Menschen mit Behinderungen, COVID und Selbstbestimmt Leben

Verfolgt man die gängige Berichterstattung in den Medien zum Thema, könnte der Eindruck entstehen, dass so gut wie alle Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen leben und in dazugehörigen Werkstätten arbeiten. Ein Kommentar.

Virus: Infos für Wien
Virus von Christoph Scholz / CC BY-SA 2.0

Zu möglichen Risiken, Herausforderungen und Chancen fragen Sie Menschen mit Behinderungen selbst!

Risiken tatsächliche, vermeintliche und gesellschaftlich bedingte

Hier nur einige Beispiele: Viele Menschen mit Behinderungen gehören durch Vorerkrankungen tatsächlich zur sogenannten Risikogruppe. Manche benötigen umfassende persönliche Unterstützung (zum Beispiel bei der Körperpflege). Während dieser kann mitunter der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden – zwei unbestrittene tatsächliche Risiken.

Aber: Nicht alle Menschen mit Behinderungen haben Vorerkrankungen. Nicht alle Menschen mit Behinderungen benötigen Unterstützung in solcher Form. Nicht alle Menschen mit Behinderungen gehören in die sogenannte Risikogruppe – das Merkmal Behinderung wird in der öffentlichen Wahrnehmung teils schon zum vermeintlichen Risiko.

Was meine ich mit „gesellschaftlichbedingten Risken“?

Es fehlen immer noch – ganz unabhängig von Covid – Rahmenbedingungen, die den Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gerecht werden. Zum Beispiel ist in der Konvention klar als Menschenrecht festgelegt, frei wählen zu können, wo und mit wem man zusammenlebt.

Menschen mit Behinderungen dürfen nicht gezwungen werden, in besonderen Einrichtungen zu leben. Bekanntermaßen ist diese Wahlfreiheit für viele Menschen mit Behinderungen leider nicht Realität. Sie leben nach wie vor in teils großen Einrichtungen, was auch das Risiko einer Covid-Ansteckung erhöht.

Klischees und traditionelle Rollenbilder tun ihr Übriges:

Verfolgt man die gängige Berichterstattung in den Medien zum Thema, könnte der Eindruck entstehen, dass so gut wie alle Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen leben und in dazugehörigen Werkstätten arbeiten. Und natürlich benötigen sie die Unterstützung von Fachpersonal, das sie beschützt – so scheint es.

Dazu kommt Berichterstattung über Schutzausrüstung und vorsorgliche Tests, die aber nur in Sondereinrichtungen vorgesehen beziehungsweise mitgedacht werden. Das ist natürlich wichtig, gerade im Hinblick auf die oben beschriebene Situation, welche leider auf eine große Zahl von Menschen mit Behinderungen zutrifft.

Es fehlen immer noch – ganz unabhängig von Covid – Rahmenbedingungen, die den Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gerecht werden.

Dieser Kommentar ist zuerst in BEGEWURM COVID-Kaleidosko erschienen.

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3 Kommentare

  • Durch die massiven Einschränkungen im Gesundheitssystem – es wurde gut 3 Monate fast komplett runtergefahren für wie zu erwarten war nicht gekommene Masse an schwer Erkrankten (der Lockdown war brachial genug) – sind chronisch Kranke massiv gefährdet und sterben zum Teil an den „normalen“ Krankheiten weil die Untersuchung/Behandlung nicht oder zu spät gemacht wird. Wie will da der Gesundheitsminister die „Verantwortung“ übernehmen!

    Schon die Angstmacherei hat massive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung! Eine Epidemie bekämpft man doch besser mit einem Wettbewerb der guten Ideen als stumpfer Coronaobrigkeit!

    https://www.aerztezeitung.de/Politik/Ethikrat-fordert-Wettbewerb-der-Ideen-statt-stumpfe-Corona-Obrigkeit-408400.html

    Eine demokratiegemäße Seuchenpolitik schaut eindeutig anders aus!
    https://www.medico.de/ein-corona-manifest-17746/

    Gerade die Gefährdeten gehören Expert*innen zufolge besser behandelt! Durch die Angstmachepolitik passiert aber leider das Gegenteil: Viele lassen sich aus Angst nicht behandeln oder werden gar wegen einem harmlosen Schnupfen (mir vor einiger Zeit beim Zahnarzt passiert dessen Sekretariat mich geradezu zum nicht ausgemachten Termin gedrängt hatte (zwecks Abschluss einer Behandlung) – das ist angeblich Vorgabe des Gesundheitsminister – NICHT behandelt. Wer chronisch verkühlt ist im Winter hat demzufolge kein Menschenrecht auf Gesundheit mehr oder muss laufend 50 Euro teure PCR-Tests machen …

    Einfach absurd diese Politik!

  • Es fehlen immer noch – ganz unabhängig von Covid – Rahmenbedingungen, die den Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gerecht werden.

    Dazu möchte ich sagen:
    Der Gesetzgeber hat daher in der 197. Verordnung des Bundesministers für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Lockerungen der Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 ergriffen wurden folgende Ausnahmen erlassen.
    Ausnahmen
    § 11.
    (1) Diese Verordnung gilt nicht für
    (2) Betretungsverbote sowie Bedingungen und Auflagen nach dieser Verordnung gelten nicht
    1.
    zur Abwendung einer unmittelbaren Gefahr für Leib, Leben und Eigentum,
    2.
    zur Betreuung und Hilfeleistung von unterstützungsbedürftigen Personen oder
    3.
    zur Wahrnehmung der Aufsicht über minderjährige Kinder.
    (3) Das Tragen von einer den Mund- und Nasenbereich abdeckenden mechanischen Schutzvorrichtung gilt nicht für Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr und für Personen, denen aus gesundheitlichen Gründen das Tragen der Vorrichtung nicht zugemutet werden kann.
    (4) Die Verpflichtung zur Einhaltung des Abstandes gilt nicht zwischen Menschen mit Behinderungen und deren Begleitpersonen, die persönliche Assistenz- oder Betreuungsleistungen erbringen.
    (5) Sofern zwischen den Personen geeignete Schutzvorrichtungen zur räumlichen Trennung vorhanden sind, muss ein Abstand von einem Meter nicht eingehalten werden
    (6) Im Fall der Kontrolle durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes sind die Gründe der Inanspruchnahme der Ausnahme glaubhaft zu machen.
    (7) Personen, die nur zeitweise im gemeinsamen Haushalt leben, sind Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben, gleichgestellt.
    Ich empfehle daher Personen die eine Betreuungsperson mit brauchen bei der Terminvereinbarung das mitzuteilen.
    Ich wünsche Allen auf diesem Weg viel Gesundheit und das der Alltag für uns wieder leichter wird.

  • COVID Risikogruppe? WARUM!!!!
    Menschen mit Behinderung in den Einrichtungen werden in dieser Zeit weggesperrt – nicht geschützt!!!
    Unsere Politiker sollten sich was schämen.