Mehr Barrierefreiheit auf Wiens Straßen und Plätzen

Erklärtes Ziel der Wr. Stadt- und Verkehrsplanung ist es, allen Menschen eine selbstbestimmte Teilnahme am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Barrierefreies Planen und Bauen ist deshalb ein besonderes Anliegen der Wiener Stadt- und Verkehrsplanung.

abgeschrägter Gehsteig
BIZEPS

„Dabei sind oft gar nicht große, teure Lösungen gefragt, sondern tragen gerade auch die kleinen Dinge dazu bei, die Alltagstauglichkeit und Sicherheit des öffentlichen Raums zu erhöhen: Blindenleitsysteme, eine Absenkung der Gehsteige, eine bessere Beleuchtung, zusätzliche Querungsmöglichkeiten und vieles andere mehr können erheblich zu einer höheren Lebensqualität beitragen“, betont Verkehrsstadtrat DI Rudi Schicker.

„2009 wurden wieder eine Reihe von Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit auf Wiens Straßen und Plätzen gesetzt. Bei Planung und Umsetzung der Maßnahmen arbeiten wir eng mit den Behindertenorganisationen zusammen. So zum Beispiel mit dem Verkehrsgremium der Sehbehinderten- und Blindenorganisationen der Ostregion“.

Barrierefreie Gehsteige – Gehsteigabsenkungen

Hohe Gehsteigkanten stellen Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer oder Personen mit Kinderwagen vor große Schwierigkeiten. Deshalb werden bei Neu- und Umbauten von Straßen die Gehsteige an Kreuzungen und anderen Fußgängerübergängen auf etwa drei Zentimeter über Fahrbahnniveau abgesenkt. Dieser Höhenunterschied ist wichtig, denn so ist für sehbehinderte und blinde Menschen mit dem Taststock und den Füßen die Grenze zur Fahrbahn wahrnehmbar.

An Kreuzungen und sonstigen Fußgängerübergängen, die mit einem Blindenleitsystem ausgestattet sind, ist eine Absenkung des Gehsteiges bis auf knapp einen Zentimeter über Fahrbahnniveau möglich. Hierbei ist jedoch auch auf bau- und entwässerungstechnische Rahmenbedingungen Bedacht zu nehmen.

Bereits seit Ende der 80iger Jahre arbeitet die Stadt Wien mit Hilfe eines besonderen Finanzierungsprogramms konsequent an der flächendeckenden Umsetzung von Gehsteigabsenkungen. Im Jahr 2009 wurden zirka 400 Gehsteigabsenkungen neu errichtet. In Wien konnten so bereits mehr als 90 Prozent aller Gehsteige abgesenkt werden, in den dicht bebauten Bezirken innerhalb des Gürtels sowie im 2.und 20. Bezirk sind es wesentlich mehr. In einigen Bezirken (2, 7, 8, 17 und 20) sind die Gehsteige bereits an nahezu allen Übergängen abgesenkt.

Barrierefreie Gehsteige erfordern ausreichend Platz

Personen mit Kinderwagen, RollstuhlfahrerInnen, Menschen mit Gehhilfen, sehbehinderte Personen und alle anderen, die auf den Gehsteigen der Stadt unterwegs sind, brauchen ausreichend Platz. Denn zu schmale Gehsteige bedeuten ständiges Ausweichen oder erzwungene Umwege.

Daher hat sich die Stadt Wien zum Ziel gesetzt, Gehsteige im Zuge von Straßenneu- und Umbauten nach Möglichkeit mindestens zwei Meter breit zu bauen. So kommen Menschen, die sich am Gehsteig begegnen, bequem aneinander vorbei.

Im Rahmen der Umgestaltung des Zentralraumes Hernals wurde 2009 mit der barrierefreien Neugestaltung in der Kalvarienberggasse Süd und dem St.-Bartholomäusplatz begonnen. Bis Mai 2010 werden in der Kalvarienberggasse Süd die Gehsteige verbreitert und die Fahrbahn auf ca.3 cm unter Gehsteigniveau angehoben.

Barrierefreie Gehsteige – Blindenleitsysteme

Blinde und sehbehinderte Menschen benötigen Orientierungshilfen, die den Gehörsinn oder den Tastsinn ansprechen. Mit akustischen Signalen ausgestattete Ampeln zeigen die Rot- und Grünphasen durch bestimmte Lautsignale an. Taktile Leithilfen am Boden können mit dem Langstock oder mit den Füßen wahrgenommen werden. Sie helfen sehbehinderten oder blinden Menschen, sich auf Straßen und Plätzen zurecht zu finden.

2009 wurden 4 größere Projekte mit Blindenleitsystem realisiert:

  • 10., Reumannplatz (Endstation U1)
  • 1., Fußgängerzone Graben, Kärntner Straße, Stock-im-Eisen-Platz
  • 20., Maria-Restituta-Platz (Millenium City und S-Bahn-Station Handelskai) – gemeinsames Projekt von Stadt Wien, Wiener Linien und ÖBB
  • 21., Franz-Jonas-Platz (Schnellbahn-Station Floridsdorf) gemeinsames Projekt von Stadt Wien, Wiener Linien und ÖBB

Darüber hinaus wurden eine Reihe weiterer Projekte umgesetzt. So wurde bzw. wird zum Beispiel bei 2009 adaptierten Ampeln mit Blindenakustik auch ein entsprechendes taktiles Leitsystem an Boden errichtet. So im 1. Bezirk am Schwedenplatz bei der Schwedenbrücke oder im 8. Bezirk an der Kreuzung Laudongasse / Langegasse.

