Menschen mit Behinderungen: Keine AMS-Förderung, kein Lohn, keine eigene Pension

Volksanwaltschafts-Sonderbericht „Lohn statt Taschengeld!“ wird im Nationalrat diskutiert

Volksanwalt Mag. Bernhard Achitz, Volksanwalt Werner Amon, MBA, Volksanwalt Dr. Walter Rosenkranz
Volksanwaltschaft / Photo Simonis

Vor etwas mehr als einem Jahr hat die Volksanwaltschaft den Sonderbericht „Keine Chance auf Arbeit – Die Realität von Menschen mit Behinderung“ an das Parlament übermittelt, morgen, Mittwoch, steht er im Plenum des Nationalrats auf der Tagesordnung.

Der Bericht zeigt die prekären Arbeitsbedingungen für Menschen mit Behinderung auf und fordert Lohn statt Taschengeld in Behindertenwerkstätten sowie einen eigenen Anspruch auf Sozialversicherung, vor allem auf Pensionsversicherung.

„Unbefriedigend und unzulässig“ – so hat die Volksanwaltschaft (VA) die Situation von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt in einem Sonderbericht beschrieben.

Hauptproblem

Wird die Arbeitsfähigkeit auf weniger als 50 Prozent klassifiziert, werden sie vom AMS nicht gefördert und nicht auf Arbeitsplätze vermittelt. Sie sind abhängig von Behindertenwerkstätten, wo sie nur unfall-, aber nicht voll sozialversichert sind.

Volksanwalt Bernhard Achitz: „Sie sind angewiesen auf die Mitversicherung bei den Eltern. Im Alter bleibt ihnen dann nur ein Leben auf dem Existenzminimum – Pension gibt es für sie nicht.“

Für ihre Arbeit bekommen die Menschen in den Werkstätten keinen Lohn, sondern nur ein Taschengeld: „Das ist weder wertschätzend, noch entspricht es der tatsächlichen Abgeltung der dort geleisteten Arbeit und des besonderen Engagements der Menschen mit Behinderung“, sagt Volksanwalt Walter Rosenkranz.

„Besonders für junge Menschen ist die Situation schwierig, sie haben kaum eine Chance, sich ein selbständiges Leben aufzubauen“, sagt Volksanwalt Werner Amon. Im Februar hat der Nationalrat mit einem Entschließungsantrag einen wichtigen ersten Schritt zur besseren Absicherung der Menschen in den Werkstätten gesetzt. „Jetzt muss es rasch an die Umsetzung gehen“, so die Volksanwälte.

Siehe: Sonderbericht der Volksanwaltschaft / Sonderbericht in Leicht Lesen

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4 Kommentare

  • Skandalös. Die Lösung ist aber nicht Behinderte als pauschal arbeitsfähig zu erklären und dem AMS-Zwangsregime mit permanenter Androhung des Existenzentzuges durch Bezugssperren zu unterwerfen sonder die Förderbestimmungen zu ändern!

    Ebenso wäre auch das Recht auf Lohn auf nicht voll arbeitsfähige Menschen auszuweiten. Leveling Up statt Levelling Down!

    In Großbritannien wurden Behinderte unter der konservativen Regierung als „arbeitsfähig“ erklärt, viele Behinderte begangen darauf Selbstmord oder sind in den Arbeitszwangprogrammen gestorben. Es kann also nicht Ziel sein, auch die Behinderten der kapitalistschen Lohnsklaverei zu unterwerfen!

    Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre auch eine Lösung!

  • Noch ein Beispiel: Meine Tochter hat, da noch zuhause wohnend, einen Teil der Mindestsicherung über die letzten Jahre für die Zukunft gespart. Das Geld soll sie jetzt zurückzahlen, obwohl es kein anderes Einkommen gibt und die TAGS 20 – 40 € pro Monat Taschengeld gibt. Wir hätten das Geld nicht angeben können, aber ich sehe nicht ein, warum ich schummeln soll, damit sie bekommt, was ihr zusteht. Es ist höchst an der Zeit da etwas zu ändern. Ich habe Beschwerde eingelegt und wir sind bereit, soweit wie möglich zu gehen. Gibt es noch andere, die Ähnliches erlebt haben?

  • Tippen Sie in Google ein: lehre für menschen mit behinderung

    Hoffentlich bringt Ihnen das was.

    lG Margarete

  • Sehr geehrte Damen und Herren!
    Unsere Tochter Julia arbeitet seid September in der Lebenshilfe, natürlich haben wir versucht, eine Lehrstelle zu finden, aber in Zeiten wie diesen ein Ding der Unmöglichkeit! Warum können die geschützten Werkstten ihre „Klienten“ nicht als Lehrling anstellen???
    Wir sind den Volksanwälten unglaublich Dankbar, sie leisten Großartihes, Bravo!!!
    Wir leben um 21 Jahrhundert, alle reden von Gleichgesinnten, Integration, aber in Wahrheit sind die Menschen mit einer Beeinträchtigung Menschen 2er Klasse und von einem normalen Leben gänzlich ausgeschlossen!
    Firmen zahlen lieber die viel zu geringe Strafe, als einen Menschen mit Behinderung einzustellen.
    Wir hoffen sehr, dass dies nun endgültig Geschichte ist und unsere Julia eine faire Chance in ihrem jungen Leben bekommt .
    Mit freundlichen Grüßen,
    Doris Mahlknecht