Leistungen für behinderte Menschen sind nicht ORF-Kerngeschäft?

In einer Presseaussendung lobt sich der ORF und "droht" mit mangelndem Service. Barrierefreiheit nur bei Refundierung der Gebührenbefreiung? Ein Kommentar.

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„Ein Einsparungsvolumen in historischer Höhe kennzeichnet den Finanzplan für 2010, den die Geschäftsführung des ORF nun fertiggestellt hat und der sich in Druckvorbereitung zum Versand an die Gremien befindet“, ist der ORF-Aussendung vom 13. November 2009 zu entnehmen.

In der Aussendung werden die Sparmaßnahmen detailliert erwähnt und die bisherigen Erfolge aufgezählt.

Refundierung der Gebührenbefreiungen

Doch dann wird Tacheles geredet und der ORF wird deutlich:

„Generaldirektor Dr. Wrabetz stellt fest: Die Geschäftsführung hat die Aufträge des Stiftungsrats erfüllt. Die Erreichung der Null-Linie war seitens der Politik die Vorbedingung auch für die Refundierung der Gebührenbefreiungen. Das Haus ORF hofft nun auf die Anerkennung der internen Leistungen und die Erfüllung der Versprechungen. Jeden Euro, den wir aus diesem Titel bekommen, werden wir in österreichische Programmleistungen und nicht in Strukturen investieren. Und selbstverständlich sind damit auch Beauftragungen der österreichischen Medienwirtschaft verbunden.“

Diesem Versprechen folgt ein Absatz, der fast schon bedrohlichen Charakter hat: „Das ausgeglichene Ergebnis wird ohne Valorisierung der Gebühren und ohne einen Ansatz für die Refundierung der durch Gebührenbefreiung entgehenden Teilnehmerentgelte erreicht, allerdings ist die Fortführung folgender wichtiger Leistungen bei einer Konzentration auf das Kerngeschäft nicht möglich.“

Es wird eine Reihe von Leistungen aufgezählt, die nicht mehr als Kerngeschäft – und daher anscheinend nur mehr nachrangig sind – angesehen werden. Konkret heißt es dort u.a: „Weiterer Ausbau des barrierefreien Zugangs zu den Programmen des ORF“

Diese Sichtweise muss man rundweg ablehnen. Der ORF muss – nicht „kann“ – Barrierefreiheit schaffen. Er ist dazu gesetzlich verpflichtet und sollte dies auch schleunigst tun, wenn er nicht weitere Klagen bezüglich Verletzung des Behindertengleichstellungsgesetzes riskieren will.

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0 Kommentare

  • Eine absolut inakzeptable Haltung des ORF! Das Service an Maßnahmen für den barrierefreien Zugang zu den Dienstleistungen des ORF ist ja sowieso schon dürftig genug, was einen klaren Verstoß gegen die Diskriminierungsverbote im Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz und in Art. 7 Abs. 3 und 4 B-VG darstellt. In diesem Zusammenhang aber auch noch zu glauben, einen Riegel vorschieben zu dürfen und als öffentlichrechtlicher Rundfunk- und Fernsehdienstleister selbst die Spielregeln festlegen zu können, ist sicher so nicht hinzunehmen.

  • Ich bin gottseidank nicht behindert, aber jederzeit kann es mich – wie übrigens auch Herrn Wrabetz – treffen. Seine Aussage ist derart beschämend, dass er eigentlich sofort seinen Hut nehmen müsste. Wegen einer Wortspende auf ähnlichem Niveau musste seinerzeit sogar unter Ronald Reagan der amerikanische Innenminister James Watt gehen.

    Es ist bedauerlich, dass Wrabetz so massiv zum schlechten Ruf des ORF beiträgt – gerade jetzt, wo die vielen guten und anständigen unter den ORF-Redakteuren davor zittern müssen, dass ihre verbleibende Unabhängigkeit der Begehrlichkeit der Parteipolitiker zum Opfer fallen wird, und daher eine breite Unterstützung seitens der Öffentlichkeit erforderlich wäre.

  • Kennt einer einen schlechteren Sender als den ORF? wenn ich ARD, BBC oder SRG sehe geniere ich mich immer, daß wir nur diese ORF-Partie haben. Pech.

  • @Fritz Binder – „LICHT IN’S DUNKEL“ gehört ja nicht zum Kerngeschäft, also heuer keine „KRÜPPELSHOW“ oder hab ich was „FALSCH“ verstanden?

  • „IST DA JEMAND?“, der Wrabetz, den gesetzlichen Auftrag des ORF’s näher bringt! Dass Wrabetz & Co offensichtlich bis heute nicht Ihren gesetzlichen Auftrag bezüglich „barrierefreien ORF“ erkannt haben, ist ja fast schon ein eigenes ORF-Kabarett wert.

    Nur, Wrabetz & Co wollen mit diesem Kabarett nicht die Einschaltquoten des ORF maximieren; nein, die meinen das, was sie hier zum Besten geben, tatsächlich völlig ernst.

    Deshalb ist die im ORF auftauchende Frage „IST DA JEMAND?“ in diesem Zusammenhang völlig legitim. IST DA JEMAND, der Wrabetz, den geestzlichen Auftrag des ORF’s und die damit verbundenen Verpflichtungen näher bringt!

  • JA, JA, der liebe ORF, dafür gibt`s dann „LICHT IN`s DUNKEL“. Ist das nicht schön??

  • Der ORF, seine Funktionäre und Beamten sind nur noch peinlich und teuer. Weg damit!