Lufthansa könnte Beispiel geben

Die Lufthansa will künftig Rollstühle als festes Bordequipment mitführen. Diese Ankündigung hält Kay Macquarrie für ein echtes und hoffentlich beispielgebendes Statement.

Flugzeuge der Lufthansa
BilderBox.com

Im kobinet-Interview vom 11. März 2010 hofft der Kieler Vielflieger, dass seine Petitionen für „Barrierefreies Fliegen“ im Deutschen Bundestag und im Europäischen Parlament Wirkung zeigt. (Das Gespräch führte Franz Schmahl)

In der EU-Flugverordnung steht unter anderem: Damit behinderte Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität vergleichbare Flugreisemöglichkeiten wie andere Bürger haben, sollte ihnen entsprechend ihren besonderen Bedürfnissen auf Flughäfen und an Bord von Luftfahrzeugen unter Einsatz des erforderlichen Personals und der notwendigen Ausstattung Hilfe gewährt werden. Im Interesse der sozialen Integration sollten die Betroffenen diese Hilfe ohne zusätzliche Kosten erhalten.

kobinet: Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin rücken zunehmend spezielle Zielgruppen ins Blickfeld der Branche. Nachdem Senioren bereits als Wachstumsmarkt entdeckt wurden, nehmen auch die Angebote für behinderte Reiselustige zu. Wie entwickelt sich in dieser Hinsicht das Flugwesen?

Macquarrie: In diesem Frühjahr sind die europäischen Staaten angehalten, die Europäische Kommission über den Stand der Umsetzung der Flugverordnung der EU zu informieren. In diesem Zusammenhang wird auch die Petition „Barrierefreies Fliegen“ geprüft und der Aspekt, ob jetzt empfohlen wird, künftig die Mitnahme von Bordrollstühlen verpflichtend zu machen.

kobinet: Zu Bordrollstühlen gab es einen für Sie überraschenden Anruf von der führenden deutschen Luftfahrtgesellschaft mit dem Kranich, war in Ihrem Blog Recht auf Klo zu lesen …

Macquarrie: … tatsächlich hat die Lufthansa bei mir angerufen und angekündigt, künftig Bordrollstühle nicht nur bereitzustellen, sondern als festes Bordequipment mitzuführen. Gerade vor dem Hintergrund einer zögernden Politik (die sich noch immer fragt, ob Kurzstreckenflieger nicht zu klein sind für Bordrollstühle) ist dies ein echtes und hoffentlich beispielgebendes Statement.

kobinet: Bisher wurden von der Lufthansa eigens entwickelte Bordrollstühle nur bei Langstreckenflügen eingesetzt. Ist das jetzt eine höchst erfreuliche Entwicklung?

Macquarrie: Ja, wenn die Lufthansa diesmal ihr Versprechen einhält. Bordrollstühle werden fest an Bord der Kontinentalflotte mitgeführt. Das gilt vorerst für die eigene Flotte. Bei kleineren Flugzeugen und Fliegern von Partnerunternehmen soll der Bordrollstuhl bei Bedarf bereitgestellt werden.

kobinet: Die EU-Flugverordnung ist seit Juli 2008 in Kraft. Könnte jetzt die Lufthansa ein gutes Beispiel im europäischen Flugverkehr geben?

Macquarrie: Geradezu bahnbrechend erscheint die Aussage auch aus einem weiteren Grund. Zur Zeit prüft die Bundesregierung noch, ob sie der Europäischen Kommission empfehlen soll, alle Airlines zu verpflichten, Bordrollstühle mitzuführen. Die Wirklichkeit, so scheint es, überholt die Politik.

