Mehr Aufmerksamkeit für Situation von Frauen mit Behinderungen

Weltfrauentag 2021 - Monitoringausschuss und Ninlil erinnern an menschenrechtliche Verpflichtungen

MonitoringAusschuss.at Unabhängiger Monitoringausschuss zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
Monitoringausschuss

Artikel 6 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) verpflichtet Österreich Maßnahmen zu ergreifen, damit Frauen und Mädchen mit Behinderungen keinen Diskriminierungen ausgesetzt sind und sie an allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilhaben können. Auch 2021 gibt es noch große Baustellen und dringenden Handlungsbedarf.

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie gravierend

Frauen mit Behinderungen haben sehr unterschiedliche Lebensrealitäten. Doch die vielschichtigen Belastungen der COVID-19-Pandemie wirken sich auf alle Frauen mit Behinderungen massiv aus.

Trotzdem werden sie in Krisenzeiten schnell vergessen. Mehrfachbelastungen durch unbezahlte Care-Tätigkeiten und Lohnarbeit bei zeitweisem Wegfall von Unterstützung (durch Kindergärten, Schulbesuchen der Kinder oder Assistenzleistungen) haben aufgrund veralteter Rollenbilder und fehlender Maßnahmen schwerwiegende Folgen.

„Frauen mit Behinderungen sind in unserer Gesellschaft viel zu wenig sichtbar. Aktuell sind sie enormen Belastungssituationen ausgesetzt. Bereits vorhandene Probleme spitzen sich zu und neue, pandemiebedingte Herausforderungen kommen dazu“, zeigt sich Christine Steger, Monitoringausschuss-Vorsitzende, alarmiert.

Es ist Österreichs menschenrechtliche Verantwortung dafür zu sorgen, dass Frauen mit Behinderungen an jedem Tag im Jahr sichtbar sind und ihr Leben selbstbestimmt und gleichberechtigt führen können. Das verlangt auch die UN-Konvention.

Gewalterfahrungen

Viele Frauen mit Behinderungen sind im Laufe ihres Lebens von körperlicher, psychischer oder sexualisierter Gewalt betroffen. Dies hat eine 2019 publizierte Studie des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie sehr deutlich gezeigt.

Gerade Frauen, die in betreuten Einrichtungen leben, haben ein hohes Risiko, Gewalt zu erleben. Gezielte Angebote, die sich in der Gewaltprävention sowie in der Unterstützung für gewaltbetroffene Frauen mit Behinderungen engagieren, sind österreichweit immer noch viel zu selten zu finden.

„Strukturelle Gewalt ist wie ein Nährboden für alle anderen Formen von Gewalt. Nur dann, wenn alle Beteiligten ein Bewusstsein für diese Themen entwickeln, kann Gewaltprävention nachhaltig gelingen“, meint dazu Elisabeth Udl, Leiterin des Gewaltschutzbereichs bei „Ninlil – Empowerment und Beratung für Frauen mit Behinderung“.

Isabell Naronnig ist Leiterin der Peer-Beratungsstelle Zeitlupe im Verein Ninlil. Sie ergänzt: „Gewaltschutz für Frauen mit Behinderungen kann vor allem durch bedarfsgerechte Unterstützung im Alltag gelingen. Ein selbstbestimmter Alltag ist die wichtigste Voraussetzung, um sich aus Gewalt-Verhältnissen befreien zu können. Deshalb fordern wir: Bedarfsgerechte Persönliche Assistenz für alle Menschen mit Behinderungen!“

Beratungsstellen für Frauen mit Behinderungen

Frauenberatungsstellen sind in Österreich ein fixer Bestandteil des Angebots, das zur Verfügung steht, wenn Frauen in ihrem herausfordernden Alltag gezielte psychosoziale Unterstützung brauchen. In den letzten Jahren ist es gelungen, dass Frauenberatungsstellen in ganz Österreich baulich barrierefrei zugänglich gemacht wurden.

Nach wie vor gibt es aber nur selten die Möglichkeit von Peer-Beratung – also Beratung durch Frauen mit Behinderungen, die auf eigene Erfahrungen mit den Beratungsthemen zurückgreifen können.

„Frauen mit Behinderungen erleben oft, dass sie in Angeboten für nichtbehinderte Frauen nicht mitgedacht werden. Peer-Beratungs-Angebote hingegen machen sofort deutlich: ‚Hier sind Sie richtig! Hier gibt es Expertinnen, die Verständnis für Ihren Alltag mitbringen.‘ Auf dieser speziellen Vertrauensebene kann es besonders gut gelingen, gemeinsam Wege zu entwickeln, wie die Lebensqualität der Frauen nachhaltig verbessert werden kann“, beschreibt Isabell Naronnig die besondere Wirksamkeit dieses Angebots. „Unsere Beratungsangebote orientieren sich am Grundsatz der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung: Nichts über uns ohne uns!“

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