Magnetresonanz

Im Befund steht: "Verdacht auf Multiple Sklerose. Der Patientin wurde nichts gesagt, wohl aber weiß die Mutter darum".

Kopf - fotografiert bei Magnetresonanztomographie
Obermeir, Gabriela

Er war ganz bestimmt ein guter Neurologe, der Herr Dr. Schmoigl bei den Barmherzigen Schwestern in Linz. Sonst hätte er 1980 dieses autoimmune, anarchistische System in meinem Körper nicht erkannt. Schließlich gab es noch keine Magnetresonanztomographie.

Dem Himmel sei auch Dank dafür, denn mit 20 Jahren hätte man diese Geisterbahnfahrt vielleicht nicht verkraftet, fällt es doch noch heute schwer, es zu ertragen. Eingezwickt in eine enge Röhre, Kopf fixiert, Ohropax hineingesteckt, Notglocke in die Hand gedrückt und ab die Post. Aber nicht bevor die Krankenschwester den gut Rat gibt:

„Und jetzt entspannen Sie sich, bitte!“

Man fängt im Geist zu zählen an, während die durch Mark, Kopf und Bein dringenden Presslufthammergeräusche das Ihrige tun. Nach 45 Minuten hört man die Schwester nur mehr gedämpft und hat die gezählte 10000er Marke erreicht.

Unentspannt nehmen die Augen wieder ihren Panoramablick auf. Ja, zum Glück gab es das damals noch nicht. Dafür aber die Lumbalpunktion mit der tagelangen Nachwirkung von höllischen Kopfschmerzen.

Lange Zeit glaubte man den Ärzten nicht und stellte den Verdacht in Frage. Man wusste ja nicht mal genau, was dieses Fremdwort Multiple Sklerose bedeutet. Und in den 80er Jahren stand Wikipedia noch lange nicht in den Startlöchern.

Heute, rund 30 Jahre später, weiß man es und vor allem spürt man es. Und nachdem mittlerweile alle ein bis zwei Jahre die Magnetresonanztomographie sein muss, weiß man auch, warum man mit dem eigenen Rollstuhl nicht in den Geisterbahn-Raum fahren darf. Das Magnetfeld ist so stark, dass der Rollstuhl sich klein zusammenfalten und von der Röhre geschluckt werden würde, erklärte eine Krankenschwester vor der letzten Geisterfahrt.

Wiederholt bedankt man sich beim Himmel, dass die Titan-Hüft-Prothese nicht magnetisch ist. Sonst wäre Gabi Obermeir schon längst ein kleiner Knäuel, verschluckt von einer Röhre.

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