Licht ins Dunkel 2013. Es geht um Möglichkeiten!

In den letzten Tagen reden viele Menschen über Licht ins Dunkel. Auch heuer, 2013, gibt es wieder einen kurzen Film zu Licht und Dunkel. Dieses Jahr sind es Kinder, die über ihre Zukunft reden. Also darüber, was sie einmal werden wollen.

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BIZEPS

Viele Menschen sind sehr böse über diesen kurzen Film. Und sie haben Recht.

Da ist ein Kind, der möchte Fußballer werden. Und ein anderes Kind – sein Bruder – möchte Arzt werden. Damit er seinem Bruder ‘helfen’ kann. Er will Arzt werden und seinen Bruder ‘heilen’. Denn der Bruder ist Rollstuhl-Fahrer.

Wenn man jemanden unterstützen will, ist das gut. Aber was passiert hier in diesem kurzen Film? Der Film sagt uns: Da ist etwas falsch an dem Jungen im Rollstuhl. Da stimmt etwas nicht mit ihm. Denn er ist Rollstuhlfahrer. Er ist also das Problem. Der Film sagt uns: Behinderung kann geheilt werden. Und Menschen mit Behinderungen können geheilt werden.

Aber: ‘Geheilt’ werden muss unsere Gesellschaft. Die Gesellschaft ist das Problem. Wir als Gesellschaft müssen uns ändern. Es geht um Möglichkeiten, die der Bub im Rollstuhl hat. Und über die nicht geredet wird. Und es geht um Rechte, die er hat. Er hat wie alle Menschen das Recht darauf, sein Leben nach seinen Wünschen zu leben. So wie er ist – egal ob mit oder ohne Behinderung. Das nennt man Inklusion.

Der Bub im kurzen Film will Fußballspieler werden. Der kurze Film zeigt aber nicht: Es gibt zum Beispiel Rolli-Fußball. Der Film sagt uns ganz viel nicht. Der Film zeigt uns aber etwas sehr deutlich: Der arme Bub! Er kann nicht Fußball spielen! Dann haben die Menschen Mitleid und spenden Geld. Und dann denken sie nicht mehr über Inklusion nach. So einfach geht das.

Aber es geht nicht um Mitleid! Es geht nicht um Spenden! Es geht um Veränderung! Es geht um Anerkennung (Akzeptanz) jedes Menschen! Wir alle haben Rechte. Und wir alle müssen unsere Möglichkeiten nützen dürfen. Das geht aber nur, wenn man weiß, was es alles an Möglichkeiten gibt.

Also: Warum zeigt der kurze Film von Licht ins Dunkel nicht, dass es Rolli-Fußball gibt? Warum zeigt der Film traurige Kinder? Warum zeigt der Film einen Jungen, der keine Zukunft hat?

Schlimm ist, wenn die Gesellschaft – also wir alle – nichts dazu lernt. Licht ins Dunkel gibt es schon viele Jahre. Gelernt hat dort niemand etwas.

Wenn nun jemand fragt: Was gibt es denn zu lernen? Dann gibt es viele Antworten. Inklusion muss gelebt werden! Das heißt: Nicht über ‘arme Menschen mit Behinderungen’ reden. Sondern wir müssen darüber reden: Welche Hindernisse (Barrieren) gibt es für Menschen mit Behinderungen? Wenn ich jemandem nichts über Möglichkeiten sage, ist das ein Hindernis. Dann sind alle traurig. Dann haben alle Mitleid. Aber es ändert sich dadurch nichts. Inklusion bedeutet Nachdenken und Ändern. Hindernisse müssen verschwinden. Das sagt uns auch die UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen deutlich: Menschen mit Behinderungen müssen an der Gesellschaft teilhaben können. So wie sie sind.

Weiß bei Licht ins Dunkel niemand, was Inklusion ist? Weiß bei Licht ins Dunkel niemand, dass wir alle uns an die UN Konvention halten müssen?

Wir alle müssen uns als Gesellschaft verändern. Aber mit solchen kurzen Filmen wie bei Licht ins Dunkel wird sich niemand ändern. Wieso auch? Der Bub im Rollstuhl muss sich ändern. Nicht wir alle. Das sagt uns der kurze Film. Und das ist sehr schlecht.

Der „Licht ins Dunkel“-Spot

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0 Kommentare

  • Einfach Sprache drückt es am besten aus. Fr. Dr. Naue ist gut darin. Der Artikel geht unter die Haut!

  • ich bin in allem ganz bei ihnen, Frau Naue!
    (http://www.flickr.com/photos/109614414@N02/11014620973/)
    Nur eines möchte ich anmerken:
    es gibt behinderungen als folge von schwerer chronischer erkrankung. in diesem fall wünscht man sich ein schnelles vorankommen der wissenschaft und forschung, damit man vielleicht im laufe seines lebens noch ein stück vom heilungsprozess-kuchen erwischt.

