Cartoon: Person mit zugeklebten Mund und Buch in der Hand

Literaturpreis Ohrenschmaus

Zum Literaturpreis "Ohrenschmaus 2007" sind alle Menschen mit Lernbehinderung ab 16 Jahren eingeladen, die ihre Geschichten, Erzählungen, Gedichte etc. einsenden wollen.

Auf Initiative des Schriftstellers und Nationalratsabgeordneten Dr. Franz-Joseph Huainigg (ÖVP) wurde heuer ein neuer Literaturpreis ausgeschrieben.

Seinen 40. Geburtstag nahm er zum Anlass, den Literaturpreis „Ohrenschmaus“ ins Leben zu rufen und dafür zu werben. „Ich bat darum nicht mich, sondern den Literaturpreis zu beschenken und hatte mit Michaela König, einer Autorin mit Down-Syndrom prominente Unterstützung für diese Idee. Michaela König versetzte meine Gäste nicht nur mit selbstgeschriebenen Gedichten sondern auch mit Gesang in Begeisterung“, sagte Huainigg.

„Kunst ist Kunst und Therapie ist Therapie“

„Dieser Literaturpreis möchte die Werke hervorheben, die aufgrund ihrer kreativen Stärke herausragen. Es wird darum gehen Schätze zu heben, die allzu oft unter einer vorschnellen Etikettierung verborgen liegen. Was Ohrenschmaus nicht sein will, ist ein Preis für therapeutische Konzepte. Nicht jede Therapie bringt Künstlerinnen und Künstler hervor, nicht jedes so entstandene Produkt kann kunstvoll sein. Kunst ist Kunst und Therapie ist Therapie“, betonte Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich.

Für Caritas-Präsident Franz Küberl ist das Bild von Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit fast ausschließlich durch Defizit geprägt. Gesehen werde nur das, was der Mensch im Vergleich zu einem nicht behinderten Menschen nicht kann. „Der Literaturpreis hilft mit, verborgene Talente zu entdecken und damit das Bild behinderter Menschen in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Wenn wir es schaffen, nicht mehr durch Ignoranz und mangelnde Wertschätzung zu behindern, dann haben alle gewonnen: Für die einen eröffnen sich neue Perspektiven und für die anderen schafft der Literaturpreis Gelegenheiten Vorurteile abzubauen und menschliche Werte neu zu entdecken“, so Küberl abschließend.

Literaturpreis „Ohrenschmaus 2007“

„Mit dem Preis soll keine eigene literarische Gattung geschaffen werden, kein Ghettopreis! Aber er soll jene Talente ans Tageslicht bringen, die später andere Preise gewinnen können. Er soll behinderte Menschen als Schriftsteller etablieren und sie ermutigen ihre Gedanken in Poesie, Prosatexten oder Kurzgeschichten festzuhalten. Die Preisvergabe richtet sich nach den Kriterien anderer Literaturpreise, die Qualität des Textes ist vorrangig“, halten die Organisatoren fest.

Texte von Menschen mit Lernschwierigkeiten können ab sofort bis 30. September 2007 unter dem Kennwort „Literaturpreis Ohrenschmaus“ unter der Adresse Postfach 38, 1016 Wien, eingereicht werden. Weitere Details zur Einreichung sind im Internet unter www.ohrenschmaus.net zu finden. Die Siegerin bzw. der Sieger erhalten im Dezember 2007 im Rahmen einer Preisverleihung 1.000 Euro.

Anlaufschwierigkeiten

So engagiert der Literaturpreis ausgeschrieben ist, sollte doch auch kritisch angemerkt werden, dass es den Organisatorinnen und Organisatoren nicht gelungen ist, behinderte Menschen in die Jury zu integrieren.

Man habe „auch bei Literaturschaffenden mit Lernschwierigkeiten angefragt“, doch diese „haben abgesagt“. Man werde „daraus lernen“, teilt man indes auf BIZEPS-INFO-Anfrage mit.

Die Jury besteht nun aus einer Reihe von bekannten Persönlichkeiten, doch niemandem aus der Zielgruppe des Literaturwettbewerbs. Dieses Manko sollte – wenn möglich noch vor der Auswahl einer Siegerin bzw. eines Siegers – beseitigt werden. Wie es auch anders – nämlich im Sinne eines gleichberechtigten Miteinanders – geht, zeigt beispielsweise der ÖZIV Medienpreis.

Mitterer: „Mit Freuden dabei“

„Seit vielen Jahren lese und propagiere ich die satirischen Texte des Südtiroler Autors Georg Paulmichl (angeblich behindert), 2001 war ich Herausgeber des Bandes ’Texte aus der Innenwelt’, darin versammelt sind hochbegabte Autorinnen und Autoren (angeblich an ‚Schizophrenie’ erkrankt – oh diese Schubladen!), und natürlich bin ich auch mit Freuden beim Literaturwettbewerb Ohrenschmaus dabei, der uns bestimmt ebenfalls mit unerwarteten Einsichten und literarischen Äußerungen bereichern wird“, schreibt Felix Mitterer, der die Schirmherrschaft über den Literaturpreis übernommen hat.

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