Mein iPhone

Für den einen ist es ein Spielzeug, für den anderen ein Statussymbol und für viele einfach nur ein Smartphone. Für mich ist das iPhone darüber hinaus auch ein wertvolles Hilfsmittel.

iPhone
Edward Lich

Als mein Handy Ende letzten Jahres die ersten Defekte aufwies und ich aus purer Neugierde den Sprung ins kalte Wasser wagte und mich für ein iPhone 4 entschied, war mir durchaus bewusst, dass ich sozusagen in eine neue Ära eintrete.

iPhone-Tagebuch

Darum startete ich auch unmittelbar danach mein iPhone-Tagebuch mit dem Vorsatz, es ungefähr ein halbes Jahr lang zu führen. Wie in einem Tagebuch üblich, ging es mir darum, meine persönliche, also äußerst subjektive Sichtweise und Herangehensweise zu beschreiben, auf jene Themen ein wenig näher einzugehen, die mir besonders wichtig sind und zu zeigen, wie man sich als blinder Nutzer in die Bedienung eines Touch Screen einarbeitet.

Als Tagebuch-Thema war das iPhone bisher ein Thema unter vielen anderen. Angesiedelt im Blog-Bereich und nur dann komplett sichtbar, wenn jemand das Tagebuch bewusst öffnet. Schon darum war von Anfang an klar, dass es spätestens am Jahresende „Archivcharakter“ bekommen würde. Alles hat eben seine Zeit – und ein Tagebuch erst recht.

Rein praktisch gesehen, hat aber für mich das Thema iPhone nach der Schließung des Tagebuchs erst so richtig begonnen. Die gröbste Lernphase ist vorüber und es ist alltagstauglich geworden. Was mir selbst zu Beginn nicht bewusst war und auch nicht sein konnte, ist die Entwicklung des iPhone zu einem echten (Blinden-)Hilfsmittel. Es unterstützt mich bei der Wahrnehmung diverser Aufgaben sowohl im beruflichen Bereich als auch bei der Mobilität und natürlich erst recht in der Freizeit.

Die erste App

Die erste App, die ich nach dem Erlernen der Grundfunktionen aus dem App Store geholt habe, war wohl nicht zufällig Saytext (Englisch), also eine Texterkennung. Dies scheint meine unbewusste Prioritätensetzung, das iPhone zu einem wichtigen Helfer zu machen, bereits eingeleitet zu haben, auch wenn mir dies nicht bewusst war. Und wenn ich heute die ca. 100 installierten Anwendungen durchsehe, so ist nur der weit kleinere Teil davon auf Unterhaltung ausgerichtet.

Ein Stück Inklusion

Bei näherer Überlegung ist die Erfolgsgeschichte des iPhone auch unter blinden Anwendern keineswegs so außergewöhnlich, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag: Apple hat die Bedienerhilfen (allem voran VoiceOver als Screen Reader und Zoom als Vergrößerung) zum fixen Bestandteil eines Massenprodukts gemacht. Damit haben auch blinde und sehbehinderte Anwender Zugriff auf eine sechsstellige Anzahl an Anwendungen, die der breiten Masse zur Verfügung stehen.

Nach Erscheinen der nächsten Betriebssystemgeneration im Herbst sind weitere neue Anwendungen zu erwarten. Meine Hoffnung, noch viele nützliche Dinge für meinen Alltag zu finden, scheint daher im Hinblick auf die schier unüberschaubare Flut an Anwendungen durchaus berechtigt.

Diese Hoffnung wird auch durch die von Apple zur Verfügung gestellten Richtlinien (Englisch) genährt, in denen genau festgelegt ist, wie Anwendungen auch für die eingebauten Hilfstechniken sinnvoll nutzbar gemacht werden können. Auch wenn derzeit noch nicht viele Programmierer ihre Apps barrierefrei gestalten, so muss dies ja nicht so bleiben.

Versuch einer Motivation

Neben ausreichendem Wissen, wie Barrierefreiheit umgesetzt werden kann, ist es aber auch wichtig zu wissen, für wen der Aufwand betrieben wird, nämlich nicht für blinde Menschen an sich, sondern für einzelne blinde Anwender, die mit Hilfe moderner Technik ihren Alltag besser gestalten können. Erfahrungsgemäß motiviert die Kenntnis, wie Anwender damit umgehen, deutlich mehr als das Studium ausführlicher Forschungsberichte.

Beharrlichkeit ist ein Naturgesetz, und darum kann es im Netz nicht genügend Stellen geben, an denen ganz konkret und praxisbezogen, oft auch extrem subjektiv, über Nutzen und Grenzen vor allem neuer Konzepte berichtet wird.

Deshalb werde ich beharrlich meine (Er)Kenntnisse über die Rolle des iPhone im täglichen Gebrauch hier aufschreiben, ob es sich nun um die Entdeckung und Nutzung einer neuen tollen Anwendung oder um die kleinen und großen Stolpersteine handelt.

Möge daraus Nutzen ziehen, wer kann und detailliertere Auskünfte bei mir einholen, wer will.

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0 Kommentare

  • ich bin ohne arme und beine geboren worden. für mich ist so ein handy perfekt. durch das ich zu 95% mit einem stick im mund schreibe kann ich das ding auch problemlos bedienen. zu meinem joystick den ich ja auch mit dem mund bediene zum mit meinem rollstuhl vorwärts zukommen habe ich das handy auch daran befestigt. perfekter geht es nicht mehr.

  • Mir gefällt die Beschreibung inhaltlich und formal gut, denn für mich ist das sms-schreiben mit Handtelefonen nicht mehr möglich, mit dem iphone und den verschiedenen Applikationen hingegen zum Schreibvergnügen geworden.

  • @anonym: Ich verstehe die Kritik nicht ganz und auch nicht den Hinweis auf eine alternative Überschrift. Das Ding ist eben kein normales Smartphone, sondern eines von einer Firma, die standmäßig bei ALLEN Geräten einen Screenreader und eine Zoommöglichkeit eingebaut hat. Und ja, das Ding heißt iPhone. 🙂

  • Die Idee finde ich sehr gut, also dass man über seine Erfahrungen spricht, aber dass man das hier als „iPhone“ Präsentation hinstellt hat doch einen etwas komischen Beigeschmack. würde der Artikel „Mein Smartphone“ heißen, wäre das um einiges eleganter. Wie gesagt, die Idee ist gut, aber die Präsentation des Artikels hier auf Bizeps hat einen komischen Beigeschmack.