Märchenhafter Kundenservice der ÖBB

Stellen Sie sich vor, es wird mit einem neuen Service geworben, den es (noch) gar nicht gibt. Ein Kommentar.

ÖBB Bahnhof
BIZEPS

In den letzten Jahren wurden die Angebote der ÖBB für behinderte Menschen laufend überprüft und verbessert. Gleichstellungsgesetz oder Imagepflege, der Grund ist unerheblich – die angesprochene Zielgruppe freut sich und BIZEPS-INFO berichtet.

So geschehen vor einiger Zeit in unserer beliebten Rubrik „Bild der Woche“: – Man hat ja schließlich jahrelang gute Erfahrungen gesammelt.

Was folgte, war eine Reihe seltsamer Rückmeldungen, denen wir natürlich nachgehen wollten. Ganz unseren Grundsätzen entsprechend, begleitete BIZEPS-INFO eine Expertin in eigener Sache am 25. Mai 2011 zum „Mystery Shopping“ am Westbahnhof in Wien.

Wir bedanken uns bei unserer aufmerksamen und engagierten Leserin für ihre Unterstützung und setzen weiter auf die aktive Mithilfe unserer Leserinnen und Leser.

Erschreckendes Ergebnis

Das Ergebnis war ziemlich erschreckend. Die schwerhörige Testerin stellte sich beim Kassenschalter an und ging – als sie an der Reihe war – zu dem im Bild gekennzeichneten Schalter. Sie teilte auf Anfrage mit, dass sie ein Hörgerät trägt und daher die induktive Höranlage benötigt. Diese sei defekt, erfuhr sie vom freundlichen Personal.

In einem Gespräch mit dem verantwortlichen Teamleiter vor Ort wurde BIZEPS-INFO darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Anlage noch gar nicht existent und dieser Umstand intern schon mehrfach aufgezeigt worden sei.

Dies ist insoweit verwunderlich, da Kundinnen und Kunden seit Monaten mittels neuer Piktogramme über den Service informiert werden. Wie ebenfalls von zweiter Seite bestätigt wurde, besteht dasselbe Problem in St. Pölten.

Der Info-Point am Westbahnhof hat derzeit auch keine induktive Höranlage. Vor dem Umbau war dort eine solche, die unserer Recherche nach im Rahmen der Arbeiten leider beschädigt bzw. zerstört worden ist.

Bandbreite der Aussagen

Was nicht weniger irritiert, ist die Bandbreite der Aussagen des Personals über die unbestimmte Dauer des gegenwärtigen Zustandes. Von „im Herbst“ (Info-Point) bis „keine Ahnung“ (Kassenschalter) reichten die Auskünfte der Bahnbediensteten.

Stellungnahme der ÖBB

Im Zuge unserer Berichterstattung gaben wir natürlich auch den ÖBB die Möglichkeit einer schriftlichen Stellungnahme. Wir erhielten folgende Antworten per Mail von Mag. Thomas Berger, Leiter Presse- & Öffentlichkeitsarbeit der ÖBB-Personenverkehr AG, die wir hier auszugsweise wiedergeben.

BIZEPS-INFO: Wie kam es zu der oben beschriebenen Situation?

ÖBB: Die im Provisorium eingebaute Anlage wurde bei der Übersiedlung bedauerlicherweise beschädigt und konnte nicht wiederverwendet werden. Innerhalb der ÖBB wurde unser IT-Dienstleister mit der Herstellung einer neuen Induktionsanlage beauftragt – die Umsetzung lässt leider noch auf sich warten. Aktuell gibt es eine Preisanfrage bei drei Herstellern (das müssen wir tun) mit dem Ziel, möglichst rasch eine Rahmenvereinbarung zu erzielen.

BIZEPS-INFO: Wann werden die induktiven Höranlagen (Kassenschalter) in Wien Westbahnhof und St. Pölten in Betrieb sein?

ÖBB: In der Kalenderwoche 26 sollten die neuen Anlagen montiert werden.

BIZEPS-INFO: Es gibt auch schon Rückmeldungen wegen anderer Bahnhöfe. Wo funktioniert/existiert der beworbene Service einer induktiven Höranlage weiters nicht?

ÖBB: Unseres Wissens nicht.

Werbung, die hält, was sie verspricht

Es bleibt zu hoffen: Wenn einer eine Reise tut, kann er bald (wieder) Positives erzählen, z. B. über Werbung, die auch hält, was sie verspricht.

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0 Kommentare

  • Auch am Linzer Bahnhof ist die Unkenntnis des Personals über die Funktion der Induktionsanlagen erschreckend, der Schalter war letztes Mal nicht besetzt! Der Verein vonOHRzuOHR (2 Betroffene) werden am 7.6. bei einer Diskussionsrunde am Salzburger HBh teilnehmen

  • Also gut ist dass man sich seitens der ÖBB endlich um das Problem kümmert und das anerkennt. Was ich aber immens schlimm finde, ist dass es immer wieder Menschen gibt, die anscheinend sowas auch mutwillig zerstören, das kann man nicht gutheissen.
    Dann hoffen wir alle halt auf KW 26 und dass das dann auch wirklich in Betrieb genommen werden kann!

  • Mit großem Bedauern mussten wir feststellen, dass auch bei ÖBB Praterstern und Wiener Verkehrsbetriebe Praterstern keine Induktionsanlagen funktionieren und auch Mitarbeiter keine Ahnung haben wie selbige einzuschalten sind (haben absolut keine Ahnung von dieser Materie!!!)

  • es ist immer das selbe menschen mit behinderung werden als gottes oder darwins zweite garnitur von der gewinnmaximierungsgesellschaft angesehen vermutlich nach dem motto – sie bringen nicht viel aber kosten was

  • BRAVO an die schwerhörige Leserin!! Sie sprechen mir aus dem Herzen, denn auch ich bin davon betroffen. Ich ärgere mich auch immer wieder über die „nichtfunktionierende“ Höranlage. Auch ich musste diese Erfahrung am Westbahnhof machen. Eine gute Idee, dies auch BIZEPS zu melden!

  • Und was lernen wir daraus? Man wird beschissen und verarscht – nicht nur bei der ÖBB – Und gibt es Strafen für die Verantwortlichen – sei es von der Pressestelle der ÖBB, die diese Unwahrheit verbreitet haben? – Oder vielleicht Strafen der Verantwortlichen, die angeblich die Induktionsanlage zerstört haben? – Wobei ich nicht sicher bin ob das tatsächlich stimmt! – Wer soll das recherchieren und was bringt das? Der Rechnungshof? Die Schlussfolgerung:: Behinderte Menschen sind Menschen, die man verarschen kann, sie können sich nicht weheren und sie sollen froh sein, dass sie von der Gesellschaft geduldet werden..