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0 Kommentare

  • @renate uri – Sie schreiben: mentalitäten und einstellungen sind sicher ein zusätzlich wichtiger faktor, betonung zusätzlich. die menschen in den usa haben ja in ihrer geschichte nicht die absolut dunklen jahrzehnte (wo behinderte menschen en mass umbegracht worden sind, wie hier in europa) erlebt. dieser braune geist wirkt bei uns bis heute nach und zwar in vielen bereichen der gesellschaft! in den usa herrscht also ein ganz anderes grundfeeling.
    Da sind Sie falsch informiert: Der rechtextremismus in den USA hat Blütezeit – 2 Millionen SS Sampatisanten mit Hakenkreuz sind Realität.

  • Die Ankündigung von Lufthansa als einzige Airline ist mir bekannt, doch die Lösung an Bord für Toiletten ist noch immer nicht gelöst – auf Langstreckenflügen werden 2 Toiletten örtlich zu einer zusammengelegt, damit Rollstuhlfahrer genügend Platz für die Transfers haben – ein Umstand der bei den gängigen Flugzeugmustern der Airbus 319,320,321 Serien bzw. Boeing 737 Serien baulich nicht der Fall ist. Noch schwieriger bei kleineren Flugzeugmustern (Avro Liner, BAe, Canadair, Fokker, Dash, usw…).

    Für Flüge bis zu 5 Stunden kann ich als männliches Wesen alternativ vorbeugen – hier sind Frauen eindeutig benachteiligt, sorry.

    Was mich aber als Vielflieger aus zwei Gründen maximal nervt ist der Umstand dass die Ausstattung der Flieger so unterschiedlich ist – die Armlehnen beim Mittelgang sind nicht durchgängig hochklappbar, d.h. nicht nur unangenehm für den Betroffenen, sondern auch eine unnötig zusätzliche Kraftanstrengung für die Hilfspersonen der einzelnen Rollstuhlservices.

    Dennoch bin ich überzeugt, dass gangbare Lösungen gefunden werden. Weitermachen, denn steter Tropfen hölt den Stein (des Anstosses).

  • Mangel an Geld würde ich nicht unbedingt behaupten, sondern dass durch unnötige Strukturen auch unnötig viel Zeit und Geld verschwendet wird. Geldmangel allein ist eine Ausrede, Frau Ury! Es ist die fehlende Weitsicht und Haltung der Verantwortlichen in der Politik und selbst auch der Beamten in den Institutionen. Das „Soziale“ hat eine Anrüchigkeit, die innovationsfeindlich und mit „chronischem Geldmangel“ verbunden ist. Es müsste nicht sein! Oder es wird gezielt ausgenützt, um alles in einem gewissen Rahmen zu halten, was durchaus denkbar ist.

    Man sollte vielleicht Menschen mit Behinderung nicht mehr als soziales Problem betrachten sondern als Problem aufgrund von Barrieren. Sie sind ein Sensor in der Gesellschaft, um an die Bodenhaftung zu erinnern und sie insgesamt besser zu machen.

    Wie ich am Beispiel Apple sehe – verzeihen Sie mir bitte – scheinen Sie trotzdem es nicht verstanden haben, um was es geht. Sie verharren in einer Sichtweise, die gegen sich selbst richtet. Sie gehen von einer Gesetzgebung aus, die sofort alles und flächenddeckend die Menschen zu Barrierefreiheit zwingen soll. Doch das kann nur in diese Hose gehen, weil es politisch naiv ist. Zwang ist immer kontraproduktiv, vor allem wenn es nicht verstanden wird. Wir leben leider in einer Demokratie und geht es auch darum, dass man den Menschen vermittelt, was der Sinn und Zweck von Barrierefreiheit ist. Und hier hapert es noch gewaltig, auch in der Vermittlung in Sachen CSR und Diversity. Es ist ein laufender Prozeß, der noch am Anfang befindet, noch immer!

    Es ist sehr wohl das Beispiel Apple iPhone auf Bizeps thematisiert worden. Es ist nur ein kleines Spektrum und war als Beispiel für Innovation genannt. Er gibt sicherlich noch andere Beispiele, die erwähnenswert wären, die Bizeps noch gar nicht kennt oder noch nicht erkannt hat. Wenn das Thema noch größer sein soll, dann wäre Bizeps bereits ein Technik- oder Lifestylemagazin, ist es aber nicht.

