Luxus barrierefreies Bauen?

Das macht selbstständiges Wohnen für Menschen mit Behinderung praktisch unmöglich, weil unleistbar, womit wiederum barrierefreies Bauen ohnehin nicht mehr notwendig ist.

Eine Ziegelwand wird gerade betoniert
BilderBox.com

In den letzten Jahren haben sich viele kluge Menschen den Kopf darüber zerbrochen, wer bzw. was für den rasanten Anstieg der Wohnungsmieten in Österreich verantwortlich ist.

Hier einige Auswahlmöglichkeiten:

  • Eine generell verfehlte Wohnbaupolitik?
  • Verspekulierte Wohnbauförderungsgelder?
  • Nach wie vor nicht regulierte Finanzspekulationen am Immobilienmarkt?
  • Zu geringe Investitionen in den gemeinnützigen Wohnbau?
  • Das Unvermögen der Politik, auch private Investoren zu verpflichten, Wohnungen zu leistbaren Preisen bereit zu stellen?

Wie sich nun zeigt, sind alle diese Überlegungen verfehlt. Mehrere Landespolitiker aus unterschiedlichen Bundesländern (als Pionier Oberösterreich, zuletzt Vorarlberg und Niederösterreich) haben der Diskussion eine gänzlich neue und tatsächlich unterwartete Richtung gegeben.

Wirklich schuld an den hohen Mieten sind Menschen mit Behinderungen mit ihren absolut überzogenen Erwartungen hinsichtlich Barrierefreiheit.

Um dieser unleistbaren Entwicklung entgegenzutreten, wurde in mehreren Bundesländern der Barrierefreiheit der Kampf angesagt und diverse Bauordnungen und Verordnungen werden entsprechend rückgebaut. Das alles natürlich nur im Interesse von nichtbehinderten Menschen, die auf der Suche nach leistbarem Wohnraum sind.

Der Oberösterreichische Landeshauptmann Pühringer hat für den unwahrscheinlichen Fall, dass es noch Menschen mit Behinderung geben sollte, die noch nicht in luxuriösen barrierefreien Wohnungen sitzen, auch gleich eine Alternative parat. Nämlich die Unterbringung in unausgelasteten Pflegeheimen.

Und auch Niederösterreich hat das Zu-Grabe-Tragen der Barrierefreiheit konsequent weitergedacht und – im Zuge der Novellierung der Mindestsicherung – die Wohnbeihilfe für Menschen mit Behinderung, die eine Mindestsicherung beziehen, gestrichen. Das macht selbstständiges Wohnen für diese Personengruppe praktisch unmöglich, weil unleistbar, womit wiederum barrierefreies Bauen ohnehin nicht mehr notwendig ist.

Das nennt man wohl konsequente Behindertenpolitik im Zeichen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

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9 Kommentare

  • Danke, Robert Mittermair, für deinen absolut gut verständlichen Artikel – in zweierlei Hinsicht!
    Die Kurzsichtigkeit unserer PolitikerInnen schreit unterdessen zum Himmel. Und OÖ ist leider wirklich schon das Schlusslicht auf der Negativskala.
    PolitikerIn zu sein heißt offenbar KEINE Verantwortung zu tragen.

  • sehr geehrter Herr Mittermair,
    wenn ich den Bericht richtig verstehe, dann haben wir heute nicht den 1. April und es soll der Eindruck vermittelt werden, dass das barrierefreie Bauen primär für die enormen Preissteigerungen verantwortlich sei.
    Habe selbst vor 10 Jahren eine rollstuhlgerechte Wohnung gebaut und die reine Mehrkosten inkl. eines Aufzuges sowie einer Rampe lagen bei lediglich 3,5%. 58% der Mehrkosten waren die Rampe u. der Aufzug. Es handelt sich um 16 Wohnungen.
    Auch wenn ich von Preisen in Emmendingen (Deutschland) spreche, so kann ich mir nicht vorstellen, dass die Handwerker in Österreich einen höheren Stundenlohn haben als bei uns. Die Preissteigerungen bei uns hier im Vergleich zu vor 10 Jahren sind unglaubliche 50% bei Wohnungen im mittleren Komfort Bereich. Fakten: Ab einer Wohnungsgröße von 60m² kann man die stenge DIN Norm 18040-2 R einhalten. Bedeutet 150×150 Bewegungsfläche z.B. vor dem WC. Meiner Ansicht nach genügen auch 120×120 für sicher mehr als 50% aller Rollstuhlfahrer. 2 Monate im Altersheim, kosten ca. 8000.-€, das ist der gleiche Betrag wie die Mehrkosten für das barrierefreie Bauen. Wer heutzutage nicht barrierefrei, wenigstens 120x120cm Bewegungsfläche, Aufzug, ebene Dusche, die schwellenfrei Zugänglichkeit von Abstellraum, Keller, Fahrradraum, ist m.A.n. Pflicht. Wer gerne früher als absolut Notwendig ins Altersheim möchte, dann bitte schön, wem es gefällt?
    Mit freundlichen Grüßen
    Reiner Schneck

  • Der Inhalt Ihres Berichtes ist schockierend!
    Behinderung kann jeden treffen (Unfall, Krankheit, Gewaltverbrechen…), auch die Landeshauptleute der erwähnten Bundesländer.
    Kurzsichtiger gehts nicht mehr!

  • Es ist schade, dass der gut gelungene Artikel teilweise falsch interpretiert wurde. Wer es noch nicht richtig verstanden hat – der Artikel war eindeutig sarkastisch gemeint und die erwähnten Politiker werden mit Recht durch den Kakao gezogen. Aber ein besonders „prachtvolles“ Exemplar (auch ironisch gemeint) fehlt mir hier noch – der Manfred Haimbucher von der oberösterreichischen FPÖ – der hat nämlich schon vor längerer Zeit damit angefangen, dass barrierefreies Bauen zu teuer kommt – schlagt mal in älteren Beiträgen nach!

  • robert mittermair beschreibt die realität. als empathischer experte, der zusehen muß, wie errungenschaften der behindertenbewegung systematisch und vorsätzlich zerstört werden, bleibt nur der sarkasmus. ich weiß auch keinen anderen ausweg. ein toller und wichtiger text! traurig stimmt, daß manche unserer kollegen und kolleginnen wenig bis kein textverständnis aufbringen. etwas weniger kronenzeitung lesen und pc-spiele schauen wäre da hilfreich. wie sollen wir kritik üben und uns wehren, wenn wir über nötigen sprachlichen werkzeuge nicht verfügen?

  • Barrierefreies Wohnen darf kein Luxus sein! Weder für Menschen mit Behinderungen noch für ältere Menschen.
    Für mich ist die zynische Schreibart gut erkennbar und in Anbetracht der Lage nachvollziehbar.

  • Herr Huter, ich stimme Ihnen zu, dass die Ironie und der Zynismus in diesem Beitrag, die beabsichtigt zu sein scheinen, nur schwer erkennbar sind!

  • Das ist eine Frechheit so etwas zu sagen was erlauben sie sich so über Menschen
    mit Behinderungen jeglicher Art zu sprechen seien sie froh das sie gesund sind.

    • Wenn Du mich fragst (und ich wende das ganz leise ein), trieft dieser Artikel nur so vor Sarkasmus. Da wird nicht über uns Menschen mit Behinderung hergezogen, sondern über die namentlich erwähnten Politiker und darüber, dass manche überhaupt die Frechheit besitzen, dies in die Diskussion einzubringen.

      Also, nur als kleiner Denkanstoß…