Derzeit gibt es in Wien bereits 583 Ampelanlagen mit Blindenakustik. 2009 wurden in Summe 85 Ampelanlagen mit akustischen Signalen ausgestattet.

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0 Kommentare

  • Was von den vorwahlbedingten Lobhudeleien des Stadtrates zu halten ist, wird an drei aktuellen Wiener Beispielen deutlich: Nach wie vor kann man nicht einmal die Wiener Ringstraße als Rollifahrer barrierefrei berollen, da sie gleich an mehreren Stellen nicht abgesenkte Gehsteige hat (vergleiche dazu auch den Beitrag „Große Um- und Mehrwege für Rollstuhlfahrer vom 13. Jänner 2010).

    Mit dem Hinweis, dass Gehsteige mindestens 2 Meter breit sein müssen (eine an und für sich vernünftige Anforderung) verbietet der Stadtrat den Bau einer Rampe zu einer Arztordination im 12. Bezirk, obwohl nach dem Einbau der Rampe noch mehr als 2 Meter übrig bleiben würden.

    Und drittens genehmigt die Stadt Wien Jahr für Jahr unzählige Schanigärten welche den Gehsteig oft derart einengen, dass ein Kinderwagen nicht mehr an einem Rollstuhlfahrer vorbeikommt (also deutlich uner den geforderten 2 Metern!

    Wien bleibt Wien.

  • Stehen womöglich Wahlen bevor???

  • @Klaudia Karoliny.
    Es gab – zumindest für diesen Zeitraum weiss ich es genau – in den 80er- und 90er-Jahren einen Normungsausschuss, der sich speziell mit der Normierung behindertenspezifischer Belange aus den Bereichen Bauen, Verkehr etc. beschäftigte. Hierbei wurde stets sehr viel Wert darauf gelegt, sowohl die Interessen blinder/hochgradig sehbehinderter Personen als auch die von Rollstuhlfahrern/innen vernünftig aufeinander abzustimmen und diese unter Berücksichtigung aller Aspekte auch für alle akzeptablen Normen zuzuführen. Vielleicht sollten Sie sich mit Ihrer diesbezüglichen Interessensvertretung, die damals auch in diesem Ausschuss saß, in Verbindung setzen.

  • Ich weiß, wenn es schon wir Rolli-FahrerInnen nicht schaffen, mit den Blinden- u. Sehbehindertenverbänden ins Gespräch zu kommen, wie soll es dann die „hohe“ Politik. Ich hasse diese 3-cm-Gehsteigabschrägungen, die – schlampig gearbeitet – dann gleich 5 cm und mehr werden und unüberwindbar werden. Ich kenne die Situation von Norddeutschland, wo jeder Randstein barrierefrei überwindbar ist – trotzdem durch breite verschiedenartige Pflastersteine, es blinden und schwer sehbehinderten Menschen anzeigen, dass hier eine Abgrenzung ist zwischen Fahrbahn, Radweg und Gehstreifen.

    Warum bürgert sich sowas nicht bei uns in Österreich ein? Liegen doch die Länder nicht weit auseinander und sind die Menschen dort nicht weniger sehbehindert als hier. Färbig auseinandergehalten, sieht das Ganze auch noch dazu schön aus. Bei starkem Schneefall ist weder das eine noch das andere brauchbar und nutzbar. Da geht es uns Rolli-FahrerInnen so wie blinden u.sehbehinderten Menschen. Wir müssen zuhause bleiben oder sind auf andere Menschen angewiesen, wenn wir uns nach draußen wagen. Bei besseren Bedingungen bedingt es einer Umstellung. So stelle ich mir das als nicht wirklich sehbehinderte Person vor.

    Ein Diskussionsanstoß für alle RollifahrerInnen, vor allem aber auch für nicht-engstirnige sehbehinderte/blinde Personen, darüber nachzudenken, zu diskutieren – gemeinsam nach Lösungen für politische Forderungen und Ö-Norm-Änderungen zu suchen und sich dafür einzusetzen. DAS wäre schön.

  • „Im Jahr 2009 wurden zirka 400 Gehsteigabsenkungen neu errichtet“. Wo ist dies öffentlich ersichtlich? Kann man das per Internet abfragen? Noch vor einigen Jahren wurde von 800-1000 Gehsteigabsenkungen pro Jahr von der Rathauskorrespondenz berichtet.
    „In Wien konnten so bereits mehr als 90 Prozent aller Gehsteige abgesenkt werden, in den dicht bebauten Bezirken innerhalb des Gürtels sowie im 2.und 20. Bezirk sind es wesentlich mehr. In einigen Bezirken (2, 7, 8, 17 und 20) sind die Gehsteige bereits an nahezu allen Übergängen abgesenkt“. Diese Zahlen würde ich gerne Glauben schenken.
    Trotz Allem: Wien hat in den letzten 30 Jahren viel für Barrierefreiheit getan und ist für behinderte Menschen bezirksspezifisch um einiges lebenswerter geworden …