Mein Geld ist vor mir sicher

Die Nutzung eines Bankomaten (= Geldausgabe-Automaten) ist grundsätzlich auch ohne Sicht auf den Bildschirm möglich, dennoch möchte ich meinen Leserinnen und Lesern von einem solchen Experiment dringend abraten!

Euro Banknoten
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Manchmal erlebe ich, dass an sich gute Nachrichten einen unangenehmen Beigeschmack haben, wie die für blinde Amerikaner äußerst erfreuliche Meldung, dass alle 18.000 Geldausgabe-Geräte der Bank of America nun mit Sprachausgabe versehen sind – und das in einem Land, wo nahezu alles mit Kreditkarte bezahlt wird und Barzahlung eher selten ist.

Diese Meldung hat mir umso deutlicher meine eigene Situation ins Bewusstsein gerufen. In Österreich gibt es meines Wissens nämlich nur zwei Geräte, die diese Anforderung erfüllen. Das ist selbst für ein so kleines Land geradezu peinlich wenig.

„Im Blindflug“

Die Nutzung eines Bankomaten (= Geldausgabe-Automaten) ist grundsätzlich auch ohne Sicht auf den Bildschirm möglich, dennoch möchte ich meinen Leserinnen und Lesern von einem solchen Experiment dringend abraten! Die folgenden Hinweise stellen daher keine Anleitung dar, sondern dienen lediglich zur Verdeutlichung meiner eigenen erschwerten Bedingungen, wenn ich an Bargeld kommen möchte.

Beim Drücken der recht gut fühlbaren Tasten auf allen mir bekannten Bankomat-Typen erfolgt normalerweise ein Tonsignal, sofern die Bank dieses nicht abgestellt hat, was leider auch vorkommt. Ohne Signalton muss ich von vornherein kapitulieren.

Ein kleiner, aber feiner Unterschied

Ist der Ton zu hören, so macht es einen wesentlichen Unterschied, ob dieser Ton lediglich aufgrund des Tastendrucks erfolgt oder aber, weil das Programm die Eingabe auch verarbeitet hat. Wird das Tonsignal bei jedem Tastendruck ausgegeben, kann ich nie sicher sein, dass die Eingabe auch erkannt und verarbeitet wurde. Eine eventuelle optische Meldung, dass das Gerät noch nicht bereit ist, kann ich ja nicht lesen.

Ich möchte das unterschiedliche Verhalten und die Folgen daraus anhand der Pin-Eingabe verdeutlichen: Da ich nach dem Einschieben der Karte nicht genau weiß, wann das Gerät arbeitsbereit ist, tippe ich nach „gefühlten 6 Sekunden“ die 1. Ziffer meines Pin-Codes ein.

Bei Geräten, die bei jedem Tastendruck ein Tonsignal ausgeben, höre ich dieses daher auch dann, wenn das Programm noch gar nicht bereit ist. Ich kann also nicht kontrollieren, ob alle 4 eingegebenen Ziffern oder nur 2 oder 3 davon vom Programm akzeptiert wurden.

Anders verhält es sich bei Geräten, die den Ton nur dann ausgeben, wenn das Programm die Eingabe auch verarbeiten kann. Drücke ich eine Taste und erhalte keinen Bestätigungs-Ton, kann ich ein wenig warten und es neuerlich versuchen. Sobald ein Tastendruck akustisch quittiert wird, habe ich die Sicherheit, dass die Eingabe auch übertragen wurde.

Dennoch kann ich eine Geldbehebung nur dann erfolgreich zu Ende führen, wenn keine unvorhergesehenen Meldungen am Bildschirm erscheinen, wie etwa der Hinweis, dass nur bestimmte Banknoten verfügbar sind.

In jedem Fall brauche ich zur Bedienung ein gutes Zeitgefühl, um abzuschätzen, wann ich die nächste Eingabe tätigen kann. Leider sind die Reaktionszeiten äußerst unterschiedlich und sowohl vom Gerätetyp als auch der Programm-Version und der Datenleitung abhängig.

Ich würde es daher vorziehen, immer dasselbe Gerät zu nutzen, um auf Erfahrungswerte zurückgreifen zu können. Jedoch wurden in meiner näheren Umgebung inzwischen alle Bankomaten durch neuere Geräte-Typen ersetzt, sodass die Wege zum eigenen Geld immer weiter und beschwerlicher werden.

Alternativen?

Die Geldbehebung per Papier (= Schalterquittung) ist auch keine wirkliche Alternative. Um einen Zettel mit Kugelschreiber ausfüllen zu können, müsste ich ja sehen, wohin ich schreiben muss. Ich benötige daher die Hilfe des Schalterbeamten, der sie mir allerdings nur gewähren darf, wenn ein 2. Mitarbeiter im Vier-Augen-Prinzip als Supervisor dient. Was für ein Aufwand für ein bisschen Bargeld!

Und darum bezahle ich, wo immer möglich, mit Kredit- oder Bankomat-Karte oder per Online-Überweisung. Aber ganz ohne Bares geht es nun mal nicht.

Gleichstellung?

Wenn ich also lese, wie es sein könnte, empfinde ich es geradezu als Schikane, dass ich mein Geld seit 36 Jahren wohl selbstständig und eigenverantwortlich verdienen muss, nicht aber auf dieselbe Weise beheben kann.

Wie war das doch mit dem Bundesbehindertengleichstellungsgesetz? „… in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind …“ heißt es dort sinngemäß.

Aber in weiten Bereichen greift ein Gesetz eben nur dann, wenn es einerseits Durchführungsbestimmungen und andererseits auch Sanktionen bei Nichteinhaltung gibt.

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