LEGO-Bauanleitungen für blinde und sehbehinderte Menschen

Haben Sie schon einmal daran gedacht, wie ein blinder Mensch eine LEGO-Burg zusammenbaut? Früher wurden Anleitungen nur bildlich dargestellt, doch seit geraumer Zeit gehört das der Vergangenheit an.

Matthew Shifrin hat einen Haufen Legosteine vor sich, den Langstock unter dem Arm eingeklemmt und sortiert Legosteine.
LEGO

Zurzeit läuft ein Pilotprojekt der LEGO-Group, in Kooperation mit der OFAI, – einem österreichischen Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz, und der CerePoc, einer Firma für künstlich erzeugte menschliche Stimmen.

Der blinde Matthew Shifrin war schon immer leidenschaftlicher LEGO-Fan, weshalb ihm seine Freundin Lydia beim Zusammenbauen helfen musste. Eines Tages hatte sie die Idee, die visuellen Anleitungen zu verschriftlichen. So konnte Shifrin selbst daran weiterarbeiten.

Schlussendlich stellte er sein Werk ins Netz, wofür er in kürzester Zeit große Aufmerksamkeit in der Community bekam. Die Anleitungen findet man bei „lego for the blind“. Es ließ nicht lange auf sich warten und der junge Amerikaner kam in Kontakt mit der LEGO-Group, die großes Potenzial darin sah.

„Wenn ich ein Set baue, entwickle ich ein besseres Gefühl dafür, wie ein Gebäude aussieht und wie es angelegt und gebaut ist. Für Blinde dienen LEGO Sets als Miniatur-3D-Ersatz für reale Gebäude anstelle von zweidimensionalen Fotografien. Mit LEGO-Steinen kann ich Dinge sehen, die sich nicht durch Berührung erkunden lassen, beispielsweise die Bögen eines Palastes im Nahen Osten oder die Türme der London Tower Bridge“, so der LEGO-Baumeister.  

Die sprachgesteuerten Anweisungen und textbasierten Beschreibungen in Braille sind vorerst nur in englischer Sprache verfügbar. Die Nutzung ist kostenlos. Derzeit gibt nur vier LEGO-Sets, die angeboten werden. An weiteren Anleitungen für blinde und sehbehinderte Menschen wird bereits gearbeitet, um für möglichst viele verschiedene Menschen verständlich zu sein.

Grün, rot oder gelb?

Hilfe benötigt man also nur mehr für die Wahl der richtigen Farben, so der Leiter des OFAI-Teams, Friedrich Neubarth. Bleibt zu hoffen, dass auch dafür eine Lösung gefunden wird.

„Ich möchte meine Anweisungen an die blinde Gemeinschaft weiterleiten. Ich möchte, dass jeder Blinde die Anleitung herunterladen, ein Set kaufen, die Teile von einer sehenden Person sortieren lassen und sich mit einem sehenden Baumeister auf Augenhöhe fühlen kann. Ich möchte, dass jeder Blinde das Gefühl hat, dass das einst Unmögliche jetzt möglich ist, dass er oder sie jetzt eine Miniatur-LEGO-Welt bauen kann“, so der engagierte Architekt.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Ein Kommentar

  • Ich habe als Kind – damals hochgradig sehbehindert, heute blind – praktisch mit und in meinen selbst gebauten LEGO-Städten gelebt. Als ich meinem Sohn später diese Begeisterung weitergeben wollte, stieß ich schnell an Grenzen, nicht nur weil es keine für mich zugänglichen Anleitungen gab, sondern auch weil die Bausätze inzwischen so komplex mit so vielen unterschiedlichen Teilen geworden waren, dass ich selbst mit meiner langjährigen „Bau-Erfahrung“ nicht mehr erraten konnte, was wohin gehört. Vielleicht kann ich mein Hobby ja doch wieder aufleben lassen. Hallo LEGO! Hier gibt’s Kund*innen zu gewinnen!