  • liebe ursula naue,
    Sie haben vollkommen recht. die kritik auch am diesjährigen LID-trailer ist profund und nachvollziehbar. der orf diskriminiert, LID ist eine massive gewaltanwendung gegen behinderte menschen. keine andere bevölkerungsgruppe ließe sich das gefallen. das ist so seit vierzig jahren und das wird noch weitere 400 jahre so sein.
    ich schlage vor, unseren hilflosen protest sein zu lassen und zu wirkungsvollem handeln überzugehen. glauben wir wirklich, daß der orf zu dumm ist, zu verstehen, worum es geht? nein, das glauben wir nicht. die leute, die solche spots in auftrag geben und jedes jahr dieselben affronts gegen behinderte menschen produzieren, wissen sehr wohl, daß es anders auch ginge. lehre nr. 1: sie wissen, was sie tun. lehre nr. 2: sie machen bewußt das falsche (weil es ihnen um ziele geht, die mit behinderten menschen nichts zu tun haben – um es höflich auszudrücken)lehre nr. 3: wenn dir jemand ständig auf den kopf haut, wie lange versucht man, dem schläger zu erklären, daß er das nicht tun soll? nimmt man dem rüpel nicht einfach die waffe aus der hand? fazit: mit diesem orf baucht man nicht diskutieren. man muß über zivilgesellschaftlichen widerstand nachdenken und das erkannte in die praxis umsetzen. wer mitdenkt, versteht was ich meine.
    (und wenn jetzt wieder ein paar behinderte kollegInnen kommen und von versöhnung, friede, freude, eierkuchen faseln, rate ich: gründet einen verein: „wir fordern weitere 400 jahre LID-Verarschung!“. vielleicht bekommt ihr sogar geld von LID.)

  • Ich finde den Film auch schlecht, weil es für Kinder eine Selbstverständlichkeit sein soll, dass der (behinderte) Bruder da ist und nicht gedacht wird das er in Rollstuhl sitzt. Es soll nicht bei den Kindern schon die Aussage kommen der ist behindert der ist arm. Es soll heißen, komm mit uns spielen.

  • Danke Ursula für deine exzellente Analyse! Du hast damit etwas Licht ins Dunkel gebracht.

  • @yasemin: Sicherlich hat Blindwurm damit recht!
    Lieber Blindwurm, natürlich kann ich kann ihnen folgen – Wenn alle Aktivisten, wie Ladstatter und Kollegen so denken würden wie sie hätte es nie Verbesserungen im Behindertenbereich gegeben, von denen auch sie profitieren. Deshalb bin ich ja so aufgebracht über ihre Einträge und sie sollten BIZEPS eine zeitlang „kündigen“, wie sie angekündigt haben, damit man sich nicht ihre provokanten und ellenlange Einträge ins Gehirn ziehen muss… Ich werde ihnen nicht mehr antworten!

  • @Nicht ins Dunkel: Warum können Sie mir nicht folgen?

    Es ist richtig, das heute erwachsene Blindwürmer nicht mehr sehend gemacht werden können, weil wissenschaftlich erwiesen ist, dass die Augen nicht mehr erlernen können was sie bis zur Pubertät nicht gelernt haben.
    Es wird aber intinsiv an einem Weg gearbeitet mit welchem man zukünftig die Augen ähnlich operieren kann, wie es heute bereits mit den Ohren geht, ausgenommen der Hörnerv ist kaputt, wodurch „taube Bauern“ ein künstliches Gehör bekommen können wenn sie einmal gehört haben, oder gehörlos geboren sind und bis zu irhem vierten Lebensjahr operiert wurden.
    Ich weiß, dass die Implantation nicht bei allen gut anschlägt, aber die Erfolge sind mittlerweile in Summe betrachtet schon sehr beachtlich!
    Und nur weil wir uns etwas nicht vorstellen können heißt es noch lange nicht, das es nicht geht.
    Beispiel: Zirka 1970 gab es eine ORF-Sendung in welcher die Zuschauer gefragt wurden, ob sie es sich vorstellen können, das es einmal möglich sein wird sich ein zu hause vergessenes Dokument von einem Familienangehörigen ins Büro schicken zu lassen. Der Großteil der Anrufer hielt es für undenkbar…

    Das Ladstätter und Kollegen viele Stunden ehrenamtlich in verschiedenen Funktionen arbeiten weiß ich, aber wie man beispielsweise am NAP gesehen hat ist es einzig und alleine Sache der Politik zu entscheiden in wie weit sie bereit ist diesen Einsatz in ihre Etnscheidungen mit einzubeziehen. Ich bewundere es, das Leute so viel Zeit aus Überzeugung in eigentlich tode Pferde investieren!