  • es ist immer ein mix aus faktoren, welcher eine positive entwicklung vorantreibt. der kern muss aber die gesetzliche ebene sein. wunderbares beispiel dafür ist die solarenergie. seit es in deutschland diesbezüglich gute gesetzliche regelungen und förderungen gibt, ist ein boom losgebrochen. die deutschen sind da bei den innovationsführern dabei!

    mentalitäten und einstellungen sind sicher ein zusätzlich wichtiger faktor, betonung zusätzlich. die menschen in den usa haben ja in ihrer geschichte nicht die absolut dunklen jahrzehnte (wo behinderte menschen en mass umbegracht worden sind, wie hier in europa) erlebt. dieser braune geist wirkt bei uns bis heute nach und zwar in vielen bereichen der gesellschaft! in den usa herrscht also ein ganz anderes grundfeeling.
    warum die genannten institutionen nicht den erfolg haben, dafür bräuchte man lange ausführungen! im kern ist es ein mangel an geld, an sanktionsmöglichkeiten gegenüber der wirtschaft und massive mängel der rechtsdurchsetzung der betroffenen selbst. inklusive einer zu schwachen „behindertenclique“, die da forderungen durchbringen kann.

    apple ist aber – verzeichen sie – kein gutes beispiel. die sind ein hort der innovation, haben exzellentes marketing – inklusive social marketing. wenn es mit der marktmacht soweit her wäre, dann bräuchte man über unzählige barrieren im einkaufsalltag nicht zu lamentieren, oder? einen großen teil der artikel auf bizeps dürfte es da gar nicht geben!

    diversity ist in der theorie und fürs marketing eine feine sache. sollten ihnen nächstens stellenanzeigen unterkommen, wo man aufgrund diversity-überlegungen behinderte menschen sucht, dann teilen sie uns das bitte mit! (bitte exklusive der seltenen diesbezüglichen angebote im sozialbereich selbst).

  • Um auf Ihr Beispiel der USA als „barrierefreies Reiseeldorado“ zurückzukommen, möchte ich Ihnen zu bedenken geben, dass die USA mit der ADA von 1990 eine Antidiskriminierungsgesetzgebung hat, die im Kern den Geist von Diversity ausmacht.

    Die USA muss man mit ganz Europa vergleichen, es gibt Orte wo man vom Reiseeldorado sprechen kann und wo nicht, dasselbe gilt auch für Europa.

    Auch wenn es in den USA eine andere Mentalität gibt, die aufgeschlossener und lösungsorienter als hier in Österreich oder Deutschland ist, dann möchte ich schon auch darauf hinweisen, dass immer noch das Gegenteil gibt, wie es Beispiele wie der Fall „target.com“ (erfolgreich geklagt worden) oder auch die Diskriminierungsfälle bei der Modekette „Abercrombie & Fitch“ beweisen. Es passieren immer noch Negativbeispiele!

    Die Gesetzgebung allein kann niemals allein die Strahlkraft haben, die beispielhafte Innovationen haben, dadurch kann der Wirkung von Gesetzen Vorschub geleistet werden oder auch neue Gesetzesinitiativen entstehen lassen.

    Innovationen entstehen im Wechselspiel zwischen Freiheit und Zwang (Gesetzgebung). Es geht darum optimale Spielräume zu gestalten. Deswegen ist es genauso naiv zu glauben, Gesetze alleine bewirken Qualität. Wenn das wirklich so wäre, dann müssten Maßnahmen von oder Institutionen selbst wie zB das Bundessozialamt, das Sozialministerium, FSW etc. wesentlich wirkungsvoller und nachhaltiger sein. Fakt ist: Sie tun es (noch?) nicht. Durch Gesetze allein entstehen nicht automatisch Rechtsansprüche und somit Rechtssicherheit!

