Mit dem eigenen Elektrorollstuhl im Flugzeug sitzen

Möchte man als Rollstuhlfahrerin oder Rollstuhlfahrer mit dem Flugzeug reisen, bedeutet das häufig, aus dem eigenen Rollstuhl umsteigen zu müssen.

Die Sonne scheint uns entgegen, man sieht ein Flugzeug von vorne, dass an einer Fluggastbrücke angedockt ist. Links davon sieht man auch das Vorfeld und Fahrzeuge zur Beladung des Flugzeuges.
Andrew Branch

Das bedeutet für die Betroffenen eine Einschränkung der Mobilität und auch Verletzungsgefahr beim Umsteigen in eine andere Sitzmöglichkeit. Auch kann es bei der Unterbringung der Rollstühle zu Beschädigungen an diesen kommen.

Aufgrund dieser Problematiken bei Flugreisen meiden viele Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer diese und greifen auf andere Verkehrsmittel zurück, was eine umständlichere Reise und längere Fahrten bedeutet. Insbesondere sind Elektrorollstuhlfahrerinnen und Elektrorollstuhlfahrer von diesen Problemen bei Flugzeugreisen betroffen.

Flying Disabled“ hat mit der Londoner Designfirma „PriestmanGoode“ und „SWS Certification“, einer Organisation, die sich mit den Sicherheitsstandards von Flugzeugen beschäftigt, zusammengearbeitet, um zukünftig komfortables Fliegen im eigenen Rollstuhl zu ermöglichen. Entstanden ist „Air 4 All“.

Hinter „Air 4 All“ steht die Geschichte von Christopher Wood. Christopher Wood ist Berater für Barrierefreiheit in der Luftfahrt. Seine Tochter ist Elektrorollstuhlbenutzerin. Auf einer gemeinsamen Flugreise musste diese ihren Elektrorollstuhl verlassen, was ihr große Mühe bereitete.

Christopher Wood konnte dieses Vorgehen nicht verstehen. Er fragte sich, warum man in andere Verkehrsmittel, z. B. in einen Zug, mit dem eigenen Rollstuhl hineinfahren kann und nur in ein Flugzeug nicht. Diese Erfahrung führte zur Gründung von „Flying Disabled“. Das ist eine Kampagne, die sich dafür einsetzt, dass Menschen mit Behinderungen im eigenen Rollstuhl fliegen dürfen.

Einfach und sicher ohne Platzverlust

 „Air 4 all“ ist ein spezielles Design von Flugzeugsitzplätzen für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer. WheelchairTravel berichtet darüber, wie das neue Sitzplatzsystem funktioniert.

Der neue Rollstuhlsitzplatz lässt sich bequem in das Design von jeder Kabine einfügen, ohne dass Sitzplätze verloren gehen. „Air 4 all“ ist so konzipiert, dass die Sitze in der ersten Reihe neben den Türen umgebaut werden. Eine Führungsschiene und ein Sicherungssystem werden in das Flugzeug eingebaut, so dass bis zu zwei Passagiere in ihren Rollstühlen pro Reihe auf einem einzigen Flug mitfliegen können.

„Air 4 all“ funktioniert ähnlich wie die Verriegelungs- und Sicherungssysteme, die viele Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen in ihren eigenen Fahrzeugen verwenden. Es gibt eine Führungsschiene im Boden, in die der Rollstuhl hineinfährt und einen Stift, der in ein Befestigungssystem einrastet.

Besonders praktisch ist, dass dafür keine Sonderanfertigung für einen Rollstuhl notwendig ist. Bei den Rollstuhlsitzplätzen wird ein normaler Sitzplatz hochgeklappt. sodass der Rollstuhl zufahren kann, dann wird der Rollstuhl mit den entsprechenden Befestigungssystemen gesichert, die durch das Hochklappen des Sitzes frei werden. Wird der Sitzplatz nicht als Rollstuhlsitzplatz gebraucht, kann er als herkömmlicher Sitzplatz verwendet werden.

Damit man auch im eigenen Elektrorollstuhl reisen kann und kein extra fürs Fliegen gebauter Elektrorollstuhl notwendig ist, braucht es spezielle Nachrüstungen für die Rollstühle. Daran wird derzeit gearbeitet. Auch die kompliziertesten Fragen wie z. B. nach der Notwendigkeit der Stabilität der Rollstühle wurden bereits gelöst.

„Air 4 All ist“ soweit gekommen, wie keine andere Initiative zuvor.

Christopher Wood ist zuversichtlich, denn es gibt auch bereits eine Fluglinie, die an der Umsetzung interessiert ist. Wenn alles nach Plan verläuft, so hofft er, könnte es schon in zwei Jahren soweit sein, dass man tatsächlich mit dem neuen Sitzsystem fliegen kann.

Ein erster Prototyp des neuen Systems war ursprünglich für im Dezember 2021 geplant. Durch die Pandemie könnte sich die Einführung aber bis 2022 verzögern.

Das Video

Hier das Video vom Sitzplatz:

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5 Kommentare

  • Momentan können sich Rollifahrer*innen schon glücklich schätzen, wenn sie wie ein Gepäckstück als erster Passagier ins Flugzeug geladen und zuletzt abgeholt werden, Anschlussflüge brauchen gleich gar nicht gebucht zu werden.
    Und am Rolli ist jedes 2. Mal etwas kaputt.

  • Und wie kommt man in die Toilette?

    • Auch dazu gibt es Lösungen, die besser als die bisherigen sind. Habe ich auch als Prototyp schon testen dürfen mit meinem Elektrorollstuhl. Leider geht das alles aber nicht so schnell wie ich es mir wünschen würde.

  • Das hört sich vielversprechend an. Aber sind die Türöffnungen und Gänge nicht zu schmal für einen E-Rolli? Unser E-Rolli braucht eine Durchgangsbreite von 70 cm. Lg R.Kendl

    • Bis zur ersten Sitzreihe sollte es gehen. Sie haben das mit durchschnittlichen Elektrorollstühlen getestet. Ich bin auch schon sehr gespannt wie es weiterentwickelt wird.