    Und eines gleich im Vorweg: Wenn die Arbeitsgruppe über eine österreichweite Lösung für PA gescheitert ist wird man eben ohne Betroffenenkommentare eine Regelung einführen…

  • @Nicht ins Dunkel: In einem Punkt hat Blindwurm zumindestens doch recht: Ein Gesetz ohne Sanktionen (Empfehlung, Leitlinie, was auch immer) ist das Papier nicht wert, auf dem es steht.

  • Lieber Blindwurm – Ich kann Ihnen nicht mehr so ganz folgen – einerseits glänzen Sie mit Wissen und anderseits haben Sie Vorstellungen, wobei ich Ihre Intelligenz schwer anzweifle… Beine, Arme, etc. wachsen nicht mehr nach – auch Blindwürmer werden nicht mehr sehend – die Medizin hat grenzen. Sie sollten BIZEPS abbestellen, damit die Leser von Ihren Einträgen verschont werden. Wenn Sie tatsächlich BIZEPS lesen würden, würden Sie wissen, dass Ladstädter und Kollegen viele ehrenamtliche Stunden verbringen, um sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Nur die Vorsitzende hat eine Anstellung soweit ich informiert bin. Machen Sie ebenfalls eine Onlinewebseite und stellen Sie was auch die Beine – würde mich wundern, wenn Sie ein Jahr durchhalten…

  • @Nightdog: Natürlich ginge es auch anders.
    Aber dafür müßte man einen Weg finden diese Botschaft, salop gesagt, in so simple Worte zu packen das sie jeder Hilfsarbeiter am Gemeindebau versteht. Das was an dieser Stelle zu lesen ist wäre für besagten Baustellenwerker garatniert viel zu kompliziert!
    @Alexandra: Der Vollständigkeitshalber sei gesagt es sind nicht 50, sondern 42 Jahre.
    Und ob die Verantwortlichen verstanden haben was wir vor allem brauchen und wollen ist vollkommen wurscht! Das interessiert da nämlich niemanden!

    Und eine Frage noch: Warum bilden sich hier anscheeinend immer noch viele Leute ein, der Papierbogen der sich UN-Konvention nennt hätte außer für die Betroffenen selber in Österreich für irgend jemanden irgend eine Relevanz? Jeder 10Jährige schert sich nicht darum, wenn der Papa sagt das er um 21 Uhr schlafen gehen muss, wenn es bei Nichtbefolgung keine Konsequenzen gibt. Da eine Nicchtbefolgung absolut keine Sanktionen zur Folge hat wird die Beurteilung der UNO garantiert keinem verantwortlichen schlaflose Nächte bereiten. Ich hoffe für Ladstätter und Kollegen, dass die Arbeit im monitoringausschuss gut bezahlt wird, damit sie zumindest so für die Beteiligten einen Sinn hat!

  • So geil. Dank Amerlia kann ich mir endlich mal warme Schuhe im Winter kaufen. Dafür blieb dank Internet-Zugang und iPhone nicht viel übrig.
    Achso. Kommt ja gar nicht mir zu Gute. Sondern dem Blindenverband. Na egal, dann haben wenigstens die Mitarbeiter dort warme Füße. 😉

  • Nicht nur muss der Junge „geheilt“ werden, aber auch sein Bruder kann seine eigentlichen Träume nicht nachgehen weil er stattdessen seinen armen Bruder helfen muss. Also zusammengefasst: Menschen mit Behinderung sind kranke hilfsbedürftige Kreaturen die anderen Hindern sich zu verwirklichen. Muss man sich in unserer Gesselschaft wirklich solchen Klischees bedienen um Mitmenschen um Unterstützung zu bewegen? Traurig wenn das so wäre…

  • @ Amerlia: Bitte schön http://www.upworthy.com/can-you-have-sex-guess-who-hates-hearing-that-question-the-most?c=ufb1

    3 Minuten nachdenken und mir fällt was Sinnvolleres ein. Eifersüchtig – falsches WOrt : Wütend , da diese Werbung impliziert Behinderung ist eine Krankheit , was sie aber nicht ist!!!!!!!!! Behinderte sind deswegen behindert, da sie (soziales Modell zu Behinderung) behindert werden!!!!!!!!!
    „Ich habe fertig!!!“ (Copyright Giovanni Trapattoni)

  • Ich habe selbst 100 € gespendet, finde die Kampagne echt super. Kann es sein, dass hier einfach nur jemand einfersüchtig ist, weil ihm keine so scöhne Kampagne eingefallen ist?

  • Vielleicht wäre es eine Maßnahme, den Spot hier nicht ständig zu verlinken. Man kann schon drüber diskutieren, aber denen bitte keine Zugriffe verschaffen.