    Man braucht innovationsfördernde Anreize und Argumentationen, sonst bleibt es immer ein Nischenthema, das nur am Rande wahrgenommen wird und das ist der eigentliche Kern der ganzen Thematik hier.

  • @renate ury: Bevor ich auf Ihre Argumentation eingehe, möchte ich darauf hinweisen, dass Sie etwas hineininterpretieren, was ich so nicht gemeint habe. Sie haben wohl das Gefühl, mich interessieren Gesetze nicht, nur weil es nicht oder nur am Rande erwähnt wird und somit unterstellen Sie mir Naivität. Ich überlasse Sie einmal in diesem Glauben und dadurch beeinflussten Wahrnehmung.

    Fakt ist: Für diese von Ihnen erwähnte „Mehrheit“ von Menschen mit Behinderung, die über „keine Marktmacht“ verfügen, wird ja in Österreich schon zu genüge Stimmung gemacht, wenn auch nicht wirklich qualitativ treffend als auch ideologisch falsch, wie es viele Hilforganistionen oder auch „Licht ins Dunkel“ tagein und -aus beweisen. Noch mehr brauchen wir nicht!

    Mein Fokus ist und bleibt: Innovationen zu fördern (Gesetze schaffen nur einen Mindeststandard, nicht mehr und nicht weniger – auch wenn die Überprüfung oft nicht ausreichend gewährleistet ist und daher Gesetze zahnlos macht).

    Wenn Sie behaupten, der Großteil der Menschen mit Behinderung hat keine Marktmacht, dann gehen Sie offenbar davon aus, dass blinde Menschen eine so große Marktmacht haben, dass sie zB Apple dazu bewegt haben, einen Screenreader im iPhone zum Standardsrepertoire zu machen? Mitnichten! Jeder der den iPhone kauft, „zahlt“ auch für den Screenreader, egal ob dieser es braucht oder nicht (natürlich könnte das Gesetz eine Rolle spielen, nicht aber für die Innovation und daher keine unmittelbare, weil ganz weit über den Mindeststandard hinausgehend). So ähnlich sehe ich das auch bei der Lufthansa mit ihrer strategischen Entscheidung, die einiges schon vorwegnimmt.

    Womit ich Ihnen beim Thema „Naivität“ entgegentrete, ist, dass Innovationen sofort zum Massenthema werden können. Innovationen waren immer zuerst ein Minderheitenprogramm bevor sie über kurz oder lang zum Mainstream wurden. Deswegen verwehre ich gegen die Vereinnahmung allein durch das Allheilmittel der Gesetzgebung allein.

  • @renate ury: Bevor ich auf Ihre Argumentation eingehe, möchte ich darauf hinweisen, dass Sie etwas hineininterpretieren, was ich so nicht gemeint habe. Sie haben wohl das Gefühl, mich interessieren Gesetze nicht, nur weil es nicht oder nur am Rande erwähnt wird und somit unterstellen Sie mir Naivität. Ich überlasse Sie einmal in diesem Glauben und dadurch beeinflussten Wahrnehmung.

    Fakt ist: Für diese von Ihnen erwähnte „Mehrheit“ von Menschen mit Behinderung, die über „keine Marktmacht“ verfügen, wird ja in Österreich schon zu genüge Stimmung gemacht, wenn auch nicht wirklich qualitativ treffend als auch ideologisch falsch, wie es viele Hilforganistionen oder auch „Licht ins Dunkel“ tagein und -aus beweisen. Noch mehr brauchen wir nicht!

    Mein Fokus ist und bleibt: Innovationen zu fördern (Gesetze schaffen nur einen Mindeststandard, nicht mehr und nicht weniger – auch wenn die Überprüfung oft nicht ausreichend gewährleistet ist und daher Gesetze zahnlos macht).

