Menschen mit Behinderungen, Covid-19 und Selbstbestimmt Leben

Zu möglichen Risiken, Herausforderungen und Chancen fragen Sie Menschen mit Behinderungen selbst! Ein Kommentar.

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Risiken – tatsächliche, vermeintliche und gesellschaftlich bedingte. Hier nur einige Beispiele:

Viele Menschen mit Behinderungen gehören durch Vorerkrankungen tatsächlich zur sogenannten Risikogruppe. Manche benötigen umfassende persönliche Unterstützung (zum Beispiel bei der Körperpflege).

Während dieser kann mitunter der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden – 2 unbestrittene tatsächliche Risiken.

Aber:

  • Nicht alle Menschen mit Behinderungen haben Vorerkrankungen.
  • Nicht alle Menschen mit Behinderungen benötigen Unterstützung in solcher Form.
  • Nicht alle Menschen mit Behinderungen gehören in die sogenannte Risikogruppe – das Merkmal Behinderung wird in der öffentlichen Wahrnehmung teils schon zum vermeintlichen Risiko.

Was meine ich mit „gesellschaftlich bedingt“?

Es fehlen immer noch Rahmenbedingungen, die den Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gerecht werden. Zum Beispiel ist in der Konvention klar als Menschenrecht festgelegt, frei wählen zu können, wo und mit wem man zusammenlebt. Menschen mit Behinderungen dürfen nicht gezwungen werden, in besonderen Einrichtungen zu leben.

Bekanntermaßen ist diese Wahlfreiheit für viele Menschen mit Behinderungen leider nicht Realität. Sie leben nach wie vor in teils großen Einrichtungen, was auch das Risiko einer COVID-19 Ansteckung erhöht.

Klischees und Rollenbilder

Die Klischees und traditionelle Rollenbilder tun ihr Übriges.

Verfolgt man die gängige Berichterstattung in den Medien zum Thema, könnte der Eindruck entstehen, dass so gut wie alle Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen leben und in dazugehörigen Werkstätten arbeiten. Und natürlich benötigen sie die Unterstützung von Fachpersonal, das sie beschützt – so scheint es.

Schutzausrüstung und vorsorgliche Tests sind nämlich nur in Sondereinrichtungen vorgesehen beziehungsweise mitgedacht.

Das ist natürlich wichtig, gerade im Hinblick auf die oben beschriebene Situation, welche leider auf eine große Zahl von Menschen mit Behinderungen zutrifft.

Was aber weitgehend übersehen wird, ist die Tatsache, dass sich immer mehr Menschen mit Behinderungen mühsam ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung mit, zum Beispiel, Unterstützung von Persönlicher Assistenz aufgebaut haben.

Herausforderungen, nicht nur für Letztere:

  • noch mehr organisieren, als sonst schon für einen möglichst reibungslosen Ablauf des Alltags notwendig
  • noch stärkere emotionale Herausforderungen für den Durchschnitt der Bevölkerung, zum Beispiel immer im Hinterkopf: es kann vom eingespielten Assistenzteam jemand COVID19-bedingt ausfallen und dann ist zu hoffen, dass es sich nur um vorsorgliche Quarantäne handelt.
  • verantwortungsvoller Umgang mit unvermeidbaren Risiken, wie oben am Beispiel Körperpflege beschrieben. Das heißt auch die notwendigen Hilfsmittel dafür zu beschaffen.
  • Aufrechterhaltung der oft mühsam aufgebauten sozialen Kontakte
  • Vermeidung eines Rückschritts in Richtung Abhängigkeit von Familienangehörigen, wie sie die erste Gruppe aufgrund von Werkstatt-Schließungen gerade massiv erlebt (hat). Die Unterstützung durch Familienangehörige ist ein gutes, willkommenes Sicherheitsnetz, birgt aber auch das Risiko, dauerhaft wieder in alte Rollenverteilungen zurückzukippen.

Menschen mit Behinderungen haben ebenso wie ihre Angehörigen ohne Behinderung ein Recht darauf, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten! Das heißt zum Beispiel einfach „nur“ Mutter und Tochter, Vater oder Sohn, Bruder oder Schwester zu sein und nicht gleichzeitig ehrenamtlicher Assistent oder Assistentin.

Die Chancen:

Die gewachsene Solidarität, nicht nur was notwendige Unterstützung bei Einkäufen betrifft.

Meine Hoffnung ist, dass sich jetzt vielleicht mehr Menschen ohne Behinderungen in die Situation von Menschen mit Behinderungen hineinversetzen können.

Einschränkungen, die für uns regelmäßig Realität sind (z.B. die Wohnung nicht verlassen zu können, beispielsweise aufgrund von baulichen Barrieren oder eines defekten Aufzugs) haben sie nun selbst erfahren.

Das gilt natürlich auch für das gegenseitige Einfühlungsvermögen von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen in die jeweils andere Lebenssituation: zum Beispiel das Mitdenken, dass Informationen barrierefrei verfügbar sein müssen (Stichwort: Leichte Sprache). Mir persönlich war zum Beispiel nicht sofort bewusst, dass der Mund-Nasen-Schutz für Menschen, die von den Lippen ablesen, eine Kommunikations-Barriere bildet.

All das wären doch starke Impulse, sich gemeinsam für eine inklusive Gesellschaft einzusetzen, in der Vielfalt als Bereicherung erlebt werden kann. Ich bin zuversichtlich, dass sie genützt werden!

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2 Kommentare

  • Zu den negativen Folgen der autoritären Anticoronapolitik, unter denen gerade die vulnerablen Gruppen ganz besonders leiden, gibt Material bei einer Plattform von 29 wissenschaftlichen / fachärztlichen Organisationen aus Deutschland Österreich und Schweiz:

    https://www.public-health-covid19.de/ergebnisse.html

    Gerade durch die Corona-Angstmache gehen Menschen seltener zum Arzt oder vielfach zu spät, werden Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen nicht gemacht, was auch massive gesundheitliche Schädigungen nach sich zieht bis zum Tod!

  • Die Isolation ist verfassungswidrig und stellt eine Freiheitsberaubung dar, für die eigentlich ein Entschädigungsanspruch besteht nach EMRK!

    https://kurier.at/chronik/wien/corona-schutzmassnahmen-in-pflegeheimen-vor-gericht/400985768

    Coroan ist gerade 3 – 6 x tödlicher als „normale“ eingeführte Grippe und auch nicht so hyperansteckend. Da stellt sich schon die Frage der Verhältnismässigkeit.

    Das Sterberisiko ist auch für Vorerkrankte nicht so arg, wenn mensch unter 60 ist. Zudem muß mensch eher SCHWER erkrankt sein.

    Seriöse Abschätung der Risken für Vorerkrankte je nach Epedemiszenario:
    http://covid19-phenomics.org/PrototypeOurRiskCoV.html

    Die von Medien und Politik betriebene Angstmache ist in der Heftigkeit keinesfalls gerechtfertigt!

    Schon gar nicht die überschießende und autoritäre Politik „unserer“ Regierung!

    Die Bekämpfung einer Epidemie eines Virus, das eine Klasse über Grippe ist, geht auch anders!

    https://www.medico.de/ein-corona-manifest-17746/