Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen der Behindertenhilfe thematisieren

Die Missstände in den Heimen war allen Stellen, bis in die höchste Politik, bekannt, sagen Zeitgeschichtler.

Ortschild mit Aufdruck Tirol
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„Seit Wochen vergeht nahezu kein Tag, an dem nicht ein neuer Missbrauchsfall im katholischen Umfeld bekannt wird“, schrieb kürzlich der Standard und wie zur Bestätigung wurde in Tirol am 29. März 2010 in einer Reihe von Medien wieder „Unfassbares in einem kirchlichem Heim“ bekannt.

Tiroler Behindertenheim in der Kritik

„Es gab kalte Duschen, Zwangsjacken, Beschimpfungen, Fußtritte, und die Insassen wurden stundenlang im Klo eingesperrt. Wenn ein Kind einmal erbrochen hatte, musste es das Erbrochene wieder aufessen“, sagte eine ehemalige Pflegerin gegenüber dem ORF in einem Bericht vom 30. März 2010.

Sie war im heutigen Sozialen Zentrum St. Josef in Mils im Jahr 1980 beschäftigt, hatte über diese Misshandlungen Tagebuch geführt und „sich mit ihren Beobachtungen an das Jugendamt und an hohe Stellen im Land Tirol“ gewandt, „doch niemand schenkte ihr damals nach eigener Erzählung Gehör“.

„Die Reaktionen war in erster Linie derart, dass wir als Lügnerinnen und Nestbeschmutzerinnen hingestellt wurden und dass wir dafür sogar Geld bekommen hätten. Dann wurde mir gesagt, dass ich nie mehr eine Landesstelle bekommen werde und dass ich auf kirchlicher Ebene keine Ausbildungsmöglichkeit hätte“, berichtet sie. Als Konsequenz verließ sie damals Tirol.

Konsequenzen?

„Konsequenzen hatte ihr Auflehnen gegen einzelne Mitarbeiter der kirchlichen Einrichtungen damals keine. Ein Vorverfahren wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt. Teilweise sind die damals von der Frau Beschuldigten auch heute noch in der Betreuung tätig“, hält der ORF-Beitrag ernüchternd fest.

Das zum Orden der Barmherzigen Schwestern gehörende Soziale Zentrum St. Josef in Mils reagierte gegenüber dem ORF mit einem Fax, bestätigte die damaligen Erhebung und legt wert auf die Feststellung: „Nach umfangreichen Untersuchungen durch die Ermittlungsbehörden wurden sämtliche Erhebungen eingestellt!“

Mundtot-Machen als System

„Die Missstände in den Heimen war allen Stellen, bis in die höchste Politik, bekannt, sagen Zeitgeschichtler. Das Mundtot-Machen von Menschen, die Missstände aufzeigten, habe System gehabt“, berichtet das Ö1-Mittagsjournal am 30. März 2010 und ergänzt: „Vom Jugendamt im Stich gelassen, von Vertretern der Landespolitik mundtot gemacht. Alle entsprechenden Stellen haben in der Vergangenheit von den Missständen gewusst, sagt dazu jetzt der Innsbrucker Zeitgeschichtler Horst Schreiber“.

Missbrauch in Einrichtungen liegt im System

Aus Untersuchungen in Österreich ist seit Mitte der 1990er Jahre bekannt, dass das Ausmaß von sexualisierter Gewalt in solchen Einrichtungen enorm hoch ist, berichteten wir kürzlich und verwiesen auf einschlägige Studien.

Prof. Volker Schönwiese von Selbstbestimmt Leben Tirol fordert im BIZEPS-INFO Gespräch umgehend eine öffentliche Diskussion des Themas: „Es ist dringend an der Zeit, dass auch in Österreich über Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch in Einrichtungen der Behindertenhilfe gesprochen wird. Niemand kann so tun, als ob das in Österreich kein Thema wäre.“

 

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0 Kommentare

  • solange die behinderten feindlichkeit in österreich und ausgrenzungen von oberster stelle vom bundespräsidenten angefangen denn bürgermeistern bis hinunter zu den bezirkspolitikern und gemeidepolitikern munter weiter betrieben wird ist sicher keine besserung in sicht widerum made in austria in keinem anderen land wird die ausgrenzung und diskrimminierung von behinderten so rigoros betrieben wie in österreich