der bisherigen Planung. Auch wenn die Lebenshilfe Oberösterreich sich nicht für die sofortige Abschaffung aller Sonderschulklassen ausspricht, müssen Schulneubauten in eine inklusivere Richtung gedacht und insbesondere inklusive Regelschulklassen bei der Planung im Vordergrund stehen“, so Brunsteiner.

Angebot mit vorrangig Sonderschulklassen birgt Risiko der Exklusion

„Die Lebenshilfe OÖ steht klar für die Forderung eines inklusiven Schulsystems, nimmt aber zur Kenntnis, dass es noch ein weiter Weg ist, bis dies zur Umsetzung kommen kann. Wir fordern eine Wahlmöglichkeit für alle Schüler:innen mit Beeinträchtigungen.

„Jede und jeder muss es sich aussuchen können, ob er oder sie eine inklusive Regelschulklasse besucht oder eine Sonderschulklasse. Die Gefahr eines Neubaus, der vorrangig Sonderschulklassen enthält, liegt darin, dass diese Klassen aufgefüllt werden müssen und damit Kinder zugewiesen werden, deren Eltern sich eigentlich eine inklusive Beschulung wünschen würden. Außerdem erleichtert die Konzentration von Sonderschulklassen an einem Standort Schulleiter:innen in anderen Gemeinden des Bezirks, Schüler:innen mit Beeinträchtigungen mit dem Hinweis auf die bestehende Sonderschule gar nicht erst aufzunehmen. Das ist in der Vergangenheit in anderen Bezirken immer wieder geschehen“, sagt Birgit Brunsteiner.

Die Lebenshilfe OÖ hat im vergangenen Jahr ein Bildungspapier präsentiert, worin sie die regelmäßige Erhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs inklusive Anpassung der dafür notwendigen Personalstellen sowie einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf ein elftes und zwölftes Schuljahr für Schüler:innen mit Beeinträchtigung fordert.

„Unsere Forderungen beinhalten einen Rechtsanspruch auf freie Wahl der Bildungsform und des Ausbildungswegs. Dem kann aber nur ein inklusives Schulsystem gerecht werden. Dies muss bei jedem Schulneubau mitgedacht und umgesetzt werden“, so die Vizepräsidentin.

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