    Wenn Sie behaupten, der Großteil der Menschen mit Behinderung hat keine Marktmacht, dann gehen Sie offenbar davon aus, dass blinde Menschen eine so große Marktmacht haben, dass sie zB Apple dazu bewegt haben, einen Screenreader im iPhone zum Standardsrepertoire zu machen? Mitnichten! Jeder der den iPhone kauft, „zahlt“ auch für den Screenreader, egal ob dieser es braucht oder nicht (natürlich könnte das Gesetz eine Rolle spielen, nicht aber für die Innovation und daher keine unmittelbare, weil ganz weit über den Mindeststandard hinausgehend). So ähnlich sehe ich das auch bei der Lufthansa mit ihrer strategischen Entscheidung, die einiges schon vorwegnimmt.

    Womit ich Ihnen beim Thema „Naivität“ entgegentrete, ist, dass Innovationen sofort zum Massenthema werden können. Innovationen waren immer zuerst ein Minderheitenprogramm bevor sie über kurz oder lang zum Mainstream wurden. Deswegen verwehre ich gegen die Vereinnahmung allein durch das Allheilmittel der Gesetzgebung allein.

  • @anonym. natürlich gibt es – gott sei dank – finanziell gut abgesicherte und gut verdienende behinderte menschen. für diese kunden gibt es genau so einen markt, wie für alle anderen kunden, die geld haben. insofern, ist der artikel über die lufthansa ein gutes und optimistisch stimmendes beispiel!

    fakt ist aber – und das nicht zu sehen wäre nicht pessimistisch, sondern naiv – dass behinderte menschen (aber auch andere gruppen in der gesellschaft) in etlichen belangen keine marktmacht haben, weil sie auf vorgegebene leistungen angewiesen sind. oder weil sie mangels geld beispielsweise nicht am reisemarkt teilhaben können. (und das ist nach wie vor –leider- ein großer anteil)

    barrierefreiheit ist für alle menschen ein zusatznutzen, für manche in bestimmten situationen ein service und für sehr viele schlicht und ergreifend eine notwendiges menschenrecht!

    und damit auch sie den unterschied zwischen service und gesetzlicher notwendigkeit nachvollziehen können: das service bordrollstuhl ist ein investement in die kundenbindung, das die lufthansa getätigt hat, weil sie behinderte menschen als zielgruppe wahrgenommen hat. nur das könnte morgen auch wieder anders sein oder der rollstuhl könnte kaputt sein, oder eingespart werden etc….

    um nicht weitere ewigkeiten warten zu müssen, bis auch andere fluglinien das anbieten, um einheitliche maße zu haben, eine fixe verfügbarkeit gewährleisten zu können…., dazu muss das service eben zur gesetzlichen notwendigkeit werden! falls sie schon einmal in den usa waren und gesehen haben, was dort alles aufgrund von gesetzen adaptiert wurde, werden sie den unterschied verstehen. und die amerikaner wissen was ein markt ist! nur ohne die triebfeder des gesetzes wäre die usa nie im leben dieses eldorado für mobilitätseingeschränkte menschen!

    behinderte menschen wollen noch in diesem leben barrierefrei reisen können! ob himmel und hölle barrierefrei sein werden – nun das entzieht sich meiner kenntnis! aber vielleicht sind

  • @renate ury: realismus ist auch nur eine frage der inneren haltung! dass menschen mit behinderung aussen vor bleiben, hat auch damit zu tun, dass man mehr von den problemen spricht als von innovationen. diese realismuskeule kann viele erschlagen (vor allem diejenigen, die nie im leben mit menschen mit behinderung zu tun hatten und es nur vom hörensagen kennen) und das ist erst recht das totschlagargument für innovationen und das betonargument für den status quo. realismus kann man auch als pessismismus verstanden werden!

    es ist umgekehrt zu verstehen, nicht die kundenbeziehungen sind der schlüssel zu barrierefreiheit, sondern die barrierefreiheit zu kundenbeziehungen. kunden sind keine einzelnen menschen, sondern netzwerkknotenpunkte zu potentiellen weiteren kunden! und das ist das, was in der wirtschaft noch lange nicht verstanden wird. man sollte die kunden als beziehungsnetzwerke verstehen, die divers (also inhomogen) sein kann.

    auch sollte man aufpassen, dass man nicht alle menschen mit behinderung in einen topf wirft und als arm darstellt. wie in der normalen gesellschaft gibt es auch unter menschen mit behinderung arme und begüterte.
    doch diese diskussion hat mit barrierefreiheit nichts zu tun. der markt ist eine definitionssache, das zu erurieren ist selbst aufgrund oft fehlender barrierefreiheit äußerst schwierig.

    wenn sie sagen, es sei kein markt, sei es nur ihre sichtweise. man kann es auch anders verstehen. jedes flugzeug kann einen bordrollstuhl fix integrieren! genauso macht es apple mit dem fix eingebauten screenreader beim iphone (damit blinde den iphone benutzen können). sie haben daraus eine strategie gemacht und es ist auch eine coole geschichte, die man erzählen kann, dass blinde den iphone nutzen können. auf dieser ebene ist es zu verstehen. das ist ein anderer marktverständnis, als der, den sie haben. nur als beispiel!

    vielleicht sollte man menschen mit behinderung nicht mehr automatisch als soziales sondern barrierenproblem begr

  • kann den argumenten weitgehend beipflichten und finde das beispiel ebenfalls sehr ermutigend. ich warne aber davor, daraus zu schliessen, dass kundenbeziehungen in allen fällen der schlüssel zu barrierefreiheit sind!!!

    nur ein teil der behinderten menschen darf/muss/kann sich überhaupt mit fragen, wie flugreisen auseinander setzen – mangels marie! deshalb sind für die unternehmen – egal wo, ob in der infrastruktur, der dienstleistung oder im tourismus – auch nur ein teil der behinderten menschen als kunden von interesse!

    und für den nicht finanzkräftigen teil kann es daher keine marktlösungen geben, weil die eben kein markt sind. da muss in sachen barrierefreiheit der gesetzgeber stärker aktiv sein.

    vor allem das wort diversität ist in dem zusammenhang noch nicht wirklich angekommen. meist wird darunter die einbeziehung von frauen und migranten in unternehmen verstanden.

    behinderte menschen bleiben da in aller regel aussen vor. wobei auch die frauen und migranten erst interessant sind, seitdem es einen mangel an qualifizierten kräften in etlichen bereichen gibt.

    weniger elegant könnte man die erkenntnis zur diversität, schlicht als notnagelphänomen beschreiben. wenn not am manne ist, dann dürfen sogar die frauen und migranten.

    doch so gross ist not wieder net, dass da auch behinderte menschen gemeint wären! bei aller freude über die lufthansa, wär ein bisserl realismus angebracht! (empfehle mal den blick in sozialstatistiken bezüglich behinderter menschen – verfügbares einkommen!)

  • Dieses Beispiel sollte generell Schule machen, in allen Bereichen der Barrierefreiheit. Dann wird man verstehen, dass Barrierefreiheit ein Service ist, der zusätzliche langfristige Kundenbeziehungen (Kundenbindung wie es derzeit noch generell passiert, tut es nicht) ermöglicht. Alles was neu ist, verlangt zuerst Investitionen, die sich mit der Zeit rechnen werden. Davon profitieren vor allem die Vorreiter!
    Wenn Unternehmen und Instutionen die Vielfalt (Diversität) der Kunden begreifen, dann werden sie die Vorteile erkennen und es wird sich auch auszahlen. In der Zukunft gewinnen diejenigen, der das beste Service und die beste Unternehmenskultur hat. Irgendwann wird das Bestandteil einer gesamtheitlichen Markenkultur sein, die von gelebten Werten lebt (davon profitieren alle, die Unternehmen, die Mitarbeiter als auch